Kaum zu glauben, dass es 77 Tage her ist seit dem 34. Spieltag der letzten Saison. 77 Tage die langweilig sein können wir in.. sagen wir Leverkusen oder gar Nürnberg. Oder spektakulär wie in München, Hamburg und vor allem Köln. Trainer weg, Kölscher Jung da, Toptorjäger rätselhaft verletzt, neuer Trainer da, Testspielschlappe gegen Koblenz, gerade so in Emden gewonnen.
Viel passiert, und am Ende sah das erste Spiel der neuen Saison aus wie die Rückrunde der alten Saison. Dass das kein Problem ist, sondern erwartbar war, liegt an der Personalsituation. Vier Spieler bilden die absolute Achse des 1. FC Köln 2009/10. Geromel, Petit, Podolski, Novakovic. Drei davon fielen gestern aus, einer wurde mit Magen-Darm-Geschichten noch gerade so spielfähig.
Vor diesem Hintergrund war das gestrige Spiel gar nicht so übel. Sicher, da gab es vor allem die Cottbus-Taktik, mauern und auf Konter hoffen. Aber es gab auch ein paar froh stimmende Erkenntnisse.
1. Mondragon ist zwar alt, aber er ist noch erstligareif. Man sollte zwar nicht den Fehler machen und jetzt direkt nach einer Vertragsverlängerung rufen, aber für diese Saison ist er aller Voraussicht nach noch zu gebrauchen.
2. Auch Zvonimir Soldo sollte gestern kapiert haben, dass Fabrice Ehret auf dem linken Flügel Wilfried Sanou unbedingt vorzuziehen ist. Ersterer ist nicht der begnadetste Techniker, auch ihm misslingen Dinge, aber Sanou ist außer in Sachen Laufgeschwindigkeit nirgendwo erstligareif. Sollte noch jemand für die Flügel kommen, darf er gerne nach Augsburg o.Ä. verschwinden.
3. Maniche wird eine Verstärkung. Gestern konnte er das sicher noch nicht zeigen, immerhin war er lange ohne Trainingspraxis. Umso besser wirkte das Zusammenspiel, deutete er technische und strategische Klasse an, sorgte für Torgefahr auf der Zehner-Position. Anfang September dürfte er vollsständig fit sein, und dann freue ich mich aber mal auf seine Auftritte.
4. Kevin McKenna ist der bestmögliche dritte Innenverteidiger. Er weiß ja selbst, dass er am Duo Mohamad/Geromel nicht vorbeikommt, aber wenn er gebraucht wird, ist er da. Kein begnadeter Spieleröffner, kein Sprintertyp, aber defensiv in einer defensiv eingestellten Mannschaft mit guten Leistungen.
5. Borussia Dortmund wird Meister. In der letzten Saison haben wir am ersten Spieltag auswärts gegen Wolfsburg mit einem Tor Unterschied verloren. Mir wäre es recht, wenn es dieses Mal ebenso wäre.
Jetzt gilt es also, möglichst schnell alle Spieler fit zu bekommen. Das gestrige 4-2-3-1 war für Neuzugang Freis eine willkommene Gelegenheit, sich einen freien Tag zu nehmen. Sicher war er bemüht, aber als einzige Spitze ist er völlig verschenkt. Milivoje Novakovic reist gegen den Willen des Vereins zum Länderspiel gegen San Marino am Mittwoch, Lukas Podolski dagegen fährt nicht nach Aserbaidschan sondern kuriert sich aus. Am Samstag kommt Wolfsburg zum Topspiel, das ich nicht sehen kann, weil ich beim Haldern Pop Festival bin. Ich bin zuversichtlich. Wolfsburg hat es bei uns immer schwer gehabt, und selbst wenn sie uns plattmachen: Zu verlieren haben wir nix. Außer noch ein paar Stammspieler.
