Sportteil

Debütantenball

Juli 10th, 2010

Vor drei Jahren habe ich mich hier einmal wahnsinnig in die Nesseln gesetzt mit einer Prognose, wer demnächst in der Nationalmannschaft debütiert. Ich verlinke das aus Selbstschutzgründen nicht, aber ich verrate: Ich erwähnte Andreas Wolf und Marc Stein.

Nun ist die Weltmeisterschaft 2010 für die deutsche Nationalmannschaft vorbei, und ich wage einen neuen Anlauf. Dieses Mal nicht aus dem Bauch heraus, sondern von der Frage geleitet, wo die Mannschaft bis zur EM 2012 noch Verbesserungspotenzial besitzt.

Tor:

Gut, Jörg Butt wird nach dieser WM wohl seine Nationalmannschaftskarriere beenden. Dennoch ist hier keine Not am Mann. Manuel Neuer, Tim Wiese und René Adler werden gesetzt sein, und jeder von ihnen wäre eine sportlich taugliche Nummer 1. Was für ein Luxusproblem.

Abwehr:

Man muss in Zukunft nicht mehr unbedingt mit Arne Friedrich rechnen, trotz seiner überragenden WM. Man darf davon ausgehen, dass ein neuer Innenverteidiger neben Per Mertesacker gesucht wird. Und da drängen sich eine Menge Kandidaten auf. Mats Hummels durfte reinschnuppern, Heiko Westermann wird von Löw geschätzt, Christoph Metzelder könnte unter Magath nochmal aufblühen. Aber es gibt vielversprechenden Nachwuchs:

  • Benedikt Höwedes: Einer, wie in jeder Trainer gerne hätte. Hinten solide, bei Standards vorne torgefährlich, beidfüßig, flexibel. Bei Schalke und in der U21 hat er schon alle Positionen in der Viererkette gespielt. Einer, der in die Löw-Schule passt: Im Ton zurückhaltend, im Spiel fair, aber kompromisslos. Könnte schon in einem Monat gegen Dänemark im Kader stehen
  • Dennis Diekmeier: Einer, der gemessen an seinen Spielen, erstmal unter dem Radar laufen dürfte, weil er noch Fehler macht. Das darf er, er ist erst 20. Dennoch kein Zufall, dass Wolfsburg und der HSV schon viel Geld für ihn geboten haben und dass er jetzt, glaubt man den Gerüchten, nach Bologna wechselt. Offensiv denkend, hinten mit allen Anlagen in Zweikampfstärke und körperlicher Präsenz. Macht er den nächsten Schritt, könnte er 2011 ins Blickfeld rücken.
  • Marcel Schmelzer: Wer es bei der WM nicht gesehen hat: Die deutsche Nationalmannschaft hat ein Linksverteidigerproblem. Aogo überfordert, Badstuber eigentlich zentral besser aufgehoben, Jansen vorne links deutlich besser, Boateng halt ein Rechtsfuß. Marcel Schmelzer hat beim BVB den Dortmunder Liebling Dédé verdrängt, und das zu Recht. Defensiv mittlerweile so solide wie ein alter Hase, nach vorne noch zu hastig. In der Nationalmannschaft hätte er Lukas Podolski vor sich, da ist eine Absicherung nicht unwichtig. Könnte bei Bestätigung seiner Leistungen den Platz Aogos einnehmen

 

Mittelfeld:

Im Mittelfeld ist die Frage der Re-Integration Ballacks vorrangig spannend. Man muss sich das mal vorstellen: Das WM-Mittelfeld war im Durchschnitt nicht einmal 23 Jahre alt. Was soll da noch kommen? Zumal auf der 6 mit Ballack, Rolfes und Träsch noch drei Kandidaten aus der Verletzungspause zurückkommen? Trotzdem gibt es auch hier Kandidaten

  • Sven Bender: Allenthalben wurde in den ersten Berichten über die Bender-Zwillinge durchklingen gelassen, Lars wäre der etwas talentiertere Bruder. Deswegen wechselte er auch für 2,5 Mio Euro nach Leverkusen, während Sven schnöde mit Antonio Rukavina verrechnet wurde. Lars spielte in seiner ersten Erstligasaison 737 Minuten, wurde 14 Mal eingewechselt. Sven, “der Kleine”, spielte doppelt so lang, so dass mir BVB-Fans überrascht berichteten, dass sie Sebastian Kehl auf der 6 neben Nuri Sahin kaum vermissten. Wie Stefan Reinartz ein kompromissloser Abräumer. Spätestens nach Ballacks Karriereende ein sinnvoller Partner für Schweinsteiger
  • Timo Gebhart: Mit diesem jungen Mann hatte ich lange ein Problem. In der U19 sah ich ihn das erste Mal, da war er ein überragender Techniker ohne Sinn für irgendeinen Mannschaftsdienst. Einer der am Ball alles konnte, aber ohne Ball nichts, der nie den besser stehenden Mitspieler sah. Das legt sich in Stuttgart langsam, Trainer Gross dürfte es ihm (bildlich gesprochen) rausprügeln. Auf der Außenbahn ein Kandidat als Abwehrblockausdribbler.
  • Marco Reus: Keine besonders risikoreiche Wahl: Er sollte schon im Länderspiel gegen Malta debütieren, musste aber verletzungsbedingt absagen. Ein beidfüßiger, schneller, torgefährlicher Flügelspieler, den Gladbach, wie man einfach mal sagen muss, wirklich gut gescoutet und für wenig Geld verpflichtet hat. Wie Höwedes vielleicht schon in einem Monat dabei.

Angriff:

Vielleicht bin ich der einzige, der das so sieht, aber: Deutschland hat im Nachwuchsbereich ein Sturmproblem. Das Problem ist so groß, dass Sandro Wagner bei der letztjährigen U21-EM einziger ernstzunehmender Stürmer war. Richard Sukuta-Pasu, als großes Talent gehandelt, ist bei seiner Leihstation St. Pauli auch nur Joker. Ein Turnier lang dürfte es mit Klose noch laufen, danach müssen es Gomez, Kießling, Cacau und Podolski richten. Ob Helmes noch einmal auf sein Top-Niveau kommt, bezweifle ich leider, leider ein bisschen. Und nur einer von den genannten ist wirklich kopfballstark. Es fehlt an spielerischer Variabilität. Allerdings habe ich meine Zweifel, dass sich dort derzeit jemand anbietet. Deswegen nur im Schnelldurchlauf:

  • Julian Schieber hat sehr gute Ansätze gezeigt und hat jetzt ein Jahr Zeit, diese als Stammspieler beim 1. FC Nürnberg zu bestätigen. Möglich ist das, zwingend keineswegs. André Schürrle hat eine gute erste Profisaison bei einer weit über ihren Möglichkeiten spielenden Mainzer Mannschaft gespielt, hat allerdings trotzdem nur fünf Tore erzielt. Richard Sukuta-Pasu hat man seit Jahren für später auf dem Zettel, dafür müsste er aber bei St. Pauli wie gesagt langsam mal den Durchbruch schaffen. Sandro Wagner durfte in den U-Mannschaften spielen und sich jetzt bei Werder Bremen beweisen, ist aber eigentlich zu staksig und technisch schwach, zudem werden ihm (ohne Gewähr!) charakterliche Defizite nachgesagt. Savio wurde für viel Geld in Europa herumgereicht und ist jetzt erstmal bei 1860 München gestrandet. Hoffen wir, dass er dort mal endlich Qualitäten nachweisen kann.

Caceres de Oro

Juli 7th, 2010

Finale. Wahnsinn. Hätte man das Oranje vor dem Turnier zugetraut? Immer als Geheimfavorit dargestellt, aber die Abwehr, die Abwehr! Na klar, ein leichterer Weg ins Finale als zum Beispiel Deutschland, aber wer erinnert sich da noch dran, wenn es geschafft ist? Wer beschwert sich über Paraguay, die USA und Südkorea, wenn er als Deutscher an 2002 denkt? Und war Brasilien mit Spanien nicht DER WM-Favorit, erst Recht nach der Gruppenphase, als man zu Lobgesängen auf das neue, nüchterne, gar nicht sambaeske Spiel hingerissen wurde?

Gegen Uruguay sollte es schwer werden, schwerer als die Namen es verlauten lassen, aber die sind nicht umsonst ins Halbfinale gekommen. Vorne mit Forlan einer der ganz wenigen, die ihre WM-Vorschusslorbeeren gerechtfertigt haben. Der erste seit Lothar Matthäus 1990, der in einem Turnier drei Treffer von außerhalb des Strafraums erzielte. Dazu eine wahnsinnig gut eingestellte Defensive und Laufbereitschaft wie man sie sonst bei keiner Turniermannschaft gesehen hat.

Dementsprechend wurde es knapp, richtig knapp. Und man muss wieder die Frage stellen, warum der holländische Spielfluss nicht zustande kommt. Alles lief über links, wo Kuyt alles beackerte was grün oder himmelblau war. Robben war immer wieder im Zentrum zu finden, wo ihm mindestens fünf Gegenspieler auf den Füßen standen. Robin van Persie war nahezu nie anspielbar, und wenn, verlor er sich schnell im Klein-Klein mit den Innenverteidigern. So musste es das meiner Meinung nach schönste Solisten-WM-Tor bislang richten: Giovanni van Bronckhorst, der seine internationale Karriere am Sonntag würdig beenden wird, haute das Ding aus über 30 Metern so präzise in den Winkel, dass der Ball, wäre er 3, 4 Zentimeter weiter rechts angekommen, wieder aufs Feld zurückgesprungen wäre. Besser geht so ein Schuss nicht, und der Torwart der den hält muss erst noch erfunden werden.

Trotzdem wurde es nicht besser, sogar eher schlimmer. Im falschen Ehrgeiz für offensive Überzahl zu sorgen versuchte Heitinga den einen oder anderen Vormarsch und zeigte dabei, dass nicht jeder Holländer dribbeln kann. Und dementsprechend kam es wie es musste, Forlan bekam den Ball, eine Lücke tat sich auf, Schuss, Jabulani, Tor. Stekelenburg sah saublöd aus bei dem Treffer, kann sich aber meiner Meinung nach durchaus auf die wirre Flugbahn dieses Balles berufen.

Zur zweiten Hälfte hatte ich Hoffnung, dass van Marwijk wie gegen Brasilien die richtigen Impulse setzt. Es passierte aber nichts. Außer dass Zeeuw, niedergestreckt von einem uruguayischen Fallrückzieher, in der Kabine bleiben musste. Für ihn kam van der Vaart, der wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Profikarriere (lasse mich gerne eines besseren belehren) auf der Sechs spielen musste. Das bedeutete: Mehr Offensive, weniger Sicherheit bei Kontern. Trotzdem kam Uruguay kaum zu guten Chancen, mal von einem guten Freistoß durch Forlan (wen sonst) abgesehen. So reichte Sneijder ein abgefälschter Ball, bei dem der knapp abseits stehende van Persie klar ins Spiel eingriff ohne den Ball zu berühren, um Holland wieder in Führung zu bringen. Ein ganz merkwürdiges Tor, dass wir in unserer Runde erst nach einer halben Minute zu feiern begannen weil wir (und die Bildregie) sicher waren, dass es mit Freistoß Uruguay weiterginge.

Das 3:1 war umso schöner, und wieder gilt die Weisheit: Wer sich ein Kopfballtor von Arjen Robben einfängt, hat das WM-Finale nicht verdient.

Über die Nachspielzeit lässt sich wenig sagen. Ein Anschlusstreffer, der an das 1:0 Italiens gegen Deutschland 2006 erinnerte, ein abstrus lange nachspielender (und allgemein in dem Spiel nicht ganz sicherer) Schiedsrichter, eine letzte Druckphase Uruguays. Solche Szenen sehen immer dramatischer aus als sie sind – die hintenliegende Mannschaft nimmt alle Feldspieler mit nach vorne, die führende steht im Strafraum – da ist so wenig Raum, das selten etwas passiert, auch wenn der Ball eben im Strafraum ist.. aber sag das mal mir, wenn ich vor dem Fernseher klebe und mein Team kurz vor dem WM-FINALEINZUG!!! steht.

Jetzt geht es gegen Spanien oder Deutschland. Und ab heute abend könnte ich mich in einer ganz ganz großen Zwickmühle befinden. Für wen bin ich, wenn es um den WM-Titel geht, wenn Deutschland und die Niederlande aufeinandertreffen? Ich weiß es nicht. Ich werde mir tagelang den Kopf zerbrechen. Falls nicht doch Spanien heute gewinnt – zu diesem Spiel maße ich mir keinen Tipp an. War bei England und Spanien genauso, damit bin ich gut gefahren. Scheiß auf Oktopusse.

WM-Finale. Mindestens eine meiner Mannschaften. Allen drei noch im Turnier befindlichen Mannschaften gönne ich es. Es könnte wahrlich schlimmere Turniere geben.

Ich pflege gerne zu sagen, dass man an nichts so gut fehlenden Fußballsachverstand erkennt wie daran, wenn jemand Mario Gomez als Nichtskönner abstempelt, sozusagen als Carsten Jancker des Jahres 2010. Doch es gibt auch eine ähnliche Indikationsmöglichkeit: Der holländischen Nationalmannschaft eine bislang eher schlechte WM zu bescheinigen.

Natürlich sind die Ergebnisse nicht von der Strahlkraft eines 4:1 gegen England oder 7:0 gegen Nordkorea. Dennoch macht  das Team bisher alles richtig. Denn gegen Gegner der Klasse Japan, Dänemark, Kamerun und Slowakei auf die volle Leistungsfähigkeit zu gehen, wäre ein schon viel zu oft begangener Fehler. Man erinnere sich nur an die überwältigen Auftritte in der EM-Vorrunde und den darauf folgenden Absturz. Die Kräfte werden dosiert eingesetzt, ein Arjen Robben nicht fitgespritzt, sondern behutsam ans Team herangeführt, der Fokus auf die als unsicher geltende Defensive gesetzt.

Überhaupt diese Defensive. Zwei Gegentore bisher, beide nach Elfmetern. Und auch wenn die Viererkette nicht immer sicher wirkt: Davor spielen Nigel de Jong aber vor allem Mark van Bommel das beste Turnier ihrer Karriere. Man kann jetzt auch nach Schweinsteiger rufen, nach Xabi Alonso und Veron, aber ich sage: van Bommel ist auf dieser Position bei dieser WM der Beste. Das liegt natürlich auch daran, dass er nicht den großen Spielgestalter machen muss, aber selbst das sichere, kreative Passspiel hat er sich auf seine alten Tage noch angewöhnt.

So schießt die Elftal nicht mehr wie früher einfach mehr Tore, als sie sich fängt, sie gewinnt dosiert und spart dadurch Kraft, die sie gegen Brasilien sicher brauchen wird. Dort wird es spannend zu sehen, wie die Defensive mit den neuen, viel besseren Gegenspielern umgehen wird. Ob man mit den entweder nicht ganz sicheren (van der Wiel) und langsamen (van Bronckhorst) Außenverteidigern schnelles Flügelspiel über Robinho und Elano (bzw. Alves) verhindern kann.

Andererseits ist Arjen Robben wieder fit. Und hat, bei aller Liebe, mit Bastos nicht den Weltklasselinksverteidiger vor der Brust. Robbens Hereinnahme bietet neue taktische Möglichkeiten, zu denen leider auch gehören muss, Robin van Persie auf der Bank zu lassen. Der hat nämlich eine ganz bittere Seuche am Fuß, am Kopf, in den Laufwegen. Und meint dann noch, sich bei Auswechslungen beschweren zu können. So darf es jedenfalls nicht weitergehen.

Meine Wunschaufstellung:

——————–Kuyt———————
—-Sneijder—–van der Vaart—–Robben—-
———–van Bommel——de Jong———–
-Bronckhorst-Mathijsen-Heitinga-van der Wiel-
—————-Stekelenburg—————–

Japan – Paraguay

Juni 29th, 2010

Was für ein schlimmes, schlimmes Spiel. Zum Glück geguckt mit Freunden des ungepflegten Wortspiels. Darum hier das Ergebnis unserer Spielbegleitbeschäftigung: Fußballer mit Automarkennamen

  • Marco Roll’s Reus
  • Gonzalo Tiguan
  • Isaac Corsah
  • Seat Salihovic
  • Renault Domenech
  • Jared Bugatti
  • Golf-Christel Guie-Mien
  • Aston Martin Demichelis
  • Richard Toyota-Pasu
  • Richard Sukuta-Passat
  • Michael “Suzuki” Zorc
  • Alfa Romeo Castelen
  • Twingo Anderbrügge
  • Christian Panda
  • Danny Mazda
  • Cayenne Robben
  • Phaeton Toski
  • Skoda Antar
  • Miro Volvodic
  • Ali Daewoo
  • Ali Hyundaei

Does it offend you, Kjaer?

Juni 15th, 2010

Das gestrige Spiel habe ich in der Öffentlichkeit geguckt, am Kaiserplatz in Bonn. Um mich herum ein Fachmann (in der 1. Hälfte) und ein paar Holländer. Es war nett. Das Spiel eigentlich auch.

Das Problem: Nach dem (beeindruckend souveränen) 4:0 Deutschlands und den guten Vorbereitungsergebnissen erwartete jeder von der Elftal eine furiose Zaubervorstellung mit mindestens fünf Toren. Doch dafür sind die Dänen zu gut. Morten Olsen ist nämlich ein ganz schön guter Trainer. Und der wusste, dass vom recht unsicheren van der Wiel und dem unglaublich alt gewordenen Giovanni van Bronckhorst keine größere Offensivgefahr ausgehen würden. Somit reichte es, die Flügel von den beiden Außenverteidigern Jacobsen und Poulsen absichern zu lassen, die, etwas vorgezogen, quasi den Trichterrand bildeten. Den Niederlanden wurde quasi nur angeboten, ins Zentrum zu gehen – wo mit Kjaer, Agger, Poulsen, Jörgensen und zeitweise Kahlenberg eine ganze Menge gehobenes europäisches Niveau nur auf den Ball wartete.

Dementsprechend lange dauerte es, bis es zu echten Chancen kam. Als hinderlich erwies sich hier, dass Kuyt auf den Flügel musste und van Persie in der Zentrale einen ziemlich miesen Tag erwischte.

Trotzdem ist es nicht so, dass Holland nicht überlegen gewesen wäre. Rafael van der Vaart scheiterte gar mit dem potenziellen Tor des Jahres nur am hervorragend aufgelegten dänischen Torhüter Thomas Sörensen. Denn all die Özils, Müllers und Kloses hin oder her, eine hohe Flanke aus dem Halbfeld volley mit der Hacke in den Winkel zu lenken, das kann in Deutschland keiner. Oder sie zeigen es nicht.

In jedem Fall musste ein kurios aussehendes Eigentor als Spielöffner fungieren. Simon Poulsen köpfte Agger an, von dessen Rücken der Ball ins Tor ging. Ich bin mir dennoch sicher, dass, wäre Poulsen nicht an den Ball gekommen, Kuyt in seinem Rücken das Tor gemacht hätte. Aber gut, hättewärekönnte.

Es war also nicht so schlimm, wie es zeitweise geredet wurde. Und es gibt ja Hoffnung. Da wäre Arjen Robben, der natürlich fehlte. Da wäre Eljero Elia, der nach seiner Einwechslung so viel Alarm machte (und das 2:0 entscheidend vorbereitete), dass kaum vorstellbar ist, dass er ab August nicht bei Manchester City spielt. Da wäre das nicht zu vernachlässigende Faktum, kein Gegentor bekommen zu haben. Und der Eindruck, dass es gegen die beiden verbleibenden Gegner deutlich einfacher werden dürfte.

Stekelenburg (3) – van Bronckhorst (4), Mathijsen (3), Heitinga (3,5), van der Wiel (3) – de Jong (2,5), van Bommel (1,5) – van der Vaart (2,5), Sneijder (3), Kuyt (2), van Persie (3,5) – Elia (1,5)

Oranje boven!

Juni 2nd, 2010

Das Layout hier hat sich verändert. In eine Farbe, die für viele deutsche Fußballfans quasi das rote Tuch ist. Orange. Und zwar für die Zeit der WM. Genauer gesagt: Die Zeit, in der die niederländische Nationalmannschaft im Turnier vertreten ist.

Ich weiß nicht mehr genau, wann meine Liebe für die Elftal anfing. Als ich mit 11 Jahren nach Wesel zog, in die Nähe der holländischen Grenze, passte ich mich erstmal an. Wohnwagenwitze, scheiß Holländer, dieser Kram. Irgendwann änderte sich das. Man brauchte Mut, um offen für Holland zu sein, und um ehrlich zu bleiben, weiß ich gar nicht, ob ich diesen Mut bis zu meinem Wegzug 2003 aufgebracht habe. Danach aber umso mehr.

Ich bin Fan der holländischen Nationalmannschaft. Ich habe gelitten, als sie 2002 nicht mit zur WM fuhr. Ich habe gejubelt, als sie 2004 und 2008 bei den Europameisterschaften jetzt schon legendäre Spiele zeigte. Diese Spiele waren gegen Tschechien und Russland. Beide hochgelobt, beider Sterne sinken jetzt wieder. Holland ist immer noch da.

Doch da ist auch die Tragik. Nahezu jeder Offensivspieler der Auswahl hätte in einer beliebigen europäischen Mannschaft einen Stammplatz. Man kann und muss es sich sogar leisten, Leute wie van Nistelrooy, Kuyt, Babel und Sneijder mal auf der Bank zu lassen – oder sie gar nicht mitzunehmen nach Südafrika.

Ganz hinten stand immer Edwin van der Sar, und wenn ich recht überlege, war er es, der mich zu Oranje führte. Ein Typ, der in der Schule wegen seiner Größe sicher immer gehänselt wurde, strahlte Souveränität aus und führte das Torwartspiel, das ich zuvor nur von Bodo Illgner, Oliver Kahn und Andreas Köpke kannte, in andere Sphären. Ein Torwart außerhalb seines Strafraums! Unglaublich.

Nun ist van der Sar nicht mehr da, statt seiner spielt wohl Stekelenburg. Einer, über den ich so gut wie nichts weiß. Und ich würde mir wünschen, über die Defensivspieler wie van der Wiel und co mehr sagen zu können. Es wird sich in den nächsten Wochen ergeben. Ich werde die Spiele der holländischen Mannschaft vorbereiten, ich werde Informationen aufsaugen, ich werde livebloggen. Und alles oranje.

—–Sneijder——van Persie—–Robben—–
—————-van der Vaart—————-
———–van Bommel—–de Jong————
-Bronckhorst-Mathijsen-Heitinga-van der Wiel-
—————–Stekelenburg—————-

Pflichttermin

Mai 31st, 2010

Seit weit über einem Jahr schwelt es, ist aus den merkwürdigsten Gründen nicht zustandegekommen, jetzt ist alles fix.

In genau 15 Tagen, am 15. Juni 2010, veranstaltet die Hochschulgruppe Mediennachwuchs der Universität Bonn, derzeit durch mich teilvertreten, einen Vortrag.

Unser Gastredner an diesem Abend ist Ulrich Loke aus der Redaktion des überaus schätzenswerten Magazins “sport inside”, das jeden Montag im WDR Fernsehen läuft.

Es wird um investigativen und nicht-investigativen Sportjournalismus gehen, um Nähkästchen, Dopingkoffer und den Weg in die Redaktion eines solchen Sendeformats.

Ich würde mich freuen, wenn dort auch ein paar Leute auftauchen, die ich nicht bei jeder dieser Veranstaltungen sehe. Das Thema würde sich dafür auf jeden Fall lohnen.

Nochmal in Kürze

Was? Ulrich Loke (WDR), Investigativer Sportjournalismus. Vortrag und Diskussion

Wann? Dienstag, 15. Juni 2010, 20:00-21:30 Uhr

Wo? Hörsaal 3 des Universitätshauptgebäudes Bonn, Am Hof 1, 53113 Bonn

 

Ein Bier oder zwei danach: Immer gerne.

7 Punkte (2)

Mai 20th, 2010

1. Volkszorn ist des Boulevardjournalisten schönste Waffe. Und auch wenn die Ballack-Geschichte langsam abklingt, gibt es genügend  Aufregungspotenzial. Luca Toni hat in Italien gesagt, dass er als Italiener am Samstag natürlich für Inter Mailand ist. Und gegen Bayern München. Den Verein, der, Stand heute, ab dem 1. Juli wieder sein Gehalt überweist. Klingt erstmal komisch, ist aber hart an der Grenze zur Irrelevanz. Toni will noch gute zwei Jahre Profifußball spielen, vielleicht sogar länger. Höchstwahrscheinlich in seinem Heimatland. Soll er sich die Inter-Tür da vor der Nase zuschlagen? Als vaterlandsloser Geselle dastehen? Und zuvorderst: Soll er darauf hoffen, dass sein Land in der übernächsten Saison einen Champions League-Startplatz weniger hat?

2. Luca Toni ist nur eine der spannenden Personalien, die zur kommenden Saison in der Bundesliga unklar sind. Neben zahlreichen möglichen Zugängen (von denen Afellay beim HSV  der bislang namenskräftigste ist) wollen auch viele Spieler weg, oder müssen es sogar, weil ihre Verträge auslaufen oder man ihnen keine Chance mehr einräumt. Angelos Charisteas hat es in sechs Jahren vom Europameister zum beim Fast-Absteiger aussortierten Unterklasse-Stürmer gebracht. Roberto Hilbert in zwei Jahren vom Jung-Nationalspieler zu einem, dessen Zukunft angeblich in der Türkei liegt, weil nur dort Vereine seines für möglich gehaltenen Leistungsniveaus bereit sind, das entsprechende Gehalt zu zahlen. Andere Spieler sind vielleicht nur noch jetzt für eine Ablöse verkaufbar, die den abgebenden Club nicht als vollständigen Trottel dastehen lässt. Ein Demba Ba oder Chinedu Obasi z.B. spielte in der vergangenen Saison nie so, wie es die kolportierten Angebotssummen aus dem Sommer 2009 noch verhießen.

3. In Hoffenheim hat der große Kurswechsel eingesetzt, hört man. Deutsche Spieler, jung, entwicklungsfähig, sollen es jetzt sein. Sollten es immer sein, aber dann kamen Simunic, Eduardo, Zuculini und Maicosuel dazwischen. 25 Millionen haben diese angeblich zusammengenommen gekostet, nur einer von ihnen hat seinen Marktwert verbessert. Gleichzeitig hat man mit Boris Vukcevic nur einen Jugendspieler hochgezogen, der tatsächlich für höhere Aufgaben geeignet scheint. Ein Kind der so hochgelobten Jugendabteilung, die nur deshalb jetzt schon weit oben mitspielt, weil der Verein das Gentlemen’s agreement der Profiklubs missachtet, nicht in anderen Jugendabteilungen der Region umherzuwildern.

4. Überhaupt die Jugend. Jung, deutsch, billig ist bei ganz schön vielen Vereinen die neue Maxime. Der FC St. Pauli hat es geschafft, das gut umzusetzen, indem er Erstligaclubs deren Reservespieler abkaufte. In Duisburg sollen es jetzt ebensolche Spieler machen. Bloß dass dort nicht ein Stanislawski, sondern ein Sasic auf der Trainerbank sitzt. Kleiner, feiner Unterschied.

5. Im Gegensatz zur letzten Saison deutet sich kein großflächiger Trainerumbruch in der ersten Liga an. Wolfsburg  hat einen neuen, der HSV sucht mal wieder immer noch, ansonsten könnte alles beim Alten bleiben. Die Frage ist, bis wann. Die Herren Soldo, Slomka und Hecking sitzen alles andere als fest auf ihrem Posten, und in Mainz droht die Gefahr, das neue Karlsruhe zu werden. Wie Tuchel mit einem Fehlstart umgeht, weiß noch kein Mensch. Und wer weiß, ob Felix Magath nicht doch eine Ausstiegsklausel hat, falls ein wirklich großer Verein anklopft. Auslandsambitionen werden ihm ja  schon lange nachgesagt.

6. Ins Ausland sollte es meiner Meinung nach mehr deutsche Spieler verschlagen. Nicht die der Preisklasse Hildebrand, sondern Topspieler. Leute, die sich in England und Spanien durchsetzen. Das würde Nationalmannschaft und Liga helfen, ihren Ruf zu verbessern. Arsenal soll ja einen Torwart suchen, hört man. Gell, Manu? René?

7. Bei den Torhütern geht das Karussel ja auch ganz schön rund. Einige suchen, viele sind frei. Drobny, Walke, Rensing, Kessler, Miller, Tremmel wollen alle neue Clubs. Alle haben sie schon Bundesliga gespielt, die einen häufiger, die anderen als Ersatz, manche (Kessler) in wenigen Einsätzen gut, andere (Rensing) in vielen Einsätzen mies. Der Jackpot dürfte Jaroslav Drobny sein. Einer, der die meisten Bundesligaclubs verstärken würde. Man darf gespannt sein.

Vier Tage ist es nun her, seit Kevin-Prince Boateng den deutschen Nationalmannschaftskapitän aus der Weltmeisterschaft getreten hat. Beruhigt hat sich nichts. Immer noch fordern Menschen ohne Schutz durch Anonymität in sozialen Netzwerken Boatengs Ausbürgerung, seinen Tod oder zumindest eine lange Sperre. Die Forderung geht von “die ganze WM” bis “lebenslang”.

Aber was ist eigentlich passiert? Das DSF dürfte sich in den Hintern beißen. Wäre vorher klar gewesen, was passiert, wären die Einschaltquoten für das FA-Cup-Finale sicher deutlich höher gewesen. Kaum einer derer, die jetzt schreien, hat das Spiel gesehen. Und genau deshalb kennt keiner die Vorgeschichte. Zumal diese nirgendwo thematisiert wird, obwohl doch in “Sportschau extra” oder der ZDF-Sondersendung genug Zeit war.

Boateng und Ballack hatten sich schon im gesamten Spiel nicht unbedingt zurückgehalten. Harte Fouls, ruppig geführte Zweikämpfe, auch das, was im Fall Podolski<->Ballack eine “Watschn” genannt wurde. Wohlgemerkt: Die “Watschn” bekam Boateng von Ballack, nicht umgekehrt.

Es war also ordentlich Feuer im Spiel. Dann bekam Ballack in der Offensive den Ball, und runde 15 Meter um ihn herum war alles frei. Er hatte alle Optionen, er konnte zum Strafraum marschieren und bis dahin in Ruhe die Optionen sondieren. Freien Mann anspielen oder es aus der Distanz selbst versuchen? Für jeden, der kein Chelsea-Tor wollte, musste klar sein: Der muss gestellt werden. Boateng kam von der Mittellinie und wollte genau das tun. Ballack legte sich den Ball vor, Boateng trat trotzdem zu. Und um diese Sekundenbruchteile geht es. Vermeintlich.

In meinen Augen hätte Boateng sofort vom Feld gemusst. Eine klare rote Karte, eine Verletzung des Gegenspielers in Kauf nehmend. Im Post-Ribéry-UEFA-Sprech meinetwegen auch: Eine Tätlichkeit mit Ball. Er bekam Gelb vom Schiedsrichter. Rätselhaft, aber eine Tatsachenentscheidung. Von diesen Tatsachenentscheidungen hat übrigens auch Michael Ballack einige Male profitiert. Ein Kind von Traurigkeit ist auch der Kapitän der Nation nicht. Allein in meinem Kopf geht schon ein großes Kopfkino-Archiv von Szenen mit Ballack an, die so nicht in Ordnung waren. Sie aufzuzählen, fehlt mir Zeit und Muße. Entsprechende Archive gibt es ja auch.

Tatsächlich geht es um die Zeit danach. Die Stunden bis zu den ersten Statements, die Tage bis zur Diagnose, die Sekunden, in deren Takt Beschimpfungen aus allen Ecken nach Portsmouth und Berlin geschickt wurden. Mit vielen Menschen habe ich in den letzten Tagen über den Fall geredet, und die Tendenz ist eindeutig: Je weniger sich einer für Fußball interessiert, desto größer ist sein Zorn auf diesen Ghetto-Typen, der unseren “Capitano” kaputtgemacht hat. Von dem sich bei YouTube eine Szene findet, wo er einem Gegenspieler ins Gesicht tritt. Über den Matthias Sammer, ohne auch nur einmaligen persönlichen Kontakt, persönlich gerichtet hat.

Diese Bigotterie ist das Problem. “Wiese für Deutschland” skandieren die Bremer, seine Paraden erfreuen viele, aber über sein Foul des Jahres an Ivica Olic, als er diesem fast das Gesicht vom Kopf trat, redet keiner mehr. Dass sich Ballack bei Chelsea einführte, indem er auf einen am Boden liegenden Gegenspieler trat und drei Spiele aussetzen musste, ist offenbar irrelevant. Dass Thorsten Frings sich erst letzten Samstag – also noch Stunden NACH dem Boateng-Foul – anschickte, dasselbe mit Herrn Schweinsteiger nachzuspielen, ist egal.

Hier treffen zwei Reflexe aufeinander. Der eine ist der Schutz des nationalen Eigentums, nämlich des Spielführers der Nationalmannschaft. Dieser Schutz ist dahin, zerbrochen. Da macht sich Frustration breit. Die Bewertung des Fouls führt vom Resultat her in den Hass, nicht von der Aktion selbst. Aus gutem Grund macht unser Strafrecht das anders.

Der andere Reflex ist schwerer zu lokalisieren. Ich will nicht Rassismus sagen. Das ist es nicht. Aber vielleicht ist es die Wut auf den Anderen. Den, der es schwierig hatte und es sich immer schwierig gemacht hat. Der es sich selbst immer schwer gemacht hat, zum besten Fußballer seiner  Generation im Lande zu werden, was zweifelsohne möglich war. Und ist. Und der, der jetzt lieber für Ghana spielt, obwohl er noch nie in Afrika war. Vielleicht ist es auch die Wut auf die ganzen Typen, wegen denen man nachts alleine am Busbahnhof Angst hat. Oder auf den Typen, der sich von seinem ersten Monatsgehalt eine Hand voll Sportwagen kaufte, obwohl er unreif wirkte wie ein 13-Jähriger.

Und dass zwei Profis im Fußballgeschäft, Joachim Löw und Ballack-Berater Becker Öl ins Feuer gießen, ist eigentlich eine der schlimmsten Sachen. Löw, indem er ohne Not appelliert, Jerome Boateng nicht verantwortlich zu machen. Becker, indem er öffentlich straf- und zivilrechtliche Schritte androht. Tut er das, zeige ich Ballack wegen Landfriedensbruch an. Oder so.

Kevin-Prince Boateng ist ein junger, übermäßig talentierter Fußballspieler, der in seinem Leben schon sehr viele Dinge falsch gemacht hat. Das Foul an Ballack gehört dazu. Doch dass er jetzt nicht mehr angstfrei nach Deutschland einreisen kann, ein Land, in dem ihn die größte Tageszeitung “Arschloch” nennen darf, das hat er nicht verdient.

PS: Diesen Text habe ich am Mittwoch morgen geschrieben. Am Abend vervollständigt sich ein obskures Bild. Nachdem sich Kevin-Prince Boateng eigentlich äußerst klug und wahrheitsgetreu geäußert hat (Kurzzusammenfassung: Entschuldigung für das Foul, wollte ihn nicht verletzen, aber von Ballack kam vorher eine Ohrfeige, die keiner thematisiert), geht die mediale Hetze von vorne los. Der Express fabuliert wahrheitsbeugend, Boateng hätte sich das mit der Entschuldigung “offenbar wieder anders überlegt”. Und Manuel Neuer sagt etwas, was ich wirklich nicht fassen kann: “Er ist ja nicht sein richtiger Bruder und auch kein Freund, deshalb wird das Jerome nicht belasten.”

Ich kapiere es nicht.

Am deutschen Wesen.

Mai 17th, 2010

Michael Ballack fällt aus. Für die WM. Nach einem Foul von Kevin-Prince Boateng. Soweit die Fakten, ohne Wertung.

Das mit der Wertung sollten sich vielleicht alle mal überlegen. Die Springer-Presse zum Beispiel. Und alle Medien, die jetzt über Absicht spekulieren. Auch Mehmet Scholl.

 

Eigentlich fühle ich mich ganz wohl in Deutschland. Aber manchmal bricht es halt doch hervor, das, was ich hier so hasse. Ich weiß nicht, ob es in anderen Ländern genauso ist. Aber hier ist es schlimm. Und mit euch will ich in wenigen Wochen nicht feiern.

 

Oranje boven, ihr Wichser.

 

Folgendes sind Notizen von verschiedenen Facebook-Gruppen, die am heutigen Tag gegründet wurden. In keiner dieser Gruppen bin ich Mitglied geworden. All diese Meinungsäußerungen sind öffentlich getätigt worden.

“Lyncht Kevin Prince Boateng!” – Gruppenname, Stand 22:07 Uhr 139 Mitglieder. Auf dort hochgeladenen Fotomontagen wird Boateng steckbrieflich wegen Mordes gesucht.

In der “AUS PUREM HASS” von Jannick T. gegründeten Gruppe “Boateng, du gehörtst versch*****” heißt es zu Boateng, der wohlgemerkt deutscher Staatsbürger ist: “Bei UNS bist du nichtmehr WILLKOMMEN!”

In eine ähnliche Kerbe schlägt die von Tilman M. gegründete Facebook-Gruppe “Lebenslanges Einreiseverbot für Kevin-Prince Boateng!” (328 Mitglieder). Man könnte denken, der Gründer wüsste nichts von Boatengs Herkunft, allerdings heißt es im Untertitel “Und am Besten nehmen wir ihm auch den deutschen Pass weg!”. Sowas geht übrigens nicht mehr. Seit 1945. Klingeling? Florian V. fordert an der Gruppenpinnwand: “… oder einreisen lassen und dann gleich ins Gefängnis… Lebenslänglich, natürlich!”

Die Gruppe “Boateng du Arschloch!!!!” hat gar schon 5.394 Mitglieder. Auch hier wird dem Revanchismus gefröhnt. So bittet Stefan A. grammatisch kreativ “geb dein deutschenpass ab und komm nie wieder!!!!!!!!!!!!!”, während Patrick W. darüber fabuliert, Tim Wiese zu Boatengs “Exikution” aufzustellen.

“So ein Spast der wollte des .. nur weil er en Neger und en Spast ismuss er noch lang nich ein viel disziplinierteren und besseren Spieler umhauen! ARSCHLOCH!”. Soweit Jonas S. Meinung. Recht nah an diesem Niveau liegt auch Alexander R.s “du sohn einer reudigen nigga hündin”.

Bennet W. dagegen hält sich nicht weiter mit Diskussionen auf und fordert auf den Punkt:  “Der Typ gehört erschossen !”. Das gefällt gleich vier Leuten.

Das sind alles Einzelfälle. Gerade bei den rassistischen Ausfällen kamen recht schnell Kommentare, die das ablehnten. Dennoch ist es eine geäußerte Meinung von vielen. Auch im Bus heute durfte ich hören, dass “so ein Nigger Ballack kaputtgetreten” hat.

Ich verstehe das alles nicht.

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