Sportteil

Notizen nach DEM_HEIMSIEG

Januar 25th, 2011

1. Liebe Medienpartner: Hiermit sichere ich mir alle rechte an den folgenden beiden Wortspielen, zusammenhängend mit dem bevorstehenden Wechsel auf Leihbasis von Hoffenheims Prince Tagoe:

  • “Tagoe und Podolski: Das neue Kölner Prinzenpaar”
  • “Kaufoption nicht gezogen: Prince to go”

2. Lange sucht man einen Linksverteidiger, dann muss der in der Innenverteidigung aushelfen und sein ausgebooteter Stellvertreter macht das beste Spiel der Saison. Lustige Welt.

3. Mit Brosinski (ablösefrei nach Wehen) und Vunguidica (leihweise nach Offenbach) verabschieden sich zwei Größen der U23-Mannschaft in die Dritte Liga. Das sortiert und verschlankt den Kader und macht klar, dass auch in der sportlichen Leitung keiner mehr ernsthaft mit einem Aufstieg der U23 rechnet. Das ist auch gut so, denn die Kraft wird dringend ganz oben gebraucht.

4. Heute erreichte mich das hochnotpeinliche Schreiben des um seine Position bangenden Vorstands meines Vereins, in dem dieser, obwohl ihn keiner danach gefragt hat, gegen seine Gegner von “FC-reloaded.de” stichelt. Inklusive einer Postkarte, auf der nur die Möglichkeit besteht, der Datenweitergabe an die Initiative zu widersprechen. Clever gedacht, geht aber nach hinten los, Herr Overath. Bisher war mir das egal, jetzt werde ich mich mit dieser Initiative mal auseinandersetzen.

5. Nochmal zu diesem Linksverteidiger: Die Solidität in Person, menschlich anscheinend höchst integer, dazu intelligent, und Hoffenheim gibt ihn uns für 100.000€, um kurz danach angeblich mit Bayern über Edson Braafheid zu verhandeln? Wie blöd sind die?

Ein Effzeh unter Hoffes

Januar 12th, 2011

Unter diesem Motto steht dieses Blog ab heute, was sich auch optisch niederschlägt. Neues Template, neuer Anlauf.

Seit Oktober wohne ich in der Region um Heidelberg, weil ich dort meinen Master in Geschichte mache. Und bin somit aus dem Rheinland weggezogen, wo jeder Zweite Fan des 1. FC Köln war.

Nun ist es nicht so, als hätte ich immer dort gewohnt. Mir wurde der FC in die Siebengebirgs-Wiege gelegt, wo ich ihn verschmähte. Zu Zeiten des beginnenden Fußballinteresses waren alle größeren Jungs in der Grundschule Bayern-Fans, und deswegen wurde ich auch einer – ungefähr bis zu dem Moment, an dem ich von meiner Patentante ein Trikot zum Geburtstag geschenkt bekam. Ich kann nicht sagen, was den Ausschlag gab, aber der 1. FC Köln war es dann halt doch. Meine Weigerung, von da an das Bayern-Trikot anzuziehen, genügt meiner Mutter bis heute als Grund, mir kein neues Trikot unter den Weihnachtsbaum zu legen.

1995 zog ich nach Wesel um, an den Niederrhein, wo man seinen Platz finden muss zwischen 30% Gladbachern, 30% Dortmundern und 40% Schalkern, so ungefähr. Ich bin also die Diaspora gewöhnt, und wenn sich genau in dieser Phase dein Verein anschickt, seine Erstligatradition effektiv zu beenden, wird es nicht leichter.

Andererseits: Es ist auch schön, nicht von Gleichen umgeben zu sein. Denn geben wir es zu: Die meisten Fußballfans sind ganz schöne Vollidioten. Und je mehr von denen deinen Verein teilen, desto anstrengender wird es, sich von diesen abzugrenzen. Und so diskutiere ich doch lieber mit Fans von Kaiserslautern, Stuttgart, Karlsruhe und Hoffenheim, weil ich mit ihnen nicht zwangsläufig etwas gemeinsam haben muss.

27,5 Kilometer sind es laut Google Maps genau von meiner Haustür bis zum Eingang der Rhein-Necker-Arena, genau 3000 Meter bis zum Hardtwaldstadion des SV Sandhausen. Näher war mir Profifußball nie. Für Sandhausen habe ich eine gewisse Sympathie, zur TSG Hoffenheim nicht. Es ist gut möglich, das beides in Zukunft hier seinen Raum einnehmen wird.

Den Adler bei den Hörnern

Dezember 13th, 2010

Die sind so schlecht, die sind so schlecht. Wie kann man nur gegen die verlieren?

Marco Russ, Frankfurter Innenverteidiger

Man soll sich anscheinend als Kölner für Siege immer entschuldigen. Vor allem, wenn es um Frankfurter geht. Die scheinen nämlich ganz schön schlechte Verlierer zu sein, allen voran die Frankfurter Rundschau (die ich sonst gerne lese). Die beweist nämlich, wie man mit Statistiken schön lügen kann – und versucht aus einer Ballbesitzquote von 66% für Frankfurt eine drückende Überlegenheit zu konstruieren.

Natürlich war die erste Kölner Hälfte schlecht, aber auch Eintracht Frankfurt zog hier nicht den Wunderfußball auf. Es war einfach dem Wetter angemessener Arbeitsfußball ohne große Aufregung. Und mit einer absolut aufgehenden Kölner Taktik. Frankfurt wurde der Ball aufgedrängt, und die wussten nicht was sie damit tun sollten, wenn Theofanis Gekas abgemeldet wird. Und der war vollkommen aus dem Spiel genommen und kam auf ganze 20 Ballkontakte, einen gewonnenen Zweikampf und zwei Torschüsse. Und so konnte Pirmin Schwegler in der Zentrale zwar auf seine 118 Ballkontakte kommen, aber damit nichts Zählbares anfangen. Der angebliche Spielmacher der Eintracht spielte die Hälfte seiner Pässe zurück an die Verteidigung, allein 15 zu Vasoski. Nur einen auf Gekas. Was sagt das über Frankfurts Offensivbemühungen?

Der FC dagegen, schon früh ohne Podolski, machte eigentlich alles richtig. Und Mato Jajalo durfte zeigen, was er eigentlich kann: Taktisch klug spielen und das Auge für die Mitspieler haben, das den meisten Kölnern abgeht. Und er sah Christian Clemens, und der sah das linke Eck frei, und zack, Siegtor. So einfach kann das manchmal gehen.

Und plötzlich sieht alles gar nicht mehr so schlimm aus. Nürnberg, Kaiserslautern und St. Pauli sind trotz aller Lobeshymnen mit in den Abstiegskampf gezogen, bei Stuttgart sieht nichts nach Besserung aus, wir haben anderthalb mal so viele Punkte wie Gladbach. Und die Hoffnung, dass es vielleicht ein, zwei sinnvolle Transfers in der Winterpause gibt. Mit 15 Punkten zu Weihnachten ist man noch nicht abgestiegen.

Merkwürdigerweise bin ich immer noch optimistisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich diese Saison nicht verstehe. Eine Saison, in der nicht nur obligatorisch der VfB Stuttgart abschmiert, sondern auch Schalke. In der Wolfsburg sich zielgerichtet verstärkt und gemessen an den Investitionen die wohl schlechteste Saison aller Vereine spielt. In der Mainz, Hannover, Frankfurt und co. einfach nicht abschmieren. Ich gebe zu: Für mich waren Freiburg, Mainz und Hannover die Top 3-Abstiegskandidaten. Jetzt sind sie Anwärter auf internationale Plätze. Da, wo Freiburg jetzt ist, hatte ich eigentlich Mönchengladbach erwartet. Und der FC ist zwar fußballerisch, aber eben nicht in der Tabelle abgeschlagen Letzter.

Und gleichzeitig sehen wir fußballerische Fortschritte, und dass es gut war, Zvonimir Soldo zu entlassen. Soldo hat den Kader mehr schlecht als recht verwaltet, er hat ihm nicht die Grundlagen vermittelt, die er braucht. Ich glaube, dass Soldo in einem oberen Mittelklasseteam (mittelfristig: HSV, Stuttgart und co) durchaus gute Arbeit leisten kann. Weil ein Träsch weiß, wohin er sich rückwärts bewegen muss. Einem Miso Brecko muss man das wöchentlich eintrichtern, und dann kann er auch solide spielen. Frank Schaefer weiß das. Und deswegen sieht man Fortschritte gegen erweiterte Meisterschaftskandidaten wie Bayer Leverkusen, denen Zählbares nur aufgrund des Schiedsrichters und einer Gomez-Österreich-Gedächtnisaktion von Martin Lanig abgeht.

Weiterhin kann es nur um den Klassenerhalt geben, und das heißt für mich: Platz 15. In der Relegation hätte dieser 1. FC Köln meiner Meinung nach keine Chance. Entscheidungsspiele sind nichts für das Müngersdorfer Publikum und die umliegende Presse. Das färbt auf den Kader ab.

Im Winter gilt es, sich sinnvoll zu verstärken. Dazu gehört ein Linksverteidiger, weil Fabrice Ehret da ungefähr so gut aufgehoben ist wie Lukas Podolski. Und ein offensiver Flügelspieler, egal welche Seite, der dribbeln kann. So wie Zoran Tosic, damals, vor 11 Monaten. Meinetwegen auch wieder geliehen, wenn es anders nicht machbar ist.

Personell muss das wohl reichen. Ein Torwart vielleicht, falls Mondragon wirklich geht. Aber anders als in den letzten Jahren kann man ja auch eine FC-Zukunft im Kader sehen. Christian Clemens gefällt mir sehr gut, Adam Matuschyk ist kaum mehr aus der Startelf wegzudenken, egal wo im Mittelfeld, Simon Terodde könnte in der Rückrunde zum Joker #1 werden. All das sind Spieler, die man nach einem Abstieg halten könnte. Ich glaube nicht, dass ein Abstieg das Ende des Vereins wäre. Es wäre ein böser Rückfall, aber nicht die Urkatastrophe. Denn allen Unkenrufen zum Trotz: Für Lukas Podolski, Pedro Geromel, Milivoje Novakovic und Martin Lanig würde man immer noch gutes Geld kriegen.

Wir werden sehen. Hauptsache, vor Gladbach in die Winterpause gehen. Und dann hoffen, dass Kaiserslautern, St. Pauli und Nürnberg noch zu uns runterrutschen.

Vertragsgestaltung

Dezember 7th, 2010

Man kann sich ja so allerhand in seinen Vertrag schreiben lassen, Gutes und Schlechtes, Vorteilhaftes für Verein, Spieler oder Berater. Bei Altin Lala ist es allerdings vor allem lustig:

Vertrag gilt nur für 1.Liga. Für eine festgelegte Ablöse (vier Millionen Euro) darf er zu einem Champions-League-Klub wechseln.

[Dies ist ein schüchterner Versuch eines Neustarts hier. Ich bin aus dem FC-Kernland weggezogen. Jetzt gehts hier hoffentlich mal weiter.]

DFL-Restriktionen

Oktober 27th, 2010

szmobi
Die Einzelbewertungen der Bayern-Spieler in der SZ sind schnell und meist lesenswert, weil sie schreiberisches Können mit Fußballsachverstand kreuzen, was ja nicht so selbstverständlich ist. Was das hier gestern allerdings war, da bin ich noch unschlüssig. Und vor allem: Ob ich mich mit früheren SZ-online-Besuchen tatsächlich schon “den DFL-Restriktionen gefügt” habe. Das möchte ich nämlich eigentlich nicht. Und was hat die DFL mit dem DFB-Pokal zu tun?

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Mach’s gut, Faryd

Oktober 15th, 2010

Ich behaupte jetzt einfach mal: Im Jahr 2011 spielt Faryd Mondragon nicht mehr beim 1. FC Köln, sondern mutmaßlich in der MLS in den USA. Die Abwanderungszeichen sind eindeutig und werden immer offenkunder.

Zunächst war es so, dass Mondragons Leistungen in dieser Saison immer weniger nach Kahn, sondern mehr nach Oka Nikolov aussahen. Die Statur und Präsenz ist noch da, einen Unhaltbaren hat er aber noch nicht rausgefischt in dieser Saison – einige Tore kann man ihm direkt ankreiden, die nicht nur mit Konzentrationsmängeln zu tun haben wie sie jeder Profi mal hat, sondern mit strukturellen Defiziten. Mangelndem Spielverständnis (so beim 1:0 von Mainz), mangelnder Schnelligkeit (so beim 2:0 von Mainz) und mangelndem Willen (so beim 1:1 von Hoffenheim). Das ist auch völlig natürlich, denn Mondragon ist immerhin 39 Jahre alt, wenn er seinen Vertrag doch erfüllt wird er an dessen Ende 40 Jahre alt sein und 21 Jahre lang Profifußball betrieben haben. Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Doch darum darf es ja jetzt nun wirklich nicht gehen – immerhin ist Köln virtuell Tabellenletzter.

So ist jedenfalls die Rückendeckung für Mondragon schon gesunken. Und nun, in einem vorvorletzten Akt von unnötiger Problemmache, hat Mondragon die Einladung angenommen, noch einmal für zwei unwichtige Freundschaftsspiele zur kolumbianischen Nationalmannschaft zu reisen. Mit allem was dazugehört: Spiele, Training, lange Flüge, Zeitzonen. Mit fast 40. Kein Wunder, dass man das in Köln nicht so gut findet – zumal andere Spieler wie Adam Matuschyk (der mit Polen gegen die USA sein erstes Länderspieltor erzielte und anscheinend derzeit in Topform ist) auf das Mittwochsspiel verzichteten, um am Freitag fit zu sein. Matuschyk ist 18 Jahre jünger als Mondragon, er könnte sein Sohn sein.

Nun meldet der Express den vorletzten Akt unnötiger Eskalation: Nachdem Mondragon von Zvonimir Soldo völlig zu Recht mitgeteilt bekam, dass am heutigen Freitag Miro Varvodic gegen Dortmund sein erstes Bundesligaspiel machen wird, reiste er auf eigene Faust ab. Verließ das Hotel, ist auf dem Handy nicht erreichbar. Ein Verhalten, das Kevin Kuranyi letztlich die Nationalmannschaft kostete und das mit einer Geldstrafe kaum erledigt sein dürfte. Faryd Mondragon hat die Machtprobe gesucht und verloren, und das vielleicht sogar mit Absicht. In den USA dürfte er mehr verdienen als in Köln und wäre näher an der Heimat. So ein Abschied wäre schade für einen, der sich definitiv verdient gemacht hat. Aber eigentlich ist er nicht mehr zu verhindern.

Bliebe nur die Frage, wie man das dann entstehende Torwartproblem löst. Von Miro Varvodic haben wir alle bislang kaum etwas gesehen, in Erinnerung geblieben ist mir, dass er bei einem Hallenturnier vor eineinhalb Jahren mal ziemlich spektakulär flog. Mehr ist da nicht. Man wird sehen. Immerhin hat er schon 11 Spiele für Hajduk Split absolviert, der Druck eines engen und lauten Stadions dürfte ihm also geläufig sein. Das heutige Spiel dürfte in dieser Hinsicht einiges entscheiden. Patzt Varvodic, sehe ich schon qualmende Reifen auf der A3 nach Köln, weil Rensing aufs Gaspedal drückt. Hält Varvodic solide, dürfte er zumindest bis zum Winter seine Chance kriegen. Dann könnte man weiter überlegen: Kessler kann im Sommer aus Hamburg zurückkommen, wo er bisher durchaus gut spielt. Also könnte man seinerseits einen Torhüter ausleihen. Spontan fiele mir da Oliver Baumann vom SC Freiburg ein, dazu mit Markus Miller und Jaroslav Drobny zwei, deren Anspruch nicht ist, auf der Bank zu sitzen. Grundsätzlich halte ich diese Optionen aber alle für unrealistisch. Und nicht ganz irrelevant für diese Frage ist ja auch, wer dann Trainer in Köln ist. Mit Soldo rechne ich da nicht.

Wunschzettel

September 22nd, 2010

Was nerven mich die Leute, die unter jeden Facebook-Beitrag des 1. FC Köln nur Dinge wie SOLDO RAUS!!1 oder DIE EINZIGEN DENEN DER VEREIN WICHTIG IST SIND WIR FANS! UND UNS ZIEHT MAN DAS GELD AUS DER TASCHE! MIT DEM KLEINEN MANN KANN MANS JA MACHEN! schreiben. Sie begründen meine Hassliebe zu diesem Verein, und wegen ihnen ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass ich bald mal wieder aus dem Rheinland wegziehe.

Das Problem: Sie haben auch irgendwo Recht. Zumindest mit dem ersten Punkt. Zvonimir Soldo hatte nun 14 Monate und eine Menge Spieler Zeit, um irgendeine Art von Fußballspiel aufzuziehen. Und dann sind wir so weit, dass wir ein ermauertes 0:0 gegen Bayern München als Fortschritt ansehen sollen. Sicher, Brecko und Freis hatten zwei riesige Chancen, das ganze sogar zu einem Sieg zu machen. Aber: Das waren doch auch eher Zufälle. Dass Brecko wendig genug ist einen van Buyten mit hohem Tempo blöd aussehen zu lassen war vorher auch schon klar. Genauso auch, dass Freis statt querzulegen lieber volle Lotte auf Butt holzt.

Derzeit stehen Mannschaften vorne in der Tabelle, die dort im Winter wohl nicht mehr sein werden. Aber die jetzt gerade den Vorteil gegenüber hochbezahlten Topspielern haben, nicht nur fit zu sein sondern auch eine Spielidee zu haben. Die genauso reagieren können wie sie auch agieren. Mainz spielt einen Fußball, wie man ihn sich in Denkerstübchen ausmalen kann. Aber sie spielen ihn. Auf dem Platz.

In Köln wird nur reagiert. Dass Geromel ein überragender Innenverteidiger ist, wissen wir. Genau das selbe mit Mohamad. Drumherum wird improvisiert. Ehret, der schlechter wird, je defensiver er aufgestellt wird. Brecko, der taktisch ungefähr das Niveau für den FSV Frankfurt hat. Und eine abstruse Häufung an defensiven Mittelfeldspielern. Petit, Matuschyk, Lanig, Jajalo und Pezzoni haben den Anspruch zu spielen, Yabo soll ans Team herangeführt werden, bei Clemens passiert das grade. Und davor hockt der hochgelobte Taner Yalcin und bekommt keine Bälle zum Verteilen.

Jeder einzelne Verein, den ich in dieser Saison bisher gesehen habe, hat eine wie auch immer geartete Vorstellung vom Fußballspielen. Auch Schalke, auch Wolfsburg, auch Nürnberg. Nur der 1. FC Köln nicht. Und deswegen muss Zvonimir Soldo gehen. Nur auf die überragende zentrale Defensive zu bauen, hilft auf Dauer nicht. Zumal, wenn man mit sieben defensiven Spielern aufs Feld geht. Und wenn man zur Halbzeit ein Signal setzt, indem man für einen zentralen und einen offensiven Mittelfeldspieler zwei Sechser einwechselt. Ja, gehts denn noch.

Wir brauchen einen Neuanfang. Jemanden, der Spielzüge trainiert. Der Spielern sagen kann, was ihre genaue Aufgabe auf dem Platz ist. Der ihnen beibringt, mehr als drei Ballkontakte nacheinander in Richtung des gegnerischen Tores zu bringen. Ich bin mir sicher: Vom Spielermaterial her gehört der 1. FC Köln zu den Top 12 der Liga. Aber das alleine reicht halt nicht.

Debütantenball

Juli 10th, 2010

Vor drei Jahren habe ich mich hier einmal wahnsinnig in die Nesseln gesetzt mit einer Prognose, wer demnächst in der Nationalmannschaft debütiert. Ich verlinke das aus Selbstschutzgründen nicht, aber ich verrate: Ich erwähnte Andreas Wolf und Marc Stein.

Nun ist die Weltmeisterschaft 2010 für die deutsche Nationalmannschaft vorbei, und ich wage einen neuen Anlauf. Dieses Mal nicht aus dem Bauch heraus, sondern von der Frage geleitet, wo die Mannschaft bis zur EM 2012 noch Verbesserungspotenzial besitzt.

Tor:

Gut, Jörg Butt wird nach dieser WM wohl seine Nationalmannschaftskarriere beenden. Dennoch ist hier keine Not am Mann. Manuel Neuer, Tim Wiese und René Adler werden gesetzt sein, und jeder von ihnen wäre eine sportlich taugliche Nummer 1. Was für ein Luxusproblem.

Abwehr:

Man muss in Zukunft nicht mehr unbedingt mit Arne Friedrich rechnen, trotz seiner überragenden WM. Man darf davon ausgehen, dass ein neuer Innenverteidiger neben Per Mertesacker gesucht wird. Und da drängen sich eine Menge Kandidaten auf. Mats Hummels durfte reinschnuppern, Heiko Westermann wird von Löw geschätzt, Christoph Metzelder könnte unter Magath nochmal aufblühen. Aber es gibt vielversprechenden Nachwuchs:

  • Benedikt Höwedes: Einer, wie in jeder Trainer gerne hätte. Hinten solide, bei Standards vorne torgefährlich, beidfüßig, flexibel. Bei Schalke und in der U21 hat er schon alle Positionen in der Viererkette gespielt. Einer, der in die Löw-Schule passt: Im Ton zurückhaltend, im Spiel fair, aber kompromisslos. Könnte schon in einem Monat gegen Dänemark im Kader stehen
  • Dennis Diekmeier: Einer, der gemessen an seinen Spielen, erstmal unter dem Radar laufen dürfte, weil er noch Fehler macht. Das darf er, er ist erst 20. Dennoch kein Zufall, dass Wolfsburg und der HSV schon viel Geld für ihn geboten haben und dass er jetzt, glaubt man den Gerüchten, nach Bologna wechselt. Offensiv denkend, hinten mit allen Anlagen in Zweikampfstärke und körperlicher Präsenz. Macht er den nächsten Schritt, könnte er 2011 ins Blickfeld rücken.
  • Marcel Schmelzer: Wer es bei der WM nicht gesehen hat: Die deutsche Nationalmannschaft hat ein Linksverteidigerproblem. Aogo überfordert, Badstuber eigentlich zentral besser aufgehoben, Jansen vorne links deutlich besser, Boateng halt ein Rechtsfuß. Marcel Schmelzer hat beim BVB den Dortmunder Liebling Dédé verdrängt, und das zu Recht. Defensiv mittlerweile so solide wie ein alter Hase, nach vorne noch zu hastig. In der Nationalmannschaft hätte er Lukas Podolski vor sich, da ist eine Absicherung nicht unwichtig. Könnte bei Bestätigung seiner Leistungen den Platz Aogos einnehmen

 

Mittelfeld:

Im Mittelfeld ist die Frage der Re-Integration Ballacks vorrangig spannend. Man muss sich das mal vorstellen: Das WM-Mittelfeld war im Durchschnitt nicht einmal 23 Jahre alt. Was soll da noch kommen? Zumal auf der 6 mit Ballack, Rolfes und Träsch noch drei Kandidaten aus der Verletzungspause zurückkommen? Trotzdem gibt es auch hier Kandidaten

  • Sven Bender: Allenthalben wurde in den ersten Berichten über die Bender-Zwillinge durchklingen gelassen, Lars wäre der etwas talentiertere Bruder. Deswegen wechselte er auch für 2,5 Mio Euro nach Leverkusen, während Sven schnöde mit Antonio Rukavina verrechnet wurde. Lars spielte in seiner ersten Erstligasaison 737 Minuten, wurde 14 Mal eingewechselt. Sven, “der Kleine”, spielte doppelt so lang, so dass mir BVB-Fans überrascht berichteten, dass sie Sebastian Kehl auf der 6 neben Nuri Sahin kaum vermissten. Wie Stefan Reinartz ein kompromissloser Abräumer. Spätestens nach Ballacks Karriereende ein sinnvoller Partner für Schweinsteiger
  • Timo Gebhart: Mit diesem jungen Mann hatte ich lange ein Problem. In der U19 sah ich ihn das erste Mal, da war er ein überragender Techniker ohne Sinn für irgendeinen Mannschaftsdienst. Einer der am Ball alles konnte, aber ohne Ball nichts, der nie den besser stehenden Mitspieler sah. Das legt sich in Stuttgart langsam, Trainer Gross dürfte es ihm (bildlich gesprochen) rausprügeln. Auf der Außenbahn ein Kandidat als Abwehrblockausdribbler.
  • Marco Reus: Keine besonders risikoreiche Wahl: Er sollte schon im Länderspiel gegen Malta debütieren, musste aber verletzungsbedingt absagen. Ein beidfüßiger, schneller, torgefährlicher Flügelspieler, den Gladbach, wie man einfach mal sagen muss, wirklich gut gescoutet und für wenig Geld verpflichtet hat. Wie Höwedes vielleicht schon in einem Monat dabei.

Angriff:

Vielleicht bin ich der einzige, der das so sieht, aber: Deutschland hat im Nachwuchsbereich ein Sturmproblem. Das Problem ist so groß, dass Sandro Wagner bei der letztjährigen U21-EM einziger ernstzunehmender Stürmer war. Richard Sukuta-Pasu, als großes Talent gehandelt, ist bei seiner Leihstation St. Pauli auch nur Joker. Ein Turnier lang dürfte es mit Klose noch laufen, danach müssen es Gomez, Kießling, Cacau und Podolski richten. Ob Helmes noch einmal auf sein Top-Niveau kommt, bezweifle ich leider, leider ein bisschen. Und nur einer von den genannten ist wirklich kopfballstark. Es fehlt an spielerischer Variabilität. Allerdings habe ich meine Zweifel, dass sich dort derzeit jemand anbietet. Deswegen nur im Schnelldurchlauf:

  • Julian Schieber hat sehr gute Ansätze gezeigt und hat jetzt ein Jahr Zeit, diese als Stammspieler beim 1. FC Nürnberg zu bestätigen. Möglich ist das, zwingend keineswegs. André Schürrle hat eine gute erste Profisaison bei einer weit über ihren Möglichkeiten spielenden Mainzer Mannschaft gespielt, hat allerdings trotzdem nur fünf Tore erzielt. Richard Sukuta-Pasu hat man seit Jahren für später auf dem Zettel, dafür müsste er aber bei St. Pauli wie gesagt langsam mal den Durchbruch schaffen. Sandro Wagner durfte in den U-Mannschaften spielen und sich jetzt bei Werder Bremen beweisen, ist aber eigentlich zu staksig und technisch schwach, zudem werden ihm (ohne Gewähr!) charakterliche Defizite nachgesagt. Savio wurde für viel Geld in Europa herumgereicht und ist jetzt erstmal bei 1860 München gestrandet. Hoffen wir, dass er dort mal endlich Qualitäten nachweisen kann.

Caceres de Oro

Juli 7th, 2010

Finale. Wahnsinn. Hätte man das Oranje vor dem Turnier zugetraut? Immer als Geheimfavorit dargestellt, aber die Abwehr, die Abwehr! Na klar, ein leichterer Weg ins Finale als zum Beispiel Deutschland, aber wer erinnert sich da noch dran, wenn es geschafft ist? Wer beschwert sich über Paraguay, die USA und Südkorea, wenn er als Deutscher an 2002 denkt? Und war Brasilien mit Spanien nicht DER WM-Favorit, erst Recht nach der Gruppenphase, als man zu Lobgesängen auf das neue, nüchterne, gar nicht sambaeske Spiel hingerissen wurde?

Gegen Uruguay sollte es schwer werden, schwerer als die Namen es verlauten lassen, aber die sind nicht umsonst ins Halbfinale gekommen. Vorne mit Forlan einer der ganz wenigen, die ihre WM-Vorschusslorbeeren gerechtfertigt haben. Der erste seit Lothar Matthäus 1990, der in einem Turnier drei Treffer von außerhalb des Strafraums erzielte. Dazu eine wahnsinnig gut eingestellte Defensive und Laufbereitschaft wie man sie sonst bei keiner Turniermannschaft gesehen hat.

Dementsprechend wurde es knapp, richtig knapp. Und man muss wieder die Frage stellen, warum der holländische Spielfluss nicht zustande kommt. Alles lief über links, wo Kuyt alles beackerte was grün oder himmelblau war. Robben war immer wieder im Zentrum zu finden, wo ihm mindestens fünf Gegenspieler auf den Füßen standen. Robin van Persie war nahezu nie anspielbar, und wenn, verlor er sich schnell im Klein-Klein mit den Innenverteidigern. So musste es das meiner Meinung nach schönste Solisten-WM-Tor bislang richten: Giovanni van Bronckhorst, der seine internationale Karriere am Sonntag würdig beenden wird, haute das Ding aus über 30 Metern so präzise in den Winkel, dass der Ball, wäre er 3, 4 Zentimeter weiter rechts angekommen, wieder aufs Feld zurückgesprungen wäre. Besser geht so ein Schuss nicht, und der Torwart der den hält muss erst noch erfunden werden.

Trotzdem wurde es nicht besser, sogar eher schlimmer. Im falschen Ehrgeiz für offensive Überzahl zu sorgen versuchte Heitinga den einen oder anderen Vormarsch und zeigte dabei, dass nicht jeder Holländer dribbeln kann. Und dementsprechend kam es wie es musste, Forlan bekam den Ball, eine Lücke tat sich auf, Schuss, Jabulani, Tor. Stekelenburg sah saublöd aus bei dem Treffer, kann sich aber meiner Meinung nach durchaus auf die wirre Flugbahn dieses Balles berufen.

Zur zweiten Hälfte hatte ich Hoffnung, dass van Marwijk wie gegen Brasilien die richtigen Impulse setzt. Es passierte aber nichts. Außer dass Zeeuw, niedergestreckt von einem uruguayischen Fallrückzieher, in der Kabine bleiben musste. Für ihn kam van der Vaart, der wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Profikarriere (lasse mich gerne eines besseren belehren) auf der Sechs spielen musste. Das bedeutete: Mehr Offensive, weniger Sicherheit bei Kontern. Trotzdem kam Uruguay kaum zu guten Chancen, mal von einem guten Freistoß durch Forlan (wen sonst) abgesehen. So reichte Sneijder ein abgefälschter Ball, bei dem der knapp abseits stehende van Persie klar ins Spiel eingriff ohne den Ball zu berühren, um Holland wieder in Führung zu bringen. Ein ganz merkwürdiges Tor, dass wir in unserer Runde erst nach einer halben Minute zu feiern begannen weil wir (und die Bildregie) sicher waren, dass es mit Freistoß Uruguay weiterginge.

Das 3:1 war umso schöner, und wieder gilt die Weisheit: Wer sich ein Kopfballtor von Arjen Robben einfängt, hat das WM-Finale nicht verdient.

Über die Nachspielzeit lässt sich wenig sagen. Ein Anschlusstreffer, der an das 1:0 Italiens gegen Deutschland 2006 erinnerte, ein abstrus lange nachspielender (und allgemein in dem Spiel nicht ganz sicherer) Schiedsrichter, eine letzte Druckphase Uruguays. Solche Szenen sehen immer dramatischer aus als sie sind – die hintenliegende Mannschaft nimmt alle Feldspieler mit nach vorne, die führende steht im Strafraum – da ist so wenig Raum, das selten etwas passiert, auch wenn der Ball eben im Strafraum ist.. aber sag das mal mir, wenn ich vor dem Fernseher klebe und mein Team kurz vor dem WM-FINALEINZUG!!! steht.

Jetzt geht es gegen Spanien oder Deutschland. Und ab heute abend könnte ich mich in einer ganz ganz großen Zwickmühle befinden. Für wen bin ich, wenn es um den WM-Titel geht, wenn Deutschland und die Niederlande aufeinandertreffen? Ich weiß es nicht. Ich werde mir tagelang den Kopf zerbrechen. Falls nicht doch Spanien heute gewinnt – zu diesem Spiel maße ich mir keinen Tipp an. War bei England und Spanien genauso, damit bin ich gut gefahren. Scheiß auf Oktopusse.

WM-Finale. Mindestens eine meiner Mannschaften. Allen drei noch im Turnier befindlichen Mannschaften gönne ich es. Es könnte wahrlich schlimmere Turniere geben.

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