Sportteil

Aktion Libero

November 16th, 2011

Vor etwas über drei Jahren saß Christoph Daum beim damaligen DSF und wurde über Homosexualität im Fußball befragt. Und Daum fing an zu reden, weil für ihn anscheinend jede Sekunde ohne den Klang seiner Stimme eine verschwendete Sekunde ist und er redete und redete und am Ende kam dabei heraus, dass man Kinder vor Schwulen schützen müsse. Man weiß bis heute nicht, wie er das gemeint hat, vielleicht war es einfach ein Ausfluss von Gedankenfetzen, aber er wiegt bis heute schwer, genau wie die damaligen Reaktionen im FC-Brett, die über eine einfache Loyalitätsbekundung zum Trainer viel zu weit hinaus gingen.

Bis heute ist “Homosexualität im Fußball” ein merkwürdiges Phänomen, von allen Seiten. Die einen, die sich trauen, packen die “Muss man auch mal sagen dürfen”-Keule raus, und merken nicht, wie sie zu geistigen Brandstiftern werden. Die anderen googlen jeden halbwegs bekannten Bundesligaprofi mit dem Zusatz “schwul” und kommen damit auch massenweise in meinem Blog an. Und die, die sich auf der richtigen Seite wähnen, ergötzen sich oftmals auch am Reiz des Geheimen, an den Gerüchten und den angeblich bombensicheren Informationen, die ihnen ein Schwager eines Ex-Kreisligatrainers gesteckt haben will. Ich gebe zu, auch so reagiert zu haben. Es ist ja auch so verlockend, aus Nationalspielern, die eng mit homosexuellen Prominenten befreundet sind, mehr zu stricken.

Tatsache ist: Es ist egal. Es sollte egal sein. Es sollte nur so lange eine große Sache sein, zu einer großen Sache gemacht werden, bis es keine große Sache mehr ist. Von uns, euch, denen Es interessiert mich nicht, welches Auto Torsten Frings fährt, es interessiert mich nicht, in welcher Nachbarschaft Stefan Effenberg wohnt und es interessiert mich nicht, wen Philipp Lahm aufgrund welcher sexueller Orientierung an seiner Haustür antrifft. Dass ich es trotzdem alles weiß, liegt an unserer Medienkultur, die halb von ökonomischen Interessen und halb von Seilschaften mit Prominenten getrieben wird. Wenn wir uns zurücklehnen und mal ein paar Gedankenminuten an das wahre Erkenntnisinteresse verschwenden, könnte das allen helfen.

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist; Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

Happy Birthday

Oktober 27th, 2011

Kevin-Prince Boateng, den Kenner schätzen, weil sie sich als ihn vor dem Ballack-Tritt kennend profilieren können, kann ja einiges. Wunderbar Fußball spielen zum Beispiel, was man seit Jahren hörte und seit gut einem Jahr auch wirklich weiß. Und tanzen kann er, was wir bei YouTube sehen konnten. Und singen, naja, mein Ding isses nicht. Aber, auch wenn er das Arschloch der Nation ist, mir zaubert er als einziger Milan-Profi eine Sympathienote ins Gesicht.

Nachricht vom 17. September

Oktober 23rd, 2011

Ich hab’s verstanden!

September 25th, 2011

Ernsthaft! Solbakkens System! DAS_SYSTEM! Ich habe es verstanden. Und das, weil es der 1. FC Köln heute in Perfektion vorgeführt hat. Erstes Spiel ohne Gegentor in dieser Saison, zwei wunderbare Kontertore, eigentlich keine echte Chance zugelassen, und das mit der sechsten Abwehrkette im siebten Spiel. Und vor allem: Gegen die TSG Hoffenheim. Ich gehe erhobenen Hauptes durch die Kurpfalz.

In keinem Moment dieses Spiels hatte ich das Gefühl, dass die Hoffenheimer Mannschaft ein Mittel gegen die Kölner Taktik finden könnte. Immer wieder rannte sich die bisher so schlagkräftige Hoffenheimer Offensive in der ersten Viererkette des FC fest und versuchte auf die Flügel auszuweichen, wo Andrezinho und Eichner die wohl besten Spiele ihrer Kölner Karriere machten und so gut wie keine Flanke zuließen. Und bei Ballgewinn löste sich diese doppelte Viererkette sofort auf und, das muss man so betonen, weil ich es seit.. eigentlich Anfang der Neunziger nicht gesehen habe: Jeder kennt die Laufwege des Anderen. Jahrelang gingen gut gedachte Steilpässe von den Broichs, Antars, und Springers nach links, während die Strellers, Freis’ und Scherz’ nach rechts liefen. Solbakken ist der erste, der der Mannschaft eintrichtern konnte, wie sie sich in Defensive UND Offensive verhalten muss.

Man kann es lesen: Ich bin zufrieden. Natürlich wird es auch nochmal schwieriger, und wir sind immer noch eher ein Abstiegskandidat als die in der Tabelle hinter uns stehenden Leverkusen, Wolfsburg und Mainz. Aber ich sehe eine Perspektive, mit einem Kader, der so länger zusammenbleiben kann (sieht man einmal von Leihgabe Sereno und Verkaufskandidat Geromel ab), einem sympathischen und kompetenten Trainer und einem Sportdirektor, der bislang deutlich mehr richtig als falsch gemacht hat. Die Noten:

Rensing (4) – Eichner (2), McKenna (2), Sereno (3), Andrezinho (2) – Peszko (2), Jajalo (2), Riether (2), Chihi (3) – Podolski (1), Novakovic (3)

Torsten Wieland hat gestern eine kleine Outing-Welle angestoßen, als er lesenswert beschrieb, wie er vom Bayern- zum Schalke-Fan wurde. Woraufhin sich LizasWelt mindestens ebenso sehenswert als Ex-Schalke-Fan outete. Bei mir gibt es keine solche Geschichte, aber eine etwas Langweiligere, die ich nun trotzdem erzählen möchte. Die Geschichte, wie ich den Fußball vergaß.

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf im Siebengebirge, 20 Autominuten von der damaligen Bundeshauptstadt entfernt. Mit sechs Jahren bekam ich meinen ersten eigenen Fußball geschenkt, gelb, mit schwarzen Sechsecken, aus Schaumstoff. Zwei Minuten von unserem Haus entfernt war ein Aschebolzplatz mit unlackierten Holztoren. Wir spielten, wie wohl fast jeder Junge in dieser gendertheoriebefreiten Zeit, in jeder freien Minute mit diesem Ball. Bis heute führe ich meine mangelhafte Schuss- und Dribblingtechnik darauf zurück, dass ich alles an einem Ball lernte, den ich mit dem Fuß plattdrücken und am Gegner vorbeispringen lassen konnte. Wir spielten zu zweit, zu dritt und zu zehnt, je nachdem, wieviele Jungs grade da waren, je nach Teamstärke auf ein oder zwei Tore. Wir hatten zwei Anführer: Den Typen mit dem Ball, mich. Und den Jungen aus der Parallelklasse, dessen Onkel früher beim VfL Bochum gespielt hatte. Und wir hatten alle unsere Mannschaften, deren Fans wir waren. Nur ich wollte mich nicht festlegen und war erstmal Fan der deutschen Nationalmannschaft, die immerhin gerade Weltmeister geworden war.

Zum achten Geburtstag bekam ich von meiner Patentante ein Trikot des FC Bayern München geschenkt. Und nachdem ich es eine Woche mit dem Stolz des Neuen und Teuren auf dem Bolzplatz getragen hatte war mir klar, dass ich Fan des 1. FC Köln bin. Es lag so nahe: Geographische Bequemlichkeit, Horst Heldt, der aus dem Nachbardorf kam, und Bodo Illgner, mein Idol, wegen dem ich mir von meinem Großvater echte reusch-Torwarthandschuhe zu Weihnachten wünschte.

Meine Eltern haben sich nie für Fußball interessiert. Sie haben Weltmeisterschaften geguckt und, nachdem ich da war, auch Europameisterschaften. Der Rest war irrelevant. Meine ganze Familie bestand aus linksliberalen Zuspät-für-68ern, die gerade ihren Weg ins bildungsbürgerliche Establishment wagten. Fußball reizte da niemanden (zumal mein Vater in Kindheit und Jugend legendär unsportlich war). Alles, was ich über Fußball wissen wollte, musste ich mir in Länderspielübertragungen, der Sportschau mit Heribert Faßbender und dem kicker-Saisonheft aneignen. Speziell Letzteres lernte ich nahezu auswendig. Ich wusste alle Ex-Vereine der Kölner Spieler, ich prägte mir ihre Gesichter vom Mannschaftsfoto ein, ich las jeden Artikel wieder und wieder. Wie man das halt als Kind ohne Internet und mit reduzierter Fernseherlaubnis (Bildungsbürgerdingens) so tat.

Mit 11 Jahren musste ich umziehen, aus dem kleinen Dorf in die mittlere Kleinstadt Wesel. Dort, wo 30% der Menschen Dortmund-Fans, 30% Gladbach-Anhänger und 40% überzeugte Schalker sind. Und weil es dort Wichtigeres gab (In der Schule klarkommen, neue Freunde finden, eine Restfamilie zusammenhalten) vergaß ich den Fußball. Er war einfach weg. Von 1995 bis 2003 habe ich, abgesehen von der Europameisterschaft 1996 und den beiden Weltmeisterschaften, so gut wie keine Fußballerinnerung. Es kommt mir sehr zupass, dass die dunkelsten Teile meiner Vereinsgeschichte (und sicher auch die der Nationalmannschaft) in diesen Jahren liegen. Ich habe die besten Zeiten eines Dirk Lottner verpasst und die Legende des Lilian Laslandesliga.

Es ging wieder los mit dem Fußball im Jahr 2003. Ich hatte meine Freundin kennengelernt und in einem völligen Anfall des Wahnsinns waren wir nach knapp einem Monat in Leipzig zusammen in unsere erste Wohnung gezogen (was, man muss es ja mal sagen, bis heute außerordentlich gut funktioniert). Man kann es polemisch ausdrücken: Kaum hatte ich jemanden, den ich mit Fußball nerven konnte, war der Fußball wieder da. Ich verfolgte die Sportschau, ich sah die ersten Einsätze eines jungen Lukas Podolski, ich freute mich auf die Europameisterschaft, ich jubilierte, als ebenjener Lukas Podolski nominiert wurde. Und ich bekam von der Dame “Fever Pitch” geschenkt, womit ich der Letzte meiner Generation gewesen sein dürfte, der dieses Buch las. Und plötzlich passte alles zusammen. Nach einem verschenkten Jahr in Leipzig zogen wir nach Bonn, ich besuchte das erste Mal das RheinEnergie-Stadion in Müngersdorf (müdes 1:0 an einem Montagabend gegen Unterhaching, Torschütze Matthias Scherz), ich las Standardwerke und begann, Taktik zu verstehen. Und ab da ging es immer weiter, bis ich irgendwann an Heiligabend meiner Mutter und meiner Schwester die Vorzüge einer Viererkette erklärte und warum das defensive Mittelfeld die wichtigste Position auf dem Spielfeld sei.

Natürlich interessierte das meine Familie nicht, aber sie merkten, wie wichtig es mir war, und sie hörten zu. Und mein Vater begann langsam sich zu motivieren, meine Faszination nachzuvollziehen. Und am 22. November 2008 ging mein Vater das erste Mal zu einem Fußballspiel, wir saßen nahe der Mittellinie und sahen, wie die TSG Hoffenheim durch Demba Ba und zwei Mal Ibisevic mit 3:1 im Schneegestöber gewann. Es war kalt, es war deprimierend, aber mein Vater hatte verstanden. Gestern haben wir telefoniert, und als er ansetzte zu fragen “Ja, und was hältst du eigentlich von…” dachte ich, er möchte mit mir über die Berlinwahl reden, weil wir gerne über Politik diskutieren. Aber die Frage lautete “…dem 4:1 von Köln gegen Leverkusen”. Und wir redeten und er hatte im Auto die Konferenz gehört und dann die Sportschau geguckt und ich war glücklich. Vielleicht war diese Pause gar nicht so schlecht. Einen habe ich schon infiziert.

Unwackelpudding

September 18th, 2011

Meine lieben Leute, bin ich denn der einzige mit etwas Vernunft in Sachen Schiedsrichterentscheidung? Ich, der gerne auch bei tadellosen Leistungen von Drees und co Blutdruckprobleme bekommt? Ganz ehrlich, kommt mal runter.

So könnte das jetzt weitergehen. Gerade Doppelpass geguckt (ein Fehler, der mir immer noch zu oft passiert). Dort, ebenso wie in Sportschau und Sportstudio, werden die Fouls von Podolski und Schürrle auf eine Stufe gestellt. Wie man auf diese Idee kommen kann, ist mir völlig schleierhaft. Also hier noch mein Senf zu den Fouls

Szene 1: Lukas Podolski und André Schürrle beharken sich an der Seitenlinie. Schürrle bekommt den Ball unter Kontrolle. Podolski denkt, er würde ihn links rauslegen und möchte ihn wegtreten, derweil Schürrle den Ball rechts rauslegt. Folge: Podolski tritt Schürrle mit enormer Wucht gegen die linke Wade. Das sieht nicht schön aus und ist zwingend Gelb. Das hat aber mit Sicherheit nichts mit einer Tätlichkeit zu tun, die so mancher herbeihalluziniert. Warum es die gelbe Karte nicht gab, ist eine gute Frage.

Szene 2: Christian Eichner bekommt beim Stand von 3:1 an der Mittellinie den Ball. Schürrle sprintet heran, grätscht rechts Bein voran und linkes angewinkelt zum Ball, trifft diesen offenbar auch leicht und haut gleichzeitig Eichners linkes Bein genau auf Höhe des Fußgelenkes. Wohlgemerkt, Eichners Standbein. Jeder, der nur mal im Park Fußball gespielt hat, kann sich vorstellen wie fies das ausgeht. Schürrle ist sicher kein Treter und Absicht unterstelle ich ihm sicher nicht, aber sobald er so grätscht hat er keine Kontrolle mehr darüber ob er nur den Ball wegspitzelt oder dafür sorgt, dass Christian Eichner die nächsten sechs Monate kein Training am Ball absolviert.

Das dazu; zum Spiel. Man kann jetzt sagen, dass “DAS_SYSTEM funktioniert”. Man kann auch sagen, dass Lukas Podolski endlich mal wieder funktioniert hat. Auch ihm muss jetzt mal klar werden, dass die Mannschaft gut spielt wenn er es tut, und dass er gut spielt sobald er Kilometer frisst und sich Räume schafft. Das ist kein Hexenwerk, sondern einfach nur Arsch hoch und Arbeitsmoral zeigen. So antiquiert das klingen mag.

Es wäre schön, diese Elf sich so einspielen zu sehen, aber am siebten Spieltag werden wir die siebte Abwehrkette sehen. Die Verletzung von Pedro Geromel ist ein Schlag für das Team, die Defensive und den Trainer. Die FC-Spieler, die in der Innenverteidigung eingesetzt werden können, sind: Sereno, McKenna, Pezzoni, Jemal, Eichner. Sereno gefiel mir als Rechtsverteidiger gut, dürfte aber jetzt wieder in die Zentrale rücken, wohl neben McKenna, der gestern auch solide spielte. Heißt: Andrezinho außen. Das ist wackelig.

Wo wir gerade bei wackelig sind: Das Schönste, neben dem Ergebnis und den Punkten, am gestrigen Spiel war die Unwackeligkeit. Dieser FC ist seit der vorletzten (!) Aufstiegs(!)saison wackelig. Ob in Liga 1 oder Liga 2, unter Rapolder, Latour, Daum oder Soldo, immer war das Team fragil und ließ sich leicht verunsichern. Und als Rolfes gestern das 3:1 schoss rechnete ich schon mit einem Doppelpack von Sidney Sam. Aber der FC stand weiter sicher. Man sah Selbstbewusstsein. Wunderbar.

Rensing (3) – Jemal (3), Geromel (2), McKenna (3), Sereno (2) – Jajalo (2), Riether (2) – Peszko (3), Chihi (4) – Podolski (1), Novakovic (1)

Robin Schmidt allez allez

September 9th, 2011

Es ist nun schon eine Woche her, aber die Eindrücke möchte ich trotzdem gerne weitergeben. Dem FC-Trikotsponsor sei dank spielte am vergangenen Freitag der 1. FC Köln fünf Radminuten von meiner Haustür entfernt beim Drittligisten SV Sandhausen ein Testspiel, von dem ich auch live getwittert habe.

Mir geht es hierbei nicht um einen umfangreichen Spielbericht, den man eh auf der Seite des Heimvereins nachlesen kann. Die Niederlage ist im Prinzip zu verschmerzen, es ging ja nur um individuelle Eindrücke. Daher hier etwas zu ausgewählten Spielern.

  • Miro Varvodic: Anfangs unsicher, später unsicher. Wenn er viel aufs Tor bekommt, kann er schön fliegen, ansonsten nie so stabil wie ich das von einer Bundesliga-Nr. 2 erwarte. Ich hätte gehofft, eine Halbzeit Timo Horn sehen zu können.
  • Mitchell Weiser: Auf ihn war ich am meisten gespannt. Der Junge darf ja immer noch nicht ohne Aufsicht Auto fahren und riecht jetzt Profiluft. In der ersten Halbzeit spielte Weiser (unter der Aufsicht seines Solbakken vertretenden Vaters) als Rechtsverteidiger und tat das, so hart das klingt, miserabel. Immer etwas zu weit weg vom Gegner, völlig überfordert von Tempowechseln oder dem immer wieder hinterlaufenden Sandhausener Linksverteidigers Sören Halfar. Zudem stimmte offensiv die Abstimmung mit Chihi selten, was aber kein Wunder ist. In der zweiten Hälfte wechselte Weiser auf den linken offensiven Flügel und wurde plötzlich zur Offenbarung: Tempodribblings, gute Pässe, Raumverständnis. Für die Abwehr derzeit keine Option, falls es personaltechnisch auf den Flügeln mal brennt eine bessere Option als beispielsweise Freis.
  • Sereno und Geromel: Hier im Block abgefertigt. Ich weiß nicht ob das in der Müngersdorfer Größe immer unterging, aber Geromel ist ja eine ganz schöne Kante. Früher war der doch ein ziemliches Hemdchen? Da ist ordentlich Physis dazugekommen. Die Innenverteidigung ließ sich viel zu oft durch simple Schnittstellenpässe übertölpeln und verschuldete direkt alle drei Gegentore. Da bin ich tatsächlich ratlos – obwohl beide Innenverteidiger gerade in der zweiten Hälfte früh Bälle antizipierten – sobald es an den Strafraum geht wird es gefährlich.
  • Buchtmann: Der zweitmeisterwartete Spieler für mich. Immerhin Topspieler der U17 in der damals auch ein Götze wirbelte. Im linken Mittelfeld aufgestellt und vom Sandhausener Sievers regelmäßig abgemeldet. Immerhin beidfüßig, aber ohne große Gestaltungsmöglichkeiten. Eher enttäuschend, aber auch erst 19 Jahre alt.
  • Chihi: Bester Mann beim FC, wenn nicht auf dem Platz. Immer anspielbar, immer gefährlich, gut im 1:1. Mit Schuhen, die noch in Kilometern Entfernung sichtbar waren. Er scheint sich zu fangen. Schön!
  • Freis: Lange verletzt gewesen, das merkt man ihm an. Tatsache ist: Ich habe keine einzige gute Aktion von ihm gesehen. Kaum ein Pass von ihm kam an, kaum einen Pass zu ihm konnte er sauber annehmen. Ich will jetzt nicht ins übliche Freis-Bashing einstimmen, aber wenn sein Vertrag nicht verlängert wird kann Freis froh sein, wenn er nicht eine Benschneider-Karriere hinlegt. Der war bis zum Sommer in Sandhausen und hält sich jetzt bei der Spielergewerkschaft fit.
  • Ionita: Noch länger verletzt gewesen als Freis und doch so viel weiter. Holte sich die Bälle teilweise direkt bei den Innenverteidigern ab, ging gutes Tempo, schoss mit dem 1:1 einen Freistoß aus 20 Metern ins Tor, den auch in Liga 1 keiner gehalten hätte. Nimmt offenbar den Konkurrenzkampf an und bewirbt sich als Podolski-Backup. Gut so.
  • Robin Schmidt: A-Jugendlicher, Mittelstürmer, 1,92m groß, ließ sich dazu hinreißen beim Aufwärmen den vier Betrunkenen im FC-Block seinen Namen mitzuteilen. War hochmotiviert, ging in viele Kopfballduelle, die er aber meist verlor, weil er gefühlt 60kg wiegt und sein Gegner Marco Pischorn gut 20 Kilo mehr Muskeln hat. Auch am Boden wuselig, hatte eine sehr starke Aktion und verpasste einmal nur knapp das Tor. Muss sicher noch viel arbeiten, sollte aber im Blickfeld bleiben.

23. Mai 2011

Bixente69-3
so en Quatsch, wieso sollte Wolfsburg dazu bereit sein, wieso sollte Riether sich das antun und eben, wie will sich Kölle den leisten. Des einzige was für Kölle spricht ist die Stadt an sich.

tHe_ViPeR_oRtOn
das sommerloch ist da!

bierle
Hier sehen manche BILD anscheinend tatsächlich noch als Quelle an und machen Gerüchte auf.

UlfTheLegend
Die Kommentare hier lassen nur eins zu: Schließt das Ding!
1. Riether war Stammspieler und wird es dank Magath bleiben.
2. Wird er sicherlich verlängern.
3. Wenn er wirklich gehen will, wird er es sicher diesen Sommer tun, aber sicher nicht zum 1. FC Köln. Trotz des besseren Abschneidens in dieser Saison wird er sicher nicht die sportliche Perspektive in Köln sehen, die er bei Vereinen wie Bremen, Hoffenheim, Hamburg oder sonst wo haben könnte, die ihn sicherlich gut gebrauchen könnten.

BVB_KREUZ
0%–> ZU das ding, reiner quatsch!

wolfi33
also da reichen die 0% nicht…würde fast sagen min. -10%
1) wie will sich der FC Köln Riether leisten?
2) warum sollte der VfL einen Leistungsträger verkaufen und dazu noch ein Magath-Zügling aus der Meistersaison?
3) Wie liegt der Sinn des Wechsels für Riether??
Antwort: macht absolut keinen Sinn

StarDevil
1.FC Kaiserslautern Ganz klar, … und Stefan Kuntz ist ganz heiß auf Christiano Ronaldo, Messi und Rooney. Ich habe gehört, nach dem CL-Finale werden die Transfers bekannt gegeben. Das Beste ist, die 3 zahlen jedes Jahr Millionen um für den FCK zu spielen. [Ironie aus]
Mal ganz ehrlich Spieler wie Riether kommen nur einmal im Jahr nach Köln, nämlich um 3 Punkte mitzunehmen.

Ja, es kommt drauf an. Wir können alles totrelativieren. Aber das Schöne an Nationalmannschaften ist, dass sie eine gewisse Kontinuität haben. Dass der Stamm der Mannschaft über viele Jahre zusammenbleiben kann, dass sich im besten Falle Spielphilosophien bilden, dass es eine künstliche Verknappung für die Spieler gibt: Wenn sie gut sind, werden sie berufen. Wenn nicht, bleiben sie halt normale Profis. Ausnahmen gibt es immer mehr, und kaum ein Brasilianer kommt mehr ohne italienischen Pass aus, die erfreulicherweise immer häufiger erfolgreichen Deutschtürken werden schon minderjährig hin- und hergezerrt.

Nun bahnt sich, im Fahrwasser der Blatter/Korruptions/Mr. Petersen-Malaise eine Entwicklung an, die die Wahrnehmung der Nationalmannschaften langfristig vollständig ändern könnte. Auf Seite 101 der FIFA-“Agenda” zum diesjährigen, mithin heutigen, Kongress befindet sich ein Regeländerungsantrag der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE):

fifakongr1

Das kann positive wie negative (und je nachdem, wie man es sieht, auch andersrum) Folgen haben. Migrantenkinder können schneller für ihr (neues) Heimatland spielen, zum Beispiel. Keine Einwände. Oder: Kinder haben schon vor der Migration die Perspektive, in einer Nationalmannschaft zu spielen. Hier wird es kniffelig. Katar hat es schon vorgemacht und 2004 die “Aspire Academy for Sports Excellence” gegründet (zum Preis von knapp 1 Milliarde Dollar), die jedes Jahr mit Heerscharen von Scouts und Sportlehrern durch Afrika und diverse Entwicklungs- oder Schwellenländer zieht, um junge Talente zu sichten. Im Jahr 2008 begutachtete man in Spielen 544.000 Jungen des Jahrgangs 1995, ließ sie gegeneinander spielen, ließ sie in Auswahlmannschaften spielen, holte 25 von ihnen nach Katar, ließ sie nochmal spielen, und am Ende durften drei bleiben, die zumindest augenscheinlich Talentiertesten. Sie, die mit 13 Jahren nach Katar gingen, bekommen dort die wohl bestmögliche Ausbildung zum Profisportler, die in einem Staat wie Katar machbar ist. Und könnte, käme der Antrag durch, so früh wie nur irgendmöglich, für die Nationalmannschaft Katars spielen. Bleibt es bei Katar als Austragungsort 2022, werden wir uns wundern über das sportliche Abschneiden einer jungen, schnellen, technisch perfekt ausgebildeten Mannschaft, und vielleicht werden wir uns wundern dass die so gar nicht aussehen wie wir uns Katarer vorstellen.

Update: Der FIFA-Kongress hat soeben abgestimmt. Begründet wurde der Antrag mit steigender Globalisierung und vielen Kindern von Migranten. Es gab eine Entgegnung aus dem Exekutivkommitee von Angel Maria Villar Llona, der den Antrag im Namen des Kommitees ablehnte. Der Antrag würde Transfers minderjähriger Spieler zu sehr begünstigen. Das Ende vom Lied: Der Antrag wurde abgelehnt, mit 42 zu 153 Stimmen. Phew.

2010/11/12

Mai 16th, 2011

Man kann ja auch mal nach vorne und hinten gleichzeitig gucken.

1. Es ist Blödsinn, jetzt große Trends in Sachen Trainerwahl in die Saison zu projizieren. Magath war letzte Saison wahnsinnig erfolgreich und jetzt nicht. In einem Jahr ändert sich die Mentalität der Gesamtheit aller Bundesligaprofis nicht so, dass autoritäre Trainer plötzlich zwangspensionierte Auslaufmodelle sind. Ein Jupp Heynckes hatte in dieser Saison Erfolg, und wäre Magath Meister geworden, wäre Heynckes ebenfalls zu den “alten Hasen” gezählt worden. Tuchel und Klopp sind offenbar, abseits aller persönlichen Art, Ausnahmetrainer und deswegen erfolgreich. Ein Robin Dutt macht seinen Job auch ganz gut, ist aber am Ende punktgleich mit dem oft so niedergeschriebenen Kölnern und zudem extrem abhängig von Ausnahme-Cissé, der nächstes Jahr mutmaßlich in England spielt.

2. Und überhaupt, die Trainer und die Wahrnehmung. Stanislawski hat einen überaus guten Ruf, dem er in dieser Saison kaum gerecht wurde. Verdientermaßen abgestiegen, dazu mit schäbigem Verhalten am Ende – Thomas Kessler aus der Startelf werfen (und stattdessen mit Pliquett einen reinstellen, der nicht erstligatauglich ist), weil der in Köln seine Zukunft plant. Und selbst gleichzeitig mit Hoffenheim über einen eigenen Vertrag verhandeln. Sowas ist schlicht nicht fair. Ebenso wenig, wie am Ende einen Deal mit dem Teufel eingehen und Boulevardjournalisten mit in die Kabine nehmen. Was soll sowas? Da bereitet sich einer auf die neue Rolle vor.

3. Oft werden wir noch von der verrückten Saison lesen – in Sachen Budget/Tabellenplatz-Relation stimmt das Bild tatsächlich ansatzweise nur bei Bayern, Leverkusen, Köln und St. Pauli. Der Rest hätte sich gerne oder sehr ungerne völlig woanders einsortiert. Und genau deshalb ist es gut möglich, dass die kommende Saison für Leute, die erst jetzt den Fußball verfolgen, als ebenso verrückt angesehen wird. Ich bin mir sicher, dass Borussia Mönchengladbach die Klasse hält und im kommenden Jahr eine Rolle spielt, die irgendwo zwischen Freiburg und Mainz pendelt. Wolfsburg und Schalke werden sich fangen, in Stuttgart und Bremen kommt es auf das Einkaufsgeschick der Verantwortlichen an. Mainz verliert mit Schürrle und Holtby zwei Grundpfeiler und mit Fuchs vielleicht noch einen, zieht er seine Ausstiegsklausel. Und der Rest? Wird sich durchlavieren. Mit Hertha BSC kommt ein Verein zurück, dem sofort wieder ein einstelliger Tabellenplatz zuzutrauen ist, mit Augsburg ein klarer Abstiegskandidat. Der Transfermarkt in diesem Sommer wird spannend wie seit Jahren nicht.

4. Und da wird es mit dem Geld spannend. Dortmund muss und kann nicht viel einkaufen, hat aber aus dem Sahin-Verkauf schon ordentliches Geld eingenommen. Bayern wird tief in die Tasche greifen, Leverkusen ist dank seines Sponsors nicht so unmittelbar auf die Wettbewerbsgelder angewiesen. Hannover und Mainz nehmen mit der EL nicht so viel ein dass sie große Sprünge machen würden, zumal sie solche Einnahmen nicht auf Jahre hinaus planen können. Schalke ist knapp bei Kasse, ebenso wie Köln und Berlin, nur Wolfsburg wird nochmal richtig reinhauen. Punktuelle Verstärkungen wollen sicher alle machen, das van Gaal-Beispiel des letzten Sommers schreckt ab. Das wird Freude machen.

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