Finale. Wahnsinn. Hätte man das Oranje vor dem Turnier zugetraut? Immer als Geheimfavorit dargestellt, aber die Abwehr, die Abwehr! Na klar, ein leichterer Weg ins Finale als zum Beispiel Deutschland, aber wer erinnert sich da noch dran, wenn es geschafft ist? Wer beschwert sich über Paraguay, die USA und Südkorea, wenn er als Deutscher an 2002 denkt? Und war Brasilien mit Spanien nicht DER WM-Favorit, erst Recht nach der Gruppenphase, als man zu Lobgesängen auf das neue, nüchterne, gar nicht sambaeske Spiel hingerissen wurde?
Gegen Uruguay sollte es schwer werden, schwerer als die Namen es verlauten lassen, aber die sind nicht umsonst ins Halbfinale gekommen. Vorne mit Forlan einer der ganz wenigen, die ihre WM-Vorschusslorbeeren gerechtfertigt haben. Der erste seit Lothar Matthäus 1990, der in einem Turnier drei Treffer von außerhalb des Strafraums erzielte. Dazu eine wahnsinnig gut eingestellte Defensive und Laufbereitschaft wie man sie sonst bei keiner Turniermannschaft gesehen hat.
Dementsprechend wurde es knapp, richtig knapp. Und man muss wieder die Frage stellen, warum der holländische Spielfluss nicht zustande kommt. Alles lief über links, wo Kuyt alles beackerte was grün oder himmelblau war. Robben war immer wieder im Zentrum zu finden, wo ihm mindestens fünf Gegenspieler auf den Füßen standen. Robin van Persie war nahezu nie anspielbar, und wenn, verlor er sich schnell im Klein-Klein mit den Innenverteidigern. So musste es das meiner Meinung nach schönste Solisten-WM-Tor bislang richten: Giovanni van Bronckhorst, der seine internationale Karriere am Sonntag würdig beenden wird, haute das Ding aus über 30 Metern so präzise in den Winkel, dass der Ball, wäre er 3, 4 Zentimeter weiter rechts angekommen, wieder aufs Feld zurückgesprungen wäre. Besser geht so ein Schuss nicht, und der Torwart der den hält muss erst noch erfunden werden.
Trotzdem wurde es nicht besser, sogar eher schlimmer. Im falschen Ehrgeiz für offensive Überzahl zu sorgen versuchte Heitinga den einen oder anderen Vormarsch und zeigte dabei, dass nicht jeder Holländer dribbeln kann. Und dementsprechend kam es wie es musste, Forlan bekam den Ball, eine Lücke tat sich auf, Schuss, Jabulani, Tor. Stekelenburg sah saublöd aus bei dem Treffer, kann sich aber meiner Meinung nach durchaus auf die wirre Flugbahn dieses Balles berufen.
Zur zweiten Hälfte hatte ich Hoffnung, dass van Marwijk wie gegen Brasilien die richtigen Impulse setzt. Es passierte aber nichts. Außer dass Zeeuw, niedergestreckt von einem uruguayischen Fallrückzieher, in der Kabine bleiben musste. Für ihn kam van der Vaart, der wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Profikarriere (lasse mich gerne eines besseren belehren) auf der Sechs spielen musste. Das bedeutete: Mehr Offensive, weniger Sicherheit bei Kontern. Trotzdem kam Uruguay kaum zu guten Chancen, mal von einem guten Freistoß durch Forlan (wen sonst) abgesehen. So reichte Sneijder ein abgefälschter Ball, bei dem der knapp abseits stehende van Persie klar ins Spiel eingriff ohne den Ball zu berühren, um Holland wieder in Führung zu bringen. Ein ganz merkwürdiges Tor, dass wir in unserer Runde erst nach einer halben Minute zu feiern begannen weil wir (und die Bildregie) sicher waren, dass es mit Freistoß Uruguay weiterginge.
Das 3:1 war umso schöner, und wieder gilt die Weisheit: Wer sich ein Kopfballtor von Arjen Robben einfängt, hat das WM-Finale nicht verdient.
Über die Nachspielzeit lässt sich wenig sagen. Ein Anschlusstreffer, der an das 1:0 Italiens gegen Deutschland 2006 erinnerte, ein abstrus lange nachspielender (und allgemein in dem Spiel nicht ganz sicherer) Schiedsrichter, eine letzte Druckphase Uruguays. Solche Szenen sehen immer dramatischer aus als sie sind – die hintenliegende Mannschaft nimmt alle Feldspieler mit nach vorne, die führende steht im Strafraum – da ist so wenig Raum, das selten etwas passiert, auch wenn der Ball eben im Strafraum ist.. aber sag das mal mir, wenn ich vor dem Fernseher klebe und mein Team kurz vor dem WM-FINALEINZUG!!! steht.
Jetzt geht es gegen Spanien oder Deutschland. Und ab heute abend könnte ich mich in einer ganz ganz großen Zwickmühle befinden. Für wen bin ich, wenn es um den WM-Titel geht, wenn Deutschland und die Niederlande aufeinandertreffen? Ich weiß es nicht. Ich werde mir tagelang den Kopf zerbrechen. Falls nicht doch Spanien heute gewinnt – zu diesem Spiel maße ich mir keinen Tipp an. War bei England und Spanien genauso, damit bin ich gut gefahren. Scheiß auf Oktopusse.
WM-Finale. Mindestens eine meiner Mannschaften. Allen drei noch im Turnier befindlichen Mannschaften gönne ich es. Es könnte wahrlich schlimmere Turniere geben.
Finale. Wahnsinn. Hätte man das Oranje vor dem Turnier zugetraut? Immer als Geheimfavorit dargestellt, aber die Abwehr, die Abwehr! Na klar, ein leichterer Weg ins Finale als zum Beispiel Deutschland, aber wer erinnert sich da noch dran, wenn es geschafft ist? Wer beschwert sich über Paraguay, die USA und Südkorea, wenn er als Deutscher ...