Sportteil

Aus der Pause

Februar 1st, 2013

In der ersten Liga ist die Winterpause schon vorbei, für den SV Sandhausen endet sie in 40 Minuten, für den FC morgen. Die Hinrunde war hier äußerst spärlich (um nicht zu sagen: gar nicht) behandelt, ich werde mein bestes tun, das 2013 besser zu machen. Was nicht heißt, dass ich mich zu Posts zwingen will, es soll ja auch irgendwie lesenswert bleiben.

Der SV Sandhausen hat im Winter eingekauft, ohne in Panik zu verfallen. Ein Innenverteidiger (Olajengbesi aus Aachen), den ich nicht unbedingt gebraucht hätte, dazu zwei tendenziell talentierte Offensivwirbler (Yun aus Frankfurt, Beichler aus Berlin) ausgeliehen und für ein halbes Jahr mit Option einen baumlangen Finnen (Juho Mäkelä) gekauft. Letzterer hat schonmal ein Testspieltor gegen den FC Barcelona geschossen, das muss als Empfehlung reichen. Ich bin gespannt.

Der FC hat finanziell erzwungenes Augenmaß walten lassen. Im Gegensatz zu ungefähr allen war ich von Anfang an überzeugt vom Maierhofer-Transfer, weil er sicher kein vollständiger Nixkönner ist, wenig Geld verdienen wird und durch seine schiere Größe den Kader ergänzt. Zu Bruno kann ich überhaupt nichts sagen, bin aber gespannt. An seinem Transfer erfreut mich am meisten, dass Anthony Ujah bereits einen Tag nach der Vorstellung des Neuzugangs ein gemeinsames Foto beim abendlichen Clasico-Gucken twitterte – der Mann scheint neben seiner Performance auf dem Platz auch noch ein integratives Element zu sein. Das gefällt mir, denn es passiert im Club mit der berüchtigten 60-Minuten-Weihnachtsfeier, bei der alle nur auf ihrem Handy herumspielten.

Des Weiteren scheinen sich insbesondere Yabo und Schnellhardt in den Vordergrund gespielt zu haben, was mich freut, wobei wir in eigentlich jedem Trainingslager die vermeintlichen Durchbrüche von Talenten vermeldet bekamen, die man danach nie wieder sah. Warten wir es ab. Meine Aufstellung für morgen:

Horn – Eichner, McKenna, Maroh, Brecko – Matuschyk, Jajalo – Royer, Bigalke, Clemens – Ujah.

Kurze sprachliche Anmerkung

September 3rd, 2012

Die Leute die Spieler bedrohen, Reichskriegsflaggen hissen, Rauchbomben zünden, Spuckis kleben oder Gräber auf Trainingsplätzen ausheben: Das sind natürlich Fans. Das sind keine Leute die am Wochenende Volleyball gucken und sich Sonntag nacht den Fußball als Ventil für obskure, teils illegale Hobbies suchen. Das sind fehlgeleitete Fans. Und somit bin ich dafür, diese Menschen in Zukunft “Sogenannte sogenannte Fans” zu nennen.

Hey Arschloch,

September 1st, 2012

ich kenne deinen Namen nicht, und die deiner Freunde auch nicht. Deswegen die Anrede, verdient hast du sie allemal. Hey, ich war auch sauer am Montag, dumme Niederlage, dazu gegen sich widerlich verhaltende Auer, und der im Prinzip vorentscheidende Fehler kam von Pezzoni. Wieder mal Pezzoni, der irgendwie in Köln gefühlt immer schlechter geworden ist. Ich habe nicht verstanden warum er in der Startelf stand, aber das ist ja nicht seine Schuld, sondern die des Trainers, irgendwie.

Und selbst wenn, es ist am Ende des Tages nur Fußball, und das sage ich, der seit Jahren viel zu viel Geld, noch viel mehr Zeit und am allermeisten Herzblut hineinsteckt. Montag abend habe ich mit Gegenständen um mich geworfen, weil es mich so geärgert hat.

Aber bin ich deswegen so ein Arschloch wie du, der einem Spieler vor dessen Wohnung auflauert? Ihn durch bloße Präsenz, durch Worte und Taten einschüchtert? Mit Sicherheit nicht. Ich habe nämlich etwas Hirn im Kopf und dazu als Kind gelernt, wie man sich zu benehmen hat. Du nicht, Arschloch. Du kapierst offenbar gar nichts. Stehst sicher bei jedem Heimspiel in S3, singst was von Liebe und Treue und FC bis zum Tod und merkst nicht, wie du den Verein und seine 99% normalen Fans in Sippenhaft nimmst für den Scheiß, den du machst. Ich glaube, im deutschen Fußball gibt es im Moment keinen Club der in seiner Gesamtheit ein beschisseneres Ansehen hat als unseren FC. Das ist zu einem großen Teil deine Schuld, Arschloch. Also geh kacken, aber lass mir meinen Verein und tu nicht so, als hättest du Anspruch auf irgendwas.

Eik Galley und die Herkunft

August 21st, 2012

Fans des Chemnitzer FC haben gestern gezeigt dass die Dummheit des Menschen nicht zu bändigen ist und haben den Dresdner Stürmer Mickael Poté mit Affenlauten beleidigt. Strafe #1 folgte noch kurz vor der Pause, als Poté genau vor der Kurve der Blöden ein Tor schoss, Strafe #2 wird der DFB sicher bald aussprechen – es wird wohl eine Geldstrafe geben, auch wenn ich mir einen Teilausschluss dieses Blockes wünschen würde.

Es gibt aber ein weiteres Ärgernis, das nicht eine anonyme, amorphe Masse des Publikums betrifft sondern einen der Öffentlichkeit verpflichteten Multiplikator: Reporter Eik Galley vom MDR. Sein Kommentar der Sportschau-Zusammenfassung im Wortlaut:

Dieser Mickael Poté, immer präsent, wunderschön angespielt. Und diese Präsenz ärgerte einige Verpeilte im Chemnitzer Block. Denn diese Szene hat ein akustisches Nachspiel. Poté, dann Pentke, und jetzt hören sie mal.

Da mischen sich einige Affengeräusche, vereinzelt zwar, in den Chor, aber Poté hat sie natürlich gehört. Geboren im französischen Lyon, seine Vorfahren stammen aus dem Benin, er ist sichtlich angegriffen.

Und nach Ende des Spiels:

Für ein Nachspiel wird die 17. Minute sorgen, die Ausfälle gegen den Franzosen Mickael Poté sind einfach nicht hinnehmbar.

Hier stellt sich die Frage, welchen relevanten Hintergrund der Geburtsort Potés haben soll. Er könnte in Australien, Kanada oder eben auch dem Benin geboren sein, Rassismus bleibt Rassismus bleibt scheiße. Die ausdrückliche Wortwahl “Der Franzose Poté” signalisiert: Ihr beleidigt hier einen Schwarzen, obwohl der gar nicht aus Afrika kommt. Was das bedeuten soll, so unbeabsichtigt und minimal es ist, soll mir mal einer erklären.

Zweigleisig

August 2nd, 2012

Überübermorgen geht es los, mit gleich mehreren Premieren. Erstmals habe ich eine Dauerkarte, erstmals fahre ich in einer Liga zweigleisig, erstmals spielt der SV Sandhausen in der zweiten Liga. Ich freue mich auf diese Saison.

Beide Vereine haben in der Sommerpause einiges richtig gemacht. Der SV Sandhausen hat sich klug und billig verstärkt und den Verlockungen der großen Namen (Charisteas, nech) nicht nachgegeben. Der 1. FC Köln hat das finanziell risikoreiche Signal gesetzt, Spieler wie Geromel, Novakovic und Rensing auszusortieren bevor man einen Käufer für sie gefunden hatte. Das senkt jede Ablösesumme und führt zu Etatproblemen, zeigt aber umso deutlicher: Hier wird jetzt Umbruch gemacht. Das finde ich gut. Und selbst wenn man in der Startelf am Sonntag zahlreiche dienstältere Spieler sieht: Das sind nicht die hochbezahlten Minderleister der letzten Saison sondern Spieler, denen man zutraut, ihren Zenit erst noch zu erreichen.

In Sandhausen ist Aufbruchstimmung zu spüren. Der kicker schreibt von 800, die Rhein-Neckar-Zeitung von 1500 Dauerkarten. 1500 Zuschauer waren teilweise in der letzten Saison insgesamt nicht bei Heimspielen. Jeden Tag kann man Baufortschritte am Stadion sehen und ich freue mich auf Gespräche mit Gästefans, die noch nie am Hardtwald waren. Kann man irgendwo sonst in Liga 2 noch Stehplätze an der Mittellinie sehen?

Für Sandhausen, klar, geht es gegen den Abstieg. Gegen den Verein spricht sein Etat und die geringe Zweitligaerfahrung. Für den Verein spricht, dass er, im Gegensatz zu vielen anderen Aufsteigern, nicht von ein bis zwei Knipsern abhängig ist sondern im letzten Jahr mannschaftlich geschlossen aufgetreten ist.

Für den FC geht es meiner Meinung nach nicht um den Aufstieg, dafür hat man im Vergleich zu anderen Clubs (zum Glück) zu wenig investiert. Wie kann Hertha diese Spieler eigentlich alle bezahlen? Ich bin fasziniert. Wie dem auch sei: Ich sehe den FC in den nächsten Jahren in einer ähnlichen Lage wie 1860 München: Mit Hypotheken der Vergangenheit, großer Tradition und einer wirtschaftsstarken Stadt irgendwo in der oberen Tabellenhälfte landen. Und langsam etwas aufbauen, mit dem man Nachhaltigkeit erreichen kann. Ich würde es mir wünschen.

Von Umbrüchen

Juni 26th, 2012

Heute sind die Rückennummern veröffentlicht worden. Erst kürzlich wurde bekanntgegeben, dass die Kaderplanungen soweit abgeschlossen sind. Erst einmal die Zahlen, so wie sie bislang stehen:

Durchschnittsalter des Kaders: 22,8 Jahre

Durchschnittsalter des “Bautrupps” der Spieler, die noch abgegeben werden sollen: 28,6 Jahre

Durchschnittsalter der schon feststehenden Abgänge: 24,0 Jahre.

Zur letzteren Zahl gehört der Abgang von Mitchell Weiser, der mit 18 Jahren zu Bayern München geht um ein paar Mal mit Robben zu trainieren und ansonsten nach ein bis zwei Jahren vierter Liga nach Nürnberg verliehen wird.

Der Umbruch hat also, vorbehaltlich der erhofften Abgänge, definitiv stattgefunden. Guckt man sich den Kader an, ergeben sich rein altersbedingt in näherer Zukunft nur Baustellen beim Ersatz von Kevin McKenna und mittelfristig den Außenverteidigern Brecko und Eichner. Alle anderen Spieler stehen in der Blüte oder kurz bis weit davor.

All das sagt natürlich nichts über die Spieler aus. Abgesehen von Lehmann und Maroh, die ich für absolut solide Zweitligaspieler halte, kenne ich unsere Neuzugänge kaum, was auch für die Aufrücker aus der U21 gilt. Gerade im Sturm sehe ich eine Lücke von gestandenen Spielern – die Hoffnungen lasten auf einem seit Jahren abbauenden Tese, einem soliden Bröker und den beiden unbestrittenen Talenten Przybylko und Ishak. Wir werden sehen, ob das für Liga 2 reicht.

Ich bin froh, dass der direkte Wiederaufstieg nicht die erste Priorität besitzt. Ein zusammengekauftes Team von Stinkstiefeln kann schnell aufsteigen, ist aber auch bald wieder unten. Der Anspruch des 1. FC Köln muss die erste Liga sein, aber um jeden Preis will ich sie auch nicht. Eine Saison die auf dem 8. Platz im Unterhaus endet kann definitiv nicht deprimierender sein als die letzte Rückrunde. Erst Recht, wenn Stanislawski es schafft, Leute wie Schnellhardt, Buchtmann und Horn so einzubauen, dass sie einlösen, was man sich seit einiger Zeit von ihnen verspricht.

Weil ich es nicht in jeden Onlineartikel und jeden Blogpost kommentieren möchte, fasse ich hier mal zusammen, was meines Erachtens das Problem der Berichterstattung über das gestrige Skandalspiel (Boulevard-Vokabel, trifft es dennoch) ist.

In der Rückschau werden unterschiedliche Dinge zu einem Phänomen vermischt. Alles wird unter das Label “Fangewalt” gedrückt. Darum geht es aber nicht. Wir haben folgende Sachverhalte, die das Spiel zum “Skandalspiel” machten:

  • 1. Exzessiver Einsatz von Pyrotechnik. “Emotionen respektieren” fordern die Ultras. Emotionen heißt offenbar, dass Hertha-Fans mit brennenden Fackeln nach Ordnern, Polizisten und Spielern werfen und dass Düsseldorfer genau solche Fackeln auf die untere Tribüne schmeißen. Das sind keine Emotionen, das ist versuchte schwere Körperverletzung und moralisch nicht von einer Prügelei mit Baseballschlägern zu unterscheiden.
  • 2. Der zu frühe Platzsturm. Ich habe mir die Szenen noch mehrere Male angeguckt, ich kann dort beim besten Willen keine Gewalt erkennen. Ich sehe pure Freude von Leuten, die aufgrund von Testosteron, Alkohol oder nicht-akuter Dummheit einen Abpfiff erkannt haben, den es nicht gab. Keiner von denen wollte irgendeinem Spieler schaden, da bin ich mir relativ sicher. Und die meisten werden sich dafür heute auch schämen. Insbesondere der nun deutschlandweit bekannte Idiot, der den Elfmeterpunkt ausgegraben hat. Ist der eigentlich auf irgendeiner Boulevard-Titelseite?

 

Ein Platzsturm kann unterschiedliche Gründe haben. Als die Hertha vor zwei Jahren abstieg, war der Platzsturm eine Demonstration purer Gewalt. Dieser Platzsturm, den man aus Gründen konstruktivistischer Weitsicht eigentlich anders nennen sollte, war eine (äußerst dumme) Demonstration von Freude. Er hätte nicht passieren dürfen, und Fortuna Düsseldorf wird zu Recht einen hohen Preis dafür zahlen müssen. Ihn als Beispiel in der Fangewalt-Debatte anzuführen ist aber grundfalsch.

Ganz ehrlich

Mai 8th, 2012

So ein hemmungslos überflüssiger und verdienter Abstieg schreit nach einem harten Umbruch. Nicht nur im Kader, sondern in der Herangehensweise. Mir ist es lieber mit reduzierten Verbindlichkeiten Leuten wie Horn, Schnellhardt und Buchtmann ein paar Jahre zu geben als mit Idrissou, Proschwitz und 35 Millionen Schulden wieder hochzugehen.

Dafür ist mir der Verein im Moment zu egal.

Sternstunden des Web 2.0

April 25th, 2012

Seit knapp einem Jahr bin ich regelmäßiger (2 mal die Minute, ca.) Besucher der Seite reddit, die weder mit dem Begriff Forum noch “News-Aggregator” richtig beschrieben ist. Dort gibt es ein Subreddit (Unterforum) für Fußball, und dieses Highlight aus dem Matchthread des gestrigen Champions League-Spiels möchte ich auch Nichtusern nicht vorenthalten.

Hässlicher Screenshot nach dem Klick

Sandhausen: Eine Einführung

April 23rd, 2012

Im Sommer 2003 habe ich meine Freundin kennengelernt. Auf die Frage, wo sie herkommt, sagte sie “Sandhausen. Bei Heidelberg. Die haben mal den VfB Stuttgart aus dem DFB-Pokal geschmissen”. Nun war das der Herbst meiner fußballlosen Zeit, aber irgendeine Erinnerung klimperte da schon in meinem Hinterkopf. Erstligablamagen gegen Amateurclubs bleiben halt doch im Gedächtnis.

Nun, fast neun Jahre (huiuiui) später wohne ich selbst über Umwege in der Gegend. Auf dem Weg zur Uni fahre ich täglich am Hardtwaldstadion vorbei, mit dem Fahrrad brauche ich von meiner Haustür fünf Minuten. Und am Samstag ist der Verein in die zweite Liga aufgestiegen und scheint zur Chiffre für Zweitligaprovinzialität werden, die bis vor einem Jahr Paderborn war. Drum: Eine Einführung in das Phänomen SV Sandhausen von einem, der immerhin schon in der Oberliga zu Besuch war.

Der Ort

Sandhausen, das sollte man mittlerweile wissen, liegt in der Nähe von Heidelberg. In meiner Headergrafik ist es als “Santhausen” eingezeichnet (im Gegensatz zu meinem Wohnort Walldorf und auch Hoffenheim). Früher bekannt für seinen Tabak- und Hopfenanbau (der heute noch zur Folklore gehört), ist es heute ein klassisches Speckgürteldorf, von dem aus jeden Morgen die Kombi-Kolonnen nach Heidelberg, Mannheim und zum SAP-Campus rollen. Zwei REWE-Märkte, viele Geländewagen die noch nie Schlamm gesehen haben. Alte Menschen, die man als Mensch “aus dem Norden” (oberhalb von Frankfurt) vor Dialekt kaum versteht, einzelne Studenten, die sich die horrenden Heidelberger Mieten nicht leisten können oder wollen, viele (VIELE) Familien. Man kann es schon so sagen: Sandhausen als Ort ist ziemlich langweilig. Aber drumherum ist es schön: Zwei große alte Dünen sind zum Spazierengehen lohnenswert, eine davon ist fußläufig vom Stadion zu erreichen und wirklich einen Blick wert. Aber genug davon.

Der Verein

Man kann es ja nochmal sagen: Hinter dem SV Sandhausen steckt kein Mini-Hopp, sondern nur ein Jürgen Machmeier, Bauunternehmer, der den Verein seit 13 Jahren solide führt – und springt für ein halbes Jahr auch mal als Trikotsponsor ein, wenn sonst keiner gefunden wird. Bis zum letzten Jahr warb der Puffreisschokoladenhersteller Nippon auf den Trikots, danach spielte man bis zur Winterpause sponsorenlos. Unangenehm, aber hübsch. In der zweiten Liga wird sich sicher ein anderer Sponsor finden lassen. Capri-Sonne ist um die Ecke, das wäre doch nett.

Das Stadion

Als ich 2004 das erste Mal das Hardtwaldstadion besuchte, war niemand da. An einem Werktagvormittag spazierte ich hin, um es mir anzugucken. Nirgendwo waren verschlossene Tore oder Absperrungen, man konnte einfach auf die Haupttribüne gehen, auch der Rasen wäre begehbar gewesen. Nach dem “Aufstieg” in die Dritte Liga wurde das Stadion den Lizenzbedingungen angepasst und an der Südseite des Feldes erstmals eine Tribüne errichtet, Sitzplätze als schnell abbaubare Stahlrohrkonstruktion. Ansonsten besteht das Stadion bislang in erster Linie aus Stehplätzen und einer Ehrentribüne. Der Umbau im Sommer wird sicher kommen, ich bin gespannt, wie es am Ende aussieht. In jedem Fall ist das Hardtwaldstadion ein echtes Schmuckstück. Mit einem Regenschirm könnte man vom eigenen Sitz aus Spieler pieksen, die Ecken schießen, hinter den Zäunen erheben sich die Kiefern des Waldes, die Imbissrentner sind freundlich. Es ist klein, aber es ist schön.

Der Trainer

Gerd Dais ist ein besonderer Trainer. Allein schon deswegen, weil er mittlerweile drei Mal Trainer in Sandhausen war. In fünf Jahren zwischen 2005 und 2010 brachte er den Club aus der Oberliga in die Regionalliga Süd, machte ihn dort direkt nach dem Aufstieg zum Herbstmeister und etablierte ihn in der neuetablierten Dritten Liga. Und wurde dann im Februar 2010 wegen Erfolglosigkeit entlassen – als noch keiner ahnte, dass es noch erfolgloser geht. Diesen Beweis erbrachten Frank Leicht und Pavel Dotchev, so dass Dais ziemlich genau ein Jahr nach seiner Entlassung zurückkam.

Der Kader

Der SV Sandhausen sucht sich seine Spieler bevorzugt aus der Region und von den U23-Mannschaften von Erstligisten. Die Leistungsträger Julian Schauerte, Marcel Kandziora und Marco Pischorn kamen aus Leverkusen, Dortmund und Stuttgart und wurden in Sandhausen Stammspieler. Der Außenstürmer Danny Blum, aktueller U20-Nationalspieler, durchlief die Jugendzentren von Kaiserslautern und Schalke. Der andere Kaderpfeiler liegt auf bewährten Spielern aus der zweiten und dritten Liga, die meist zur großen Transferoffensive der Saison 2010/11 verpflichtet wurden. Da wäre Regis Dorn, der prompt Torschützenkönig wurde, heute aber eher als Joker eingesetzt wird, David Ulm, der als laufstarker Zehner sicher seinen Weg in Liga 2 gehen wird und Torwart Daniel Ischdonat, der eigentlich als Torwarttrainer geholt wurde und dann doch wieder auf den Platz ging. Und dann wäre da noch Publikumsliebling Roberto Pinto, der nach Stationen beim VfB Stuttgart, Hertha BSC und Grasshopper Club Zürich schon 2008 in Sandhausen landete und hier immer noch eine wichtige Rolle spielt.
Das Team ist ziemlich jung. Das Durchschnittsalter des Kaders beträgt 25,9 Jahre, ohne Ischdonat, Pinto und Dorn ist es ein Jahr weniger. Mit diesem Altersschnitt befindet man sich im Drittligamittelfeld, in der zweiten Liga sieht es ähnlich aus.

Der Fußball

Dais lässt keinen berauschenden Fußball spielen. Nach einigen Umstellungen ist er derzeit bei einem 4-1-4-1-System angekommen, das je nach Situation zu einem 4-2-3-1 wird. Der Fokus liegt auf der starken Abwehr, Offensivfeuerwerke sieht man eher selten.
Die Innenverteidigung Pischorn/Schulz gehörte in der aktuellen Saison zu den besten der Dritten Liga – kopfball- und zweikampfstark, allerdings nicht übermäßig schnell. Dies führte dazu, dass die Viererabwehr eher selten aufrückte, wobei die Außenverteidiger zumindest bis hinter die Mittellinie gingen. Der Spielaufbau lief meist über den Sechser, der dann im Mittelfeld direkt vier Anspielstationen hatte. Frank Löning als einziger Stürmer ließ sich gleichzeitig oft zurückfallen, wodurch die beiden Außenbahnspieler zu Stürmern wurden. Das Spiel des SV Sandhausen ist unaufgeregt, aber schlecht berechenbar. 15 verschiedene Torschützen in dieser Saison zeigen das sehr anschaulich.

Topspieler

Ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass es für Sandhausen wahrscheinlich ein einjähriges Gastspiel bleiben wird. Und dass danach einige Spieler oben bleiben, bei anderen Vereinen. Darum hier meine Tipps für Spieler, die man sich aus auch als kicker-Manager zur nächsten Saison kaufen kann:

Marco Pischorn: Groß, zweikampfstark, torgefährlich. Unumstrittener Stammspieler, der fast nie Fehler macht.

David Ulm: Ein unfassbares Laufwunder. Solchen Einsatz habe ich ansonsten im Stadion bislang nur von Ivica Olic und Kevin Großkreutz erlebt, dabei ist er stets anspielbar, spielt gute Pässe, schießt gute Standards und schießt Tore. Und holt mehrmals pro Spiel schon vor der Mittellinie verlorene Bälle selbst zurück. Eigentlich schon jetzt zu gut für die Dritte Liga.

Danny Blum: Einer zum Verzweifeln. Zeigt alle Ansätze um der beste Fußballer des Vereins zu sein, ist schnell, hat eine gute Technik und ist durchsetzungsfähig. Aber zum richtigen Durchbruch hat es noch nicht gereicht. Nächste Saison könnte es durchaus so weit sein.

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