Es wird Zeit, an die Kaderplanung für die kommende Saison zu gehen. Das klingt blöd, weil Volker Finke natürlich nicht auf mich hört und weil der Klassenerhalt trotz sieben Punkten Vorsprung noch nicht gesichert ist. Aber er ist in etwa so sicher wie die Meisterschaft von Borussia Dortmund. Gute Voraussetzungen also.
1. Die Zöpfe
Einige Spieler werden den 1. FC Köln nach der Saison verlassen, wahrscheinlich aber nicht solche, die riesige Lücken hinterlassen – mit einer kleinen Ausnahme.
Petit wird gehen, das ist mittlerweile sicher. Nach drei sehr soliden Jahren wird er sicher mit kölschen Ehren verabschiedet, auch wenn seine Leistungen in den letzten Monaten stark nachließen. Nationalmannschaftsmeriten auf den Briefkopf, Briefmarke drauf und ab nach Dubai oder so. Damit fehlt ein solider Abräumer, der nicht mehr Stamm spielte.
Innerlich verabschiedet habe ich mich auch von Mato Jajalo, was äußerst schade ist. Ein Jahr war er aus Italien ausgeliehen, eine Kaufoption existiert, liegt aber wohl bei 3 Millionen Euro. Zu viel für uns und einen Spieler, der wunderbare Anlagen zeigt aber den Durchbruch noch nicht vollkommen geschafft hat. Was hat sich Meier bei diesem Leihvertrag gedacht? 3 Millionen hätte Köln nie für ihn aufbieten könnten. Europa League eingeplant oder was? Mit Jajalo wird ein Stamm-Sechser fehlen, der allerdings durch Matuschyk ersetzt werden kann – der ist ebenfalls beidfüßig und jung.
Willi Sanou wird wohl auch gehen. Dass er hier ist, ist überhaupt ein Treppenwitz. Sein Vertrag in Köln wäre im Sommer 2010 ausgelaufen, hätte man ihn nicht schon im Januar 2010 loswerden wollen – deshalb wurde er ein Jahr zu Volker Finke nach Japan ausgeliehen, und damit das funktionierte, wurde der Vertrag um ein Jahr verlängert. Versteht keiner, und jetzt trainiert Sanou fleißig und wird doch nie wieder eine Chance bekommen, weil es bei ihm einfach nicht für die erste Liga reicht. Tendenz: Liga 2, wenn er sich verpokert noch drunter.
Mir blutet das Herz bei der Vorstellung, Fabrice Ehret gehen zu lassen. Sein Vertrag verlängert sich nur, wenn er bei den verbliebenen sieben Spielen sechs Mal auf dem Platz steht. Gegen Nürnberg war er nicht einmal im Kader. Ich würde ihn behalten wollen, weil er ein loyaler und fleißiger Linksaußen ist, den man immer reinwerfen kann – zudem ein perfekter Konterspieler.
Nicht leicht wird die Aufgabe, Konstantinos Giannoulis loszuwerden. Ich tue mich immer noch schwer mit dem Namen, weil man ihn nie schreiben musste. Dieser Mann ist schlicht ein Phantom, er hat nie gespielt, ist oft verletzt und wird auch in fittem Zustand hinter Eichner, Salger und Ehret als Linksverteidiger geführt. So nimmt er nur Kaderplatz weg.
Ähnlich sieht es bei Sebastian Freis aus: Nach guten Jahren in Karlsruhe und einem passablen Jahr in Köln ist er jetzt kaum noch einsetzbar, weil er auf allen seinen Positionen deutliche Defizite besitzt. Er ist nicht mehr so schnell wie zu Anfang, er hat sämtlichen Torinstinkt verloren, Technik und Spielübersicht hatte er nie. Tendenz: Abgeben, um jeden Preis. Als ablösefreier junger deutscher Spieler mit guten Torwerten wird sein Gehalt nicht niedrig sein.
2. Die Lücken
In der ersten Elf gibt es genau eine Lücke: Die des linken Mittelfeldspielers. Dort spielt derzeit Christian Clemens, der zwar ein Goldjunge ist und uns sicher viel Freude bereiten wird, aber der nicht konstant genug spielt und zudem auf rechts stärker ist. Adil Chihi ist Linksfuß, war rechts aber auch meist besser. Für das rechte Mittelfeld haben wir also Peszko, Clemens, Chihi, in dieser Reihenfolge. Auf links fehlt der klare Stammelfkandidat. Es wird nicht leicht, einen Spieler für diese Position zu finden, weil das Geld knapp ist. Ein Leihgeschäft wäre unter Umständen möglich, damit hat beispielsweise der 1. FC Nürnberg gute Erfahrungen gemacht – allerdings verschiebt dies das Problem nur um ein Jahr. Ein Jahr, in dem sich der Verein finanziell konsolidieren, sich weiter seinen Namen als stabiler Erstligaclub machen, für sich mit einer guten Entwicklung werben könnte. Auch in die zweite Liga zu gucken lohnt sich: Da hat sich Mainz mit Zoltan Stieber aus Aachen leider einen Spieler geholt, den ich auch gerne in Köln und auf der Position im linken Mittelfeld gesehen hätte. In Augsburg läuft der Vertrag von Ibrahima Traoré aus, der öfter mit Stuttgart in Verbindung gebracht wurde – gut möglich, dass dieser Wechsel ebenfalls schon durch ist, mit Stuttgarter Gehältern dürfte Köln außerdem nicht mithalten können.
3. Den Blick auf den Platz: Doppelt zu besetzende Positionen
Nach den Stammkräften gibt es einige Lücken. Am besten junge, ambitionierte Spieler, die auf der Bank nicht motzen, sondern sich anstrengen und Druck auf die erste Elf ausüben. Hier sehe ich vor allem drei Positionen.
Das defensive Mittelfeld. Gehen Petit und Jajalo, sitzt hinter Lanig und Matuschyk nur der blutjunge Yabo auf der Bank, der bislang nicht restlos überzeugt hat. Mindestens ein Spieler muss hier kommen. Die Spatzen pfeifen schon, dass es Marco Höger aus Aachen wird, ein 21 Jahre alter Sechser, den ich nur aus zwei Facetten kenne: Er hat ein Tor gegen 1860 München gemacht und wird in Köln gehandelt. Keine U-Nationalmannschaft. Stammspieler in Aachen. Man wird sehen.
Rechtsverteidiger. Eigentlich war Miso Brecko der Bankkandidat, als er geholt wurde. Dann entzündete sich der Herzmuskel von Ümit Özat, und seitdem ist er der alternativlose Außenverteidiger, denn Andrezinho erfüllt die Erwartungen nicht. Und plötzlich macht Brecko das in dieser Rückrunde richtig gut. Dennoch: Einer reicht nicht, und man kann, falls er fehlt, nicht immer nur auf gelernte Innenverteidiger wie Christopher Schorch zählen, die höchstens mal bis zur Mittellinie vorstoßen. Bienvenue Basala-Mazana rückt zwar nach, hat sich bisher aber noch kein bisschen aufgedrängt. Eine 1-A-Möglichkeit wäre, Julian Koch in Dortmund auszuleihen. Der war als Leihspieler bester Duisburger der Saison und wird in Dortmund Owomoyela und Pisczcek vor sich haben. Ein Jahr Köln könnte ihm gut tun. Finde ich.
Im Sturm fehlt jegliche Alternative zu Milivoje Novakovic. Der trifft derzeit schön und regelmäßig, aber ausschließlich zuhause. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Saison 2011/12 wird aber sein, sich auswärts zu stabilisieren, außerdem wird Novakovic nun auch nicht jünger. Das Aufgabenprofil des Schaefer-Stürmers ist klar: Torriecher, kopfballstark, Bälle halten, Räume reißen. Das schließt beispielsweise für mich einen Helmes-Heimkehrer bei Wolfsburger Abstieg aus. Choupo-Moting könnte sich gemütlicher an einem funktionierenden Fax versuchen, spielt aber auch nur noch Regionalliga mit der HSV-Reserve. Ein ebenso risikobehafteter, aber günstiger Kandidat könnte Markus Rosenberg sein, der im Sommer nach Bremen zurückkommt und dann sicher wieder abgegeben werden soll – ebenso wäre unter Umständen eine Leihe von Marcus Berg aus Hamburg möglich. Man wird sehen.
4. Spielen, spielen, spielen – die Leihkandidaten
Spielpraxis ist mehr, als jede Woche 90 Minuten länger Fußball zu spielen als die Banksitzer. Spielpraxis heißt Rhythmus, Selbstvertrauen, Erfahrung. Die kann auch der 1. FC Köln nicht allen seinen Spielern bieten. Die U23 kann zwar etwas auffangen, aber die vierte Liga ist dann doch nicht das Optimum. Deswegen würde ich persönlich gerne mehr Spieler ausleihen.
Allen voran: Taner Yalcin. Der zeigt nämlich alle Ansätze, irgendwann unser Ballverteiler in der ersten Liga zu werden, hat auf der 10 derzeit aber Lukas Podolski vor sich, und es wäre ein Wunder, könnte er den in der Sommervorbereitung verdrängen. Hust. Andere Positionen sind für ihn schwierig, auf der Sechs ist er defensiv zu schwach, auf den Flügeln aufgrund mangelnder Schnelligkeit ebenso verschenkt wie damals Thomas Broich. Ab in die zweite Liga, ein Jahr Stamm spielen.
Alexandru Ionita hat bisher in Köln bis auf die Sommervorbereitung nichts gezeigt, was die 1,5 Mio Ablöse rechtfertigt. Sein Selbstvertrauen dürfte weg sein. Dabei bin ich mir sicher, dass er mal ein guter Bestandteil des Kaders werden dürfte. Am Besten gleich im Paket mit Yalcin runter.
Miro Varvodic hat mediokre Leistungen gezeigt, als Faryd Mondragon ausgemustert war. Trotzdem gab es schon im Sommer Interesse eines vom kicker nicht genannten spanischen Erstligisten. Wir haben keine Probleme, wir haben Rensing und in der Hinterhand Kessler, aber es schadet nie, seine Alternativen im Wettkampf zu testen. Es gibt sicher Zweit- bis Drittligisten, die ihn nehmen würden.
Christopher Schorch sollte im Winter ausgeliehen werden, wollte aber nicht weg ohne zu wissen woran er ist. Osnabrück war wohl interessiert. Bleiben die drin, können sie ihn sicher brauchen. Und hätten mit Nickenig und Schöneberg dann eine schöne Ex-FC-Abwehr.
5. Long story short: Meine Aufstellung zur kommenden Saison, erste Elf und Reserve:
————Novakovic———–
–Neu——Podolski—–Peszko–
——Matuschyk——Lanig——
-Eichner-Mohamad-Geromel-Brecko-
————Rensing————-
——–Choupo-Moting——–
-Ehret—–Clemens—-Chihi-
———Höger-Yabo———
-Salger-Pezzoni-McKenna-Neu-
————Horn————
Es wird Zeit, an die Kaderplanung für die kommende Saison zu gehen. Das klingt blöd, weil Volker Finke natürlich nicht auf mich hört und weil der Klassenerhalt trotz sieben Punkten Vorsprung noch nicht gesichert ist. Aber er ist in etwa so sicher wie die Meisterschaft von Borussia Dortmund. Gute Voraussetzungen also. 1. Die ...