Sportteil

DFL-Restriktionen

Oktober 27th, 2010

szmobi
Die Einzelbewertungen der Bayern-Spieler in der SZ sind schnell und meist lesenswert, weil sie schreiberisches Können mit Fußballsachverstand kreuzen, was ja nicht so selbstverständlich ist. Was das hier gestern allerdings war, da bin ich noch unschlüssig. Und vor allem: Ob ich mich mit früheren SZ-online-Besuchen tatsächlich schon “den DFL-Restriktionen gefügt” habe. Das möchte ich nämlich eigentlich nicht. Und was hat die DFL mit dem DFB-Pokal zu tun?

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Mach’s gut, Faryd

Oktober 15th, 2010

Ich behaupte jetzt einfach mal: Im Jahr 2011 spielt Faryd Mondragon nicht mehr beim 1. FC Köln, sondern mutmaßlich in der MLS in den USA. Die Abwanderungszeichen sind eindeutig und werden immer offenkunder.

Zunächst war es so, dass Mondragons Leistungen in dieser Saison immer weniger nach Kahn, sondern mehr nach Oka Nikolov aussahen. Die Statur und Präsenz ist noch da, einen Unhaltbaren hat er aber noch nicht rausgefischt in dieser Saison – einige Tore kann man ihm direkt ankreiden, die nicht nur mit Konzentrationsmängeln zu tun haben wie sie jeder Profi mal hat, sondern mit strukturellen Defiziten. Mangelndem Spielverständnis (so beim 1:0 von Mainz), mangelnder Schnelligkeit (so beim 2:0 von Mainz) und mangelndem Willen (so beim 1:1 von Hoffenheim). Das ist auch völlig natürlich, denn Mondragon ist immerhin 39 Jahre alt, wenn er seinen Vertrag doch erfüllt wird er an dessen Ende 40 Jahre alt sein und 21 Jahre lang Profifußball betrieben haben. Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Doch darum darf es ja jetzt nun wirklich nicht gehen – immerhin ist Köln virtuell Tabellenletzter.

So ist jedenfalls die Rückendeckung für Mondragon schon gesunken. Und nun, in einem vorvorletzten Akt von unnötiger Problemmache, hat Mondragon die Einladung angenommen, noch einmal für zwei unwichtige Freundschaftsspiele zur kolumbianischen Nationalmannschaft zu reisen. Mit allem was dazugehört: Spiele, Training, lange Flüge, Zeitzonen. Mit fast 40. Kein Wunder, dass man das in Köln nicht so gut findet – zumal andere Spieler wie Adam Matuschyk (der mit Polen gegen die USA sein erstes Länderspieltor erzielte und anscheinend derzeit in Topform ist) auf das Mittwochsspiel verzichteten, um am Freitag fit zu sein. Matuschyk ist 18 Jahre jünger als Mondragon, er könnte sein Sohn sein.

Nun meldet der Express den vorletzten Akt unnötiger Eskalation: Nachdem Mondragon von Zvonimir Soldo völlig zu Recht mitgeteilt bekam, dass am heutigen Freitag Miro Varvodic gegen Dortmund sein erstes Bundesligaspiel machen wird, reiste er auf eigene Faust ab. Verließ das Hotel, ist auf dem Handy nicht erreichbar. Ein Verhalten, das Kevin Kuranyi letztlich die Nationalmannschaft kostete und das mit einer Geldstrafe kaum erledigt sein dürfte. Faryd Mondragon hat die Machtprobe gesucht und verloren, und das vielleicht sogar mit Absicht. In den USA dürfte er mehr verdienen als in Köln und wäre näher an der Heimat. So ein Abschied wäre schade für einen, der sich definitiv verdient gemacht hat. Aber eigentlich ist er nicht mehr zu verhindern.

Bliebe nur die Frage, wie man das dann entstehende Torwartproblem löst. Von Miro Varvodic haben wir alle bislang kaum etwas gesehen, in Erinnerung geblieben ist mir, dass er bei einem Hallenturnier vor eineinhalb Jahren mal ziemlich spektakulär flog. Mehr ist da nicht. Man wird sehen. Immerhin hat er schon 11 Spiele für Hajduk Split absolviert, der Druck eines engen und lauten Stadions dürfte ihm also geläufig sein. Das heutige Spiel dürfte in dieser Hinsicht einiges entscheiden. Patzt Varvodic, sehe ich schon qualmende Reifen auf der A3 nach Köln, weil Rensing aufs Gaspedal drückt. Hält Varvodic solide, dürfte er zumindest bis zum Winter seine Chance kriegen. Dann könnte man weiter überlegen: Kessler kann im Sommer aus Hamburg zurückkommen, wo er bisher durchaus gut spielt. Also könnte man seinerseits einen Torhüter ausleihen. Spontan fiele mir da Oliver Baumann vom SC Freiburg ein, dazu mit Markus Miller und Jaroslav Drobny zwei, deren Anspruch nicht ist, auf der Bank zu sitzen. Grundsätzlich halte ich diese Optionen aber alle für unrealistisch. Und nicht ganz irrelevant für diese Frage ist ja auch, wer dann Trainer in Köln ist. Mit Soldo rechne ich da nicht.

Wunschzettel

September 22nd, 2010

Was nerven mich die Leute, die unter jeden Facebook-Beitrag des 1. FC Köln nur Dinge wie “SOLDO RAUS!!1” oder “DIE EINZIGEN DENEN DER VEREIN WICHTIG IST SIND WIR FANS! UND UNS ZIEHT MAN DAS GELD AUS DER TASCHE! MIT DEM KLEINEN MANN KANN MANS JA MACHEN!” schreiben. Sie begründen meine Hassliebe zu diesem Verein, und wegen ihnen ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass ich bald mal wieder aus dem Rheinland wegziehe.

Das Problem: Sie haben auch irgendwo Recht. Zumindest mit dem ersten Punkt. Zvonimir Soldo hatte nun 14 Monate und eine Menge Spieler Zeit, um irgendeine Art von Fußballspiel aufzuziehen. Und dann sind wir so weit, dass wir ein ermauertes 0:0 gegen Bayern München als Fortschritt ansehen sollen. Sicher, Brecko und Freis hatten zwei riesige Chancen, das ganze sogar zu einem Sieg zu machen. Aber: Das waren doch auch eher Zufälle. Dass Brecko wendig genug ist einen van Buyten mit hohem Tempo blöd aussehen zu lassen war vorher auch schon klar. Genauso auch, dass Freis statt querzulegen lieber volle Lotte auf Butt holzt.

Derzeit stehen Mannschaften vorne in der Tabelle, die dort im Winter wohl nicht mehr sein werden. Aber die jetzt gerade den Vorteil gegenüber hochbezahlten Topspielern haben, nicht nur fit zu sein sondern auch eine Spielidee zu haben. Die genauso reagieren können wie sie auch agieren. Mainz spielt einen Fußball, wie man ihn sich in Denkerstübchen ausmalen kann. Aber sie spielen ihn. Auf dem Platz.

In Köln wird nur reagiert. Dass Geromel ein überragender Innenverteidiger ist, wissen wir. Genau das selbe mit Mohamad. Drumherum wird improvisiert. Ehret, der schlechter wird, je defensiver er aufgestellt wird. Brecko, der taktisch ungefähr das Niveau für den FSV Frankfurt hat. Und eine abstruse Häufung an defensiven Mittelfeldspielern. Petit, Matuschyk, Lanig, Jajalo und Pezzoni haben den Anspruch zu spielen, Yabo soll ans Team herangeführt werden, bei Clemens passiert das grade. Und davor hockt der hochgelobte Taner Yalcin und bekommt keine Bälle zum Verteilen.

Jeder einzelne Verein, den ich in dieser Saison bisher gesehen habe, hat eine wie auch immer geartete Vorstellung vom Fußballspielen. Auch Schalke, auch Wolfsburg, auch Nürnberg. Nur der 1. FC Köln nicht. Und deswegen muss Zvonimir Soldo gehen. Nur auf die überragende zentrale Defensive zu bauen, hilft auf Dauer nicht. Zumal, wenn man mit sieben defensiven Spielern aufs Feld geht. Und wenn man zur Halbzeit ein Signal setzt, indem man für einen zentralen und einen offensiven Mittelfeldspieler zwei Sechser einwechselt. Ja, gehts denn noch.

Wir brauchen einen Neuanfang. Jemanden, der Spielzüge trainiert. Der Spielern sagen kann, was ihre genaue Aufgabe auf dem Platz ist. Der ihnen beibringt, mehr als drei Ballkontakte nacheinander in Richtung des gegnerischen Tores zu bringen. Ich bin mir sicher: Vom Spielermaterial her gehört der 1. FC Köln zu den Top 12 der Liga. Aber das alleine reicht halt nicht.

Debütantenball

Juli 10th, 2010

Vor drei Jahren habe ich mich hier einmal wahnsinnig in die Nesseln gesetzt mit einer Prognose, wer demnächst in der Nationalmannschaft debütiert. Ich verlinke das aus Selbstschutzgründen nicht, aber ich verrate: Ich erwähnte Andreas Wolf und Marc Stein.

Nun ist die Weltmeisterschaft 2010 für die deutsche Nationalmannschaft vorbei, und ich wage einen neuen Anlauf. Dieses Mal nicht aus dem Bauch heraus, sondern von der Frage geleitet, wo die Mannschaft bis zur EM 2012 noch Verbesserungspotenzial besitzt.

Tor:

Gut, Jörg Butt wird nach dieser WM wohl seine Nationalmannschaftskarriere beenden. Dennoch ist hier keine Not am Mann. Manuel Neuer, Tim Wiese und RenĂ© Adler werden gesetzt sein, und jeder von ihnen wäre eine sportlich taugliche Nummer 1. Was für ein Luxusproblem.

Abwehr:

Man muss in Zukunft nicht mehr unbedingt mit Arne Friedrich rechnen, trotz seiner überragenden WM. Man darf davon ausgehen, dass ein neuer Innenverteidiger neben Per Mertesacker gesucht wird. Und da drängen sich eine Menge Kandidaten auf. Mats Hummels durfte reinschnuppern, Heiko Westermann wird von Löw geschätzt, Christoph Metzelder könnte unter Magath nochmal aufblühen. Aber es gibt vielversprechenden Nachwuchs:

  • Benedikt Höwedes: Einer, wie in jeder Trainer gerne hätte. Hinten solide, bei Standards vorne torgefährlich, beidfüßig, flexibel. Bei Schalke und in der U21 hat er schon alle Positionen in der Viererkette gespielt. Einer, der in die Löw-Schule passt: Im Ton zurückhaltend, im Spiel fair, aber kompromisslos. Könnte schon in einem Monat gegen Dänemark im Kader stehen
  • Dennis Diekmeier: Einer, der gemessen an seinen Spielen, erstmal unter dem Radar laufen dürfte, weil er noch Fehler macht. Das darf er, er ist erst 20. Dennoch kein Zufall, dass Wolfsburg und der HSV schon viel Geld für ihn geboten haben und dass er jetzt, glaubt man den Gerüchten, nach Bologna wechselt. Offensiv denkend, hinten mit allen Anlagen in Zweikampfstärke und körperlicher Präsenz. Macht er den nächsten Schritt, könnte er 2011 ins Blickfeld rücken.
  • Marcel Schmelzer: Wer es bei der WM nicht gesehen hat: Die deutsche Nationalmannschaft hat ein Linksverteidigerproblem. Aogo überfordert, Badstuber eigentlich zentral besser aufgehoben, Jansen vorne links deutlich besser, Boateng halt ein Rechtsfuß. Marcel Schmelzer hat beim BVB den Dortmunder Liebling DĂ©dĂ© verdrängt, und das zu Recht. Defensiv mittlerweile so solide wie ein alter Hase, nach vorne noch zu hastig. In der Nationalmannschaft hätte er Lukas Podolski vor sich, da ist eine Absicherung nicht unwichtig. Könnte bei Bestätigung seiner Leistungen den Platz Aogos einnehmen

 

Mittelfeld:

Im Mittelfeld ist die Frage der Re-Integration Ballacks vorrangig spannend. Man muss sich das mal vorstellen: Das WM-Mittelfeld war im Durchschnitt nicht einmal 23 Jahre alt. Was soll da noch kommen? Zumal auf der 6 mit Ballack, Rolfes und Träsch noch drei Kandidaten aus der Verletzungspause zurückkommen? Trotzdem gibt es auch hier Kandidaten

  • Sven Bender: Allenthalben wurde in den ersten Berichten über die Bender-Zwillinge durchklingen gelassen, Lars wäre der etwas talentiertere Bruder. Deswegen wechselte er auch für 2,5 Mio Euro nach Leverkusen, während Sven schnöde mit Antonio Rukavina verrechnet wurde. Lars spielte in seiner ersten Erstligasaison 737 Minuten, wurde 14 Mal eingewechselt. Sven, “der Kleine”, spielte doppelt so lang, so dass mir BVB-Fans überrascht berichteten, dass sie Sebastian Kehl auf der 6 neben Nuri Sahin kaum vermissten. Wie Stefan Reinartz ein kompromissloser Abräumer. Spätestens nach Ballacks Karriereende ein sinnvoller Partner für Schweinsteiger
  • Timo Gebhart: Mit diesem jungen Mann hatte ich lange ein Problem. In der U19 sah ich ihn das erste Mal, da war er ein überragender Techniker ohne Sinn für irgendeinen Mannschaftsdienst. Einer der am Ball alles konnte, aber ohne Ball nichts, der nie den besser stehenden Mitspieler sah. Das legt sich in Stuttgart langsam, Trainer Gross dürfte es ihm (bildlich gesprochen) rausprügeln. Auf der Außenbahn ein Kandidat als Abwehrblockausdribbler.
  • Marco Reus: Keine besonders risikoreiche Wahl: Er sollte schon im Länderspiel gegen Malta debütieren, musste aber verletzungsbedingt absagen. Ein beidfüßiger, schneller, torgefährlicher Flügelspieler, den Gladbach, wie man einfach mal sagen muss, wirklich gut gescoutet und für wenig Geld verpflichtet hat. Wie Höwedes vielleicht schon in einem Monat dabei.

Angriff:

Vielleicht bin ich der einzige, der das so sieht, aber: Deutschland hat im Nachwuchsbereich ein Sturmproblem. Das Problem ist so groß, dass Sandro Wagner bei der letztjährigen U21-EM einziger ernstzunehmender Stürmer war. Richard Sukuta-Pasu, als großes Talent gehandelt, ist bei seiner Leihstation St. Pauli auch nur Joker. Ein Turnier lang dürfte es mit Klose noch laufen, danach müssen es Gomez, Kießling, Cacau und Podolski richten. Ob Helmes noch einmal auf sein Top-Niveau kommt, bezweifle ich leider, leider ein bisschen. Und nur einer von den genannten ist wirklich kopfballstark. Es fehlt an spielerischer Variabilität. Allerdings habe ich meine Zweifel, dass sich dort derzeit jemand anbietet. Deswegen nur im Schnelldurchlauf:

  • Julian Schieber hat sehr gute Ansätze gezeigt und hat jetzt ein Jahr Zeit, diese als Stammspieler beim 1. FC Nürnberg zu bestätigen. Möglich ist das, zwingend keineswegs. AndrĂ© Schürrle hat eine gute erste Profisaison bei einer weit über ihren Möglichkeiten spielenden Mainzer Mannschaft gespielt, hat allerdings trotzdem nur fünf Tore erzielt. Richard Sukuta-Pasu hat man seit Jahren für später auf dem Zettel, dafür müsste er aber bei St. Pauli wie gesagt langsam mal den Durchbruch schaffen. Sandro Wagner durfte in den U-Mannschaften spielen und sich jetzt bei Werder Bremen beweisen, ist aber eigentlich zu staksig und technisch schwach, zudem werden ihm (ohne Gewähr!) charakterliche Defizite nachgesagt. Savio wurde für viel Geld in Europa herumgereicht und ist jetzt erstmal bei 1860 München gestrandet. Hoffen wir, dass er dort mal endlich Qualitäten nachweisen kann.

Caceres de Oro

Juli 7th, 2010

Finale. Wahnsinn. Hätte man das Oranje vor dem Turnier zugetraut? Immer als Geheimfavorit dargestellt, aber die Abwehr, die Abwehr! Na klar, ein leichterer Weg ins Finale als zum Beispiel Deutschland, aber wer erinnert sich da noch dran, wenn es geschafft ist? Wer beschwert sich über Paraguay, die USA und Südkorea, wenn er als Deutscher an 2002 denkt? Und war Brasilien mit Spanien nicht DER WM-Favorit, erst Recht nach der Gruppenphase, als man zu Lobgesängen auf das neue, nüchterne, gar nicht sambaeske Spiel hingerissen wurde?

Gegen Uruguay sollte es schwer werden, schwerer als die Namen es verlauten lassen, aber die sind nicht umsonst ins Halbfinale gekommen. Vorne mit Forlan einer der ganz wenigen, die ihre WM-Vorschusslorbeeren gerechtfertigt haben. Der erste seit Lothar Matthäus 1990, der in einem Turnier drei Treffer von außerhalb des Strafraums erzielte. Dazu eine wahnsinnig gut eingestellte Defensive und Laufbereitschaft wie man sie sonst bei keiner Turniermannschaft gesehen hat.

Dementsprechend wurde es knapp, richtig knapp. Und man muss wieder die Frage stellen, warum der holländische Spielfluss nicht zustande kommt. Alles lief über links, wo Kuyt alles beackerte was grün oder himmelblau war. Robben war immer wieder im Zentrum zu finden, wo ihm mindestens fünf Gegenspieler auf den Füßen standen. Robin van Persie war nahezu nie anspielbar, und wenn, verlor er sich schnell im Klein-Klein mit den Innenverteidigern. So musste es das meiner Meinung nach schönste Solisten-WM-Tor bislang richten: Giovanni van Bronckhorst, der seine internationale Karriere am Sonntag würdig beenden wird, haute das Ding aus über 30 Metern so präzise in den Winkel, dass der Ball, wäre er 3, 4 Zentimeter weiter rechts angekommen, wieder aufs Feld zurückgesprungen wäre. Besser geht so ein Schuss nicht, und der Torwart der den hält muss erst noch erfunden werden.

Trotzdem wurde es nicht besser, sogar eher schlimmer. Im falschen Ehrgeiz für offensive Überzahl zu sorgen versuchte Heitinga den einen oder anderen Vormarsch und zeigte dabei, dass nicht jeder Holländer dribbeln kann. Und dementsprechend kam es wie es musste, Forlan bekam den Ball, eine Lücke tat sich auf, Schuss, Jabulani, Tor. Stekelenburg sah saublöd aus bei dem Treffer, kann sich aber meiner Meinung nach durchaus auf die wirre Flugbahn dieses Balles berufen.

Zur zweiten Hälfte hatte ich Hoffnung, dass van Marwijk wie gegen Brasilien die richtigen Impulse setzt. Es passierte aber nichts. Außer dass Zeeuw, niedergestreckt von einem uruguayischen Fallrückzieher, in der Kabine bleiben musste. Für ihn kam van der Vaart, der wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Profikarriere (lasse mich gerne eines besseren belehren) auf der Sechs spielen musste. Das bedeutete: Mehr Offensive, weniger Sicherheit bei Kontern. Trotzdem kam Uruguay kaum zu guten Chancen, mal von einem guten Freistoß durch Forlan (wen sonst) abgesehen. So reichte Sneijder ein abgefälschter Ball, bei dem der knapp abseits stehende van Persie klar ins Spiel eingriff ohne den Ball zu berühren, um Holland wieder in Führung zu bringen. Ein ganz merkwürdiges Tor, dass wir in unserer Runde erst nach einer halben Minute zu feiern begannen weil wir (und die Bildregie) sicher waren, dass es mit Freistoß Uruguay weiterginge.

Das 3:1 war umso schöner, und wieder gilt die Weisheit: Wer sich ein Kopfballtor von Arjen Robben einfängt, hat das WM-Finale nicht verdient.

Über die Nachspielzeit lässt sich wenig sagen. Ein Anschlusstreffer, der an das 1:0 Italiens gegen Deutschland 2006 erinnerte, ein abstrus lange nachspielender (und allgemein in dem Spiel nicht ganz sicherer) Schiedsrichter, eine letzte Druckphase Uruguays. Solche Szenen sehen immer dramatischer aus als sie sind – die hintenliegende Mannschaft nimmt alle Feldspieler mit nach vorne, die führende steht im Strafraum – da ist so wenig Raum, das selten etwas passiert, auch wenn der Ball eben im Strafraum ist.. aber sag das mal mir, wenn ich vor dem Fernseher klebe und mein Team kurz vor dem WM-FINALEINZUG!!! steht.

Jetzt geht es gegen Spanien oder Deutschland. Und ab heute abend könnte ich mich in einer ganz ganz großen Zwickmühle befinden. Für wen bin ich, wenn es um den WM-Titel geht, wenn Deutschland und die Niederlande aufeinandertreffen? Ich weiß es nicht. Ich werde mir tagelang den Kopf zerbrechen. Falls nicht doch Spanien heute gewinnt – zu diesem Spiel maße ich mir keinen Tipp an. War bei England und Spanien genauso, damit bin ich gut gefahren. Scheiß auf Oktopusse.

WM-Finale. Mindestens eine meiner Mannschaften. Allen drei noch im Turnier befindlichen Mannschaften gönne ich es. Es könnte wahrlich schlimmere Turniere geben.

Ich pflege gerne zu sagen, dass man an nichts so gut fehlenden Fußballsachverstand erkennt wie daran, wenn jemand Mario Gomez als Nichtskönner abstempelt, sozusagen als Carsten Jancker des Jahres 2010. Doch es gibt auch eine ähnliche Indikationsmöglichkeit: Der holländischen Nationalmannschaft eine bislang eher schlechte WM zu bescheinigen.

Natürlich sind die Ergebnisse nicht von der Strahlkraft eines 4:1 gegen England oder 7:0 gegen Nordkorea. Dennoch macht  das Team bisher alles richtig. Denn gegen Gegner der Klasse Japan, Dänemark, Kamerun und Slowakei auf die volle Leistungsfähigkeit zu gehen, wäre ein schon viel zu oft begangener Fehler. Man erinnere sich nur an die überwältigen Auftritte in der EM-Vorrunde und den darauf folgenden Absturz. Die Kräfte werden dosiert eingesetzt, ein Arjen Robben nicht fitgespritzt, sondern behutsam ans Team herangeführt, der Fokus auf die als unsicher geltende Defensive gesetzt.

Überhaupt diese Defensive. Zwei Gegentore bisher, beide nach Elfmetern. Und auch wenn die Viererkette nicht immer sicher wirkt: Davor spielen Nigel de Jong aber vor allem Mark van Bommel das beste Turnier ihrer Karriere. Man kann jetzt auch nach Schweinsteiger rufen, nach Xabi Alonso und Veron, aber ich sage: van Bommel ist auf dieser Position bei dieser WM der Beste. Das liegt natürlich auch daran, dass er nicht den großen Spielgestalter machen muss, aber selbst das sichere, kreative Passspiel hat er sich auf seine alten Tage noch angewöhnt.

So schießt die Elftal nicht mehr wie früher einfach mehr Tore, als sie sich fängt, sie gewinnt dosiert und spart dadurch Kraft, die sie gegen Brasilien sicher brauchen wird. Dort wird es spannend zu sehen, wie die Defensive mit den neuen, viel besseren Gegenspielern umgehen wird. Ob man mit den entweder nicht ganz sicheren (van der Wiel) und langsamen (van Bronckhorst) Außenverteidigern schnelles Flügelspiel über Robinho und Elano (bzw. Alves) verhindern kann.

Andererseits ist Arjen Robben wieder fit. Und hat, bei aller Liebe, mit Bastos nicht den Weltklasselinksverteidiger vor der Brust. Robbens Hereinnahme bietet neue taktische Möglichkeiten, zu denen leider auch gehören muss, Robin van Persie auf der Bank zu lassen. Der hat nämlich eine ganz bittere Seuche am Fuß, am Kopf, in den Laufwegen. Und meint dann noch, sich bei Auswechslungen beschweren zu können. So darf es jedenfalls nicht weitergehen.

Meine Wunschaufstellung:

——————–Kuyt———————
—-Sneijder—–van der Vaart—–Robben—-
———–van Bommel——de Jong———–
-Bronckhorst-Mathijsen-Heitinga-van der Wiel-
—————-Stekelenburg—————–

Japan – Paraguay

Juni 29th, 2010

Was für ein schlimmes, schlimmes Spiel. Zum Glück geguckt mit Freunden des ungepflegten Wortspiels. Darum hier das Ergebnis unserer Spielbegleitbeschäftigung: Fußballer mit Automarkennamen

  • Marco Roll’s Reus
  • Gonzalo Tiguan
  • Isaac Corsah
  • Seat Salihovic
  • Renault Domenech
  • Jared Bugatti
  • Golf-Christel Guie-Mien
  • Aston Martin Demichelis
  • Richard Toyota-Pasu
  • Richard Sukuta-Passat
  • Michael “Suzuki” Zorc
  • Alfa Romeo Castelen
  • Twingo Anderbrügge
  • Christian Panda
  • Danny Mazda
  • Cayenne Robben
  • Phaeton Toski
  • Skoda Antar
  • Miro Volvodic
  • Ali Daewoo
  • Ali Hyundaei

Does it offend you, Kjaer?

Juni 15th, 2010

Das gestrige Spiel habe ich in der Öffentlichkeit geguckt, am Kaiserplatz in Bonn. Um mich herum ein Fachmann (in der 1. Hälfte) und ein paar Holländer. Es war nett. Das Spiel eigentlich auch.

Das Problem: Nach dem (beeindruckend souveränen) 4:0 Deutschlands und den guten Vorbereitungsergebnissen erwartete jeder von der Elftal eine furiose Zaubervorstellung mit mindestens fünf Toren. Doch dafür sind die Dänen zu gut. Morten Olsen ist nämlich ein ganz schön guter Trainer. Und der wusste, dass vom recht unsicheren van der Wiel und dem unglaublich alt gewordenen Giovanni van Bronckhorst keine größere Offensivgefahr ausgehen würden. Somit reichte es, die Flügel von den beiden Außenverteidigern Jacobsen und Poulsen absichern zu lassen, die, etwas vorgezogen, quasi den Trichterrand bildeten. Den Niederlanden wurde quasi nur angeboten, ins Zentrum zu gehen – wo mit Kjaer, Agger, Poulsen, Jörgensen und zeitweise Kahlenberg eine ganze Menge gehobenes europäisches Niveau nur auf den Ball wartete.

Dementsprechend lange dauerte es, bis es zu echten Chancen kam. Als hinderlich erwies sich hier, dass Kuyt auf den Flügel musste und van Persie in der Zentrale einen ziemlich miesen Tag erwischte.

Trotzdem ist es nicht so, dass Holland nicht überlegen gewesen wäre. Rafael van der Vaart scheiterte gar mit dem potenziellen Tor des Jahres nur am hervorragend aufgelegten dänischen Torhüter Thomas Sörensen. Denn all die Özils, Müllers und Kloses hin oder her, eine hohe Flanke aus dem Halbfeld volley mit der Hacke in den Winkel zu lenken, das kann in Deutschland keiner. Oder sie zeigen es nicht.

In jedem Fall musste ein kurios aussehendes Eigentor als Spielöffner fungieren. Simon Poulsen köpfte Agger an, von dessen Rücken der Ball ins Tor ging. Ich bin mir dennoch sicher, dass, wäre Poulsen nicht an den Ball gekommen, Kuyt in seinem Rücken das Tor gemacht hätte. Aber gut, hättewärekönnte.

Es war also nicht so schlimm, wie es zeitweise geredet wurde. Und es gibt ja Hoffnung. Da wäre Arjen Robben, der natürlich fehlte. Da wäre Eljero Elia, der nach seiner Einwechslung so viel Alarm machte (und das 2:0 entscheidend vorbereitete), dass kaum vorstellbar ist, dass er ab August nicht bei Manchester City spielt. Da wäre das nicht zu vernachlässigende Faktum, kein Gegentor bekommen zu haben. Und der Eindruck, dass es gegen die beiden verbleibenden Gegner deutlich einfacher werden dürfte.

Stekelenburg (3) – van Bronckhorst (4), Mathijsen (3), Heitinga (3,5), van der Wiel (3) – de Jong (2,5), van Bommel (1,5) – van der Vaart (2,5), Sneijder (3), Kuyt (2), van Persie (3,5) – Elia (1,5)

Oranje boven!

Juni 2nd, 2010

Das Layout hier hat sich verändert. In eine Farbe, die für viele deutsche Fußballfans quasi das rote Tuch ist. Orange. Und zwar für die Zeit der WM. Genauer gesagt: Die Zeit, in der die niederländische Nationalmannschaft im Turnier vertreten ist.

Ich weiß nicht mehr genau, wann meine Liebe für die Elftal anfing. Als ich mit 11 Jahren nach Wesel zog, in die Nähe der holländischen Grenze, passte ich mich erstmal an. Wohnwagenwitze, scheiß Holländer, dieser Kram. Irgendwann änderte sich das. Man brauchte Mut, um offen für Holland zu sein, und um ehrlich zu bleiben, weiß ich gar nicht, ob ich diesen Mut bis zu meinem Wegzug 2003 aufgebracht habe. Danach aber umso mehr.

Ich bin Fan der holländischen Nationalmannschaft. Ich habe gelitten, als sie 2002 nicht mit zur WM fuhr. Ich habe gejubelt, als sie 2004 und 2008 bei den Europameisterschaften jetzt schon legendäre Spiele zeigte. Diese Spiele waren gegen Tschechien und Russland. Beide hochgelobt, beider Sterne sinken jetzt wieder. Holland ist immer noch da.

Doch da ist auch die Tragik. Nahezu jeder Offensivspieler der Auswahl hätte in einer beliebigen europäischen Mannschaft einen Stammplatz. Man kann und muss es sich sogar leisten, Leute wie van Nistelrooy, Kuyt, Babel und Sneijder mal auf der Bank zu lassen – oder sie gar nicht mitzunehmen nach Südafrika.

Ganz hinten stand immer Edwin van der Sar, und wenn ich recht überlege, war er es, der mich zu Oranje führte. Ein Typ, der in der Schule wegen seiner Größe sicher immer gehänselt wurde, strahlte Souveränität aus und führte das Torwartspiel, das ich zuvor nur von Bodo Illgner, Oliver Kahn und Andreas Köpke kannte, in andere Sphären. Ein Torwart außerhalb seines Strafraums! Unglaublich.

Nun ist van der Sar nicht mehr da, statt seiner spielt wohl Stekelenburg. Einer, über den ich so gut wie nichts weiß. Und ich würde mir wünschen, über die Defensivspieler wie van der Wiel und co mehr sagen zu können. Es wird sich in den nächsten Wochen ergeben. Ich werde die Spiele der holländischen Mannschaft vorbereiten, ich werde Informationen aufsaugen, ich werde livebloggen. Und alles oranje.

—–Sneijder——van Persie—–Robben—–
—————-van der Vaart—————-
———–van Bommel—–de Jong————
-Bronckhorst-Mathijsen-Heitinga-van der Wiel-
—————–Stekelenburg—————-

Pflichttermin

Mai 31st, 2010

Seit weit über einem Jahr schwelt es, ist aus den merkwürdigsten Gründen nicht zustandegekommen, jetzt ist alles fix.

In genau 15 Tagen, am 15. Juni 2010, veranstaltet die Hochschulgruppe Mediennachwuchs der Universität Bonn, derzeit durch mich teilvertreten, einen Vortrag.

Unser Gastredner an diesem Abend ist Ulrich Loke aus der Redaktion des überaus schätzenswerten Magazins “sport inside”, das jeden Montag im WDR Fernsehen läuft.

Es wird um investigativen und nicht-investigativen Sportjournalismus gehen, um Nähkästchen, Dopingkoffer und den Weg in die Redaktion eines solchen Sendeformats.

Ich würde mich freuen, wenn dort auch ein paar Leute auftauchen, die ich nicht bei jeder dieser Veranstaltungen sehe. Das Thema würde sich dafür auf jeden Fall lohnen.

Nochmal in Kürze

Was? Ulrich Loke (WDR), Investigativer Sportjournalismus. Vortrag und Diskussion

Wann? Dienstag, 15. Juni 2010, 20:00-21:30 Uhr

Wo? Hörsaal 3 des Universitätshauptgebäudes Bonn, Am Hof 1, 53113 Bonn

 

Ein Bier oder zwei danach: Immer gerne.

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