Ketzerische These: Wäre Änis Ben-Hatira ein Franzose, würden alle Möchtegernfußballexperten in den Foren dieser Welt völlig steil auf ihn gehen, täglich gäbe es neue Gerüchte dass er von Arsenal beobachtet wird.

Aber Ben-Hatira ist Deutscher, und als solcher nicht wirklich beliebt im europäischen Fußballausland. Nach Duisburg wurde er ausgeliehen, konnte dort überzeugen, man wollte ihn behalten, aber so blöd ist der HSV nicht. Er kann sehr großartig werden, wenn er nur spielt und sich so die Macken abschleifen, die Dribbelkünstler wie er gerne mal haben. Das Vertändeln, das fehlende Auge für den richtigen Pass, der Egoismus. Ist das weg, spielt er sicher auch beim HSV eine gute Rolle.

Prognose: Wird es als Außenbahnspieler in der A-Nationalmannschaft schwer haben.

Zu Daniel Adlung  kann ich nun wirklich gar nichts schreiben. In Wolfsburg spielt er nie, in der U21 auch nicht, und eigentlich ist es allen ein Rätsel, warum er Toni Kroos vorgezogen wurde.

Prognose: Schwer möglich. Möchte wohl aus Wolfsburg weg. Dann wäre vielleicht doch wieder eine Möglichkeit für ihn da, sich zu beweisen.

Für Grote gilt das selbe wie für Johnson: Schon ewig dabei (Debüt mit 18 Jahren im Februar 2005), stets nur so halb im Blickfeld, dabei nur selten mit überzeugenden Auftritten. Nicht böse gemeint, aber: Wer sich in Bochum auch nach vier Jahren nicht durchsetzen kann, hat es offensichtlich nicht so mit dem Glück.

Prognose: Wird Stammspieler bei einem unteren Mittelklasseverein der ersten Bundesliga. Mehr nicht.

Die Verpflichtungsgebahren von Bayer Leverkusen waren beim Wechsel von Patrick Helmes ja schonmal im Zwielicht, bei Daniel Schwaab machte man es besser: Man verpflichtete ihn zur neuen Saison eigentlich ablösefrei, da sein Vertrag in Freiburg auflief, bezahlte aber eine zusätzliche Gebühr, um den Transfer mit Einwilligung der Freiburger schon  im Herbst fix machen zu können.

Schwaab ist Rechtsverteidiger moderner Prägung, mit fünf Toren (davon vier Elfmeter) und vier Vorlagen in der abgelaufenen Saison. Kein Wunder, dass er jetzt dazu angedacht ist, Castro etwas Dampf zu machen oder ebenjenen ins defensive Mittelfeld zu drücken. Ob das so schnell gelingt, ist fraglich. Bei der U21 war ihm jedenfalls bislang kein Einsatz vergönnt:

Prognose: Alles ist davon abhängig, wie er sich  von Beginn an in Leverkusen präsentiert. Dort wird es schon nicht einfach, in der deutschen Auswahl ist es noch schwerer.

Der legitime Nachfolger von Christoph Metzelder: Sympathisch, intelligent, Dortmunder, verletzungsanfällig. Passt alles. Nur dass Hummels mit Bayern schon einen Spitzenverein hinter sich ließ um zu spielen, während Metzelder sich das dritte Jahr  in Folge versucht in Madrid durchzubeißen und dennoch nie den Kredit bekommt, den Multimillionenverpflichtungen wie Pepe genießen.

Hummels dagegen ist, Fitness vorausgesetzt, Stammspieler in Dortmund und Horst Hrubesch kann dankbar sein, sich über das ganze Turnier gesehen nicht zwischen Höwedes, Boateng und Hummels entscheiden gemusst zu haben - auch wenn Hummels jetzt gerade als defensiver Mittelfeldspieler im Finale aufläuft.

Prognose: Spätestens zur EM-Quali ab 2010 im A-Kader

Fabian Johnson war für mich, bevor er in den Fokus rückte, ein alternder Löwe. 21 Jahre und doch schon so lange da. Das Debüt am 19. März 2006 für 1860 München mit 18 Jahren, seitdem im Prinzip Stammspieler. Beidfüßig, zur Not offensiv wie defensiv flexibel einsetzbar, ein Spieler den eigentlich jeder Trainer gerne im Team hat.

So auch Armin Veh, der Johnson gerne nach Wolfsburg holen will. Und Thomas Schaaf. Und und und. Nahezu jeder Verein in Deutschland würde Johnson wohl holen, würde er zu fairen Konditionen angeboten. Solide genug ist er. Obwohl alle immer nur von den Bender-Twins reden.

Prognose: Könnte, den obligatorischen Sprung bei einem guten Verein vorausgesetzt, irgendwann ins A-Blickfeld gelangen.

Sandro Wagner hatte genau einen Sommer. Das war der, in dem er mangels echter Bayernstürmer (Luca Toni, Klose, Podolski verletzt oder sonstwie unpässlich) im Ligapokal und diversen Freundschaftsspielen zum Einsatz kam und sogar ein Tor schoss.

Es war später zu hören, das wäre ihm zu Kopf gestiegen. Er sähe sich als feste Nr. 4 im Bayern-Sturm und hielte es nicht mehr für nötig, sich im Training voll reinzuhängen. Ausleihen zu Zweitligaclubs habe er  abgelehnt. Verifizieren lässt sich das nicht, lediglich, dass er vor dieser Saison nach Duisburg wechselte, wo er sich tatsächlich durchsetzen konnte.

Dennoch ist Wagner keiner, der sich in der U21 unverzichtbar gemacht hätte. Er ist einer der Profiteure der Sturmmisere, und wie wenig er dort Stammkraft ist zeigt sich darin, dass Hrubesch lieber Özil und Dejagah nach vorne beorderte als den echten Stoßstürmer Wagner aufzustellen.

Prognose: Wird nie in die Nähe der A-Nationalmannschaft kommen, es sei denn, diese spielt in Duisburg.

So langsam treten wir ein in die Welt der zweiten Garde. Florian Fromlowitz dürfte derjenige Torwart sein, der im Falle eines Ausfalls von Manuel Neuer ins U21-Tor gestellt wird, denn er hat seinem Konkurrenten und ehemaligen Teamkameraden Tobias Sippel Erstligaerfahrung voraus.

Viele konnten nicht verstehen, als Fromlowitz vor einem Jahr ablösefrei nach Hannover wechselte, also hinter Robert Enke, der sich damals gerade ins deutsche Tor vorspielte. Mit einem Stammplatz konnte er dort jedenfalls nicht rechnen. Dennoch könnte sich der Wechsel für ihn auszahlen: Zwischenzeitlich durfte er sich auszeichnen, als Enke verletzt war und tat dies meistens so gut, dass Hannover wohl kaum nach einem gleichwertigen Ersatz für Enke sucht, sollte dieser doch noch zu einem Topclub gehen.

Dennoch hat Fromlowitz Probleme. Eines ist die fehlende Konstanz. Nahezu unfassbare Paraden wechseln sich mit Comedy-Einlagen ab, am 13. Spieltag machte er das Eigentor der Saison, als er eine Flanke von Paul Freier ins eigene Tor schlug, die sonst sicher im Seitenaus angekommen wäre. Dazu kommt sein kahneskes Auftreten, das schon Kritik von Trainer Hecking hervorrief.

Prognose: Wird ein guter Erstligatorhüter, aber niemals an Enke, Neuer, Adler vorbeikommen. Es sei denn, er schafft den schon bei Wiese kaum für möglich gehaltenen Sprung.

Die ganze U21-Misere wird deutlich, wenn man sich die Kaderliste des DFB ansieht: Marko Marin steht dort mit der Rückennummer 11 im Sturm. Ein Spieler, dem zwar halb Fußballdeutschland ob seiner Schnelligkeit und seiner Dribblings zu Füßen liegt, der aber auch nicht unbedingt als die personifizierte Torgefahr gilt.

Grandiose 16 Scorerpunkte hat Marin in der abgelaufenen Saison gesammelt, nur ein Viertel davon in eigenen Toren. 12 Vorlagen, da kommen mit Misimovic und Bruggink nur zwei für ihre Teams wahnsinnig wichtige Anspielstationen heran und ein anderer U21-Spieler mit großer Zukunft: Mesut Özil. Die beiden könnten ein Traumpaar werden, wenn sie sich nicht gegenseitig den Raum nehmen. Zeit das einzuüben dürften sie in Zukunft bei Werder Bremen haben, und darauf freue ich mich auch als Nicht-Werderaner.

Prognose: Wird bald aus der Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken sein.

Und auch über Mesut Özil kann man dieser Tage ganz schön viel lesen. Weil er der Diego-Ersatz werden soll, denken die einen. Weil er sich immer noch für die Türkei entscheiden könnte die anderen. Weil er mit 20 Jahren schon ein verdammt guter Fußballer ist, dem diese Saison gut getan hat wie kaum einem anderen, denken die Vernünftigen.

Noch fühlt sich Özil nämlich auf dem Flügel sehr wohl. Das dürfte sich ändern. Einen weiteren Sprung vorausgesetzt könnte Özil bald der einzige echte Zehner sein, der einen deutschen Personalausweis und internationales Format besitzt. Spielübersicht, Schnelligkeit, Technik, alles schon da. Ein bisschen mehr Nerven vor dem Tor wären noch wünschenswert und die paar Kleinigkeiten, die vielleicht von ganz alleine kommen.

Prognose: Muss sich derzeit noch hintenan stellen, wird aber definitiv seine Rolle in der Nationalmannschaft finden und spielen.

Proudly powered by WordPress. Theme developed with WordPress Theme Generator.
Copyright © Sportteil. All rights reserved.