Sportteil

Junge, Junge.

April 19th, 2010

Das Ding ist durch. Wenn ich das richtig verstehe, gibt es keine mathematische Möglichkeit mehr, dass der 1. FC Köln in dieser Saison absteigt. 37 Punkte nach 31 Spieltagen sind vollkommen in Ordnung. Dazu in der Tabelle vor Mönchengladbach und der TSG Hoffenheim. Das erfreut mein Herz.

Irgendwie ist es trotzdem aus FC-Sicht in der Berichterstattung ein komischer Spieltag gewesen. Selten habe ich einen so lustlosen Sportschau-Bericht gesehen, der nur ca. vier Szenen abgespult hat. Dabei gab es durchaus mehr zu sehen. Zum Beispiel ein wunderschönes Solo von Fabrice Ehret, der offensichtlich Lust hat uns allen zu beweisen, dass er doch Linksverteidiger mit Offensivdrang sein kann.

Und natürlich ist Zoran Tosic ein überragender Fußballer, das war nicht erst am Freitag klar.

Doch am schönsten am Freitag war, dass Zvonimir Soldo Wort hielt. Sobald der Verein gesichert sei, würde er auch auf junge Spieler setzen, hat er gesagt. Und neben dem jetzt schon unverzichtbaren Adam Matuschyk durfte dann auch plötzlich Taner Yalcin wieder mitspielen und dankte es mit einem Pass zum 1:0, den man so in Müngersdorf seit Jahren nicht gesehen hat. Und am Ende durfte dann Reinhold Yabo, eine der größten FC-Jugendhoffnungen und U17-Europameister, seine ersten Profiminuten spielen, in denen er eine Zweikampf- und Passquote von 0% (bei jeweils einem Versuch) erreichte – somit ist er das Gegenteil von “Mister 100%” Tobias Nickenig, der in seiner gesamten Bundesligakarriere keinen einzigen Zweikampf verlor (bei ebenso vielen Versuchen).

Man darf also davon ausgehen, dass dieser Kurs jetzt fortgesetzt wird. Ob Maniche noch jemals in seinem Leben das FC-Trikot trägt, wage ich zu bezweifeln – da passen finanzieller Rahmen, sportliche Leistung, Konkurrenz im Kader und Geschehen abseits des Platzes nicht soweit zusammen bzw. heben sich auf, dass man noch viel erwarten dürfte. Weitere Kandidaten für erste Einsätze in der A-Mannschaft dürften Linksverteidiger Stephan Salger und Stürmer Simon Terodde sein. Auf den Positionen von Pierre Womé und Milivoje Novakovic, also genau zwei hochbezahlten, erfahrenen Profis, die in dieser Saison weit unter ihren Möglichkeiten blieben. So schlecht ist das nicht.

Nur schade, dass Bienvenue Basala-Mazana weiterhin verletzt ist. Denn eine Konkurrenz für Miso Brecko, das wäre auch mal was.

 

Mal wieder die Noten:

Mondragon (3) – Ehret (2), Geromel (3), McKenna (3), Brecko (3) -  Petit (3), Matuschyk (3), Yalcin (3), Tosic (1) -  Podolski (2), Novakovic (3,5), eingewechselt Brosinski (2,5)

Matuschyk, hau mich raus

April 11th, 2010

Wieviele blöde Wortspiele man mit diesem Vornamen machen kann. “Adam Riese”, zum Beispiel, danke Express. Und alles, was mit der Bibel zu tun hat, natürlich.

Tatsache ist: Seit gestern ist Adam Matuschyk vollständig im Bundesliga-Fußball angekommen. Zwei Tore machen sogar die Sportschau aufmerksam auf diesen Typen, der aufgrund seiner Spielweise sonst unterhalb des Radars spielt.

Den Spieler Matuschyk zu beschreiben, fällt ziemlich schwer, wenn man gewohnt ist, Fußball als Spiel der Aktionen zu begreifen – was uns durch Zusammenfassungen, Zeitlupen und umfangreiche Statistiken aufgestülpt wird. Was auffällt ist, dass Adam Matuschyk im Zentrum eigentlich immer da ist. Waghalsige Dribblings, atemberaubende Sprints, Fallrückzieher sind nicht seins. Aber er ist immer da. Insofern ist vielleicht ein Typ wie Michael Ballack, nur ohne die Präsenz über die Physis, ohne die Kopfballstärke. Aber er ist passsicher im ruhigen Aufbau und traut sich auch mal, risikoreich die Offensivabteilung einzusetzen. Dass das gestern nicht funktionierte, lag weniger an ihm als an den Stürmern.

Für den Rest der Saison dürfte Adam Matuschyk gesetzt sein, zumal Maniche mal wieder gesperrt ist. Außerdem ist der Klassenerhalt so gut wie gesichert, wass Zvonimir Soldo in der Vergangenheit als Bedingung für den Einsatz junger Spieler formulierte. Insofern können wir uns vielleicht bald auf die Einsätze von Talenten wie Bienvenue Basala-Mazana und Reinhold Yabo freuen. Und Matuschyk kann zeigen, dass er unverdientermaßen unter dem Radar flog.

7 Punkte (1)

April 6th, 2010

I. Wenn einer einen beschimpft und der eine halbvolle Plastikflasche nach dem wirft, ist das außerhalb eines Fußballstadions völlig irrelevant. Weil aber Fußballer Vorbilder sein sollen (wer glaubt das eigentlich noch? Und sollten Gladiatoren in Rom Vorbilder für Klein-Julius sein?), fordert Mike Glindmeier bei Spiegel Online jetzt die Auflösung seines Vertrags – und nicht nur er soll gehen, sondern auch Frank Rost, weil der im Anschluss an das Spiel nicht seine tiefe Bestürzung über den Ausfall seines Kollegen äußerte.

Natürlich ist es nicht gut, was Guerrero da  gemacht hat. Eine Geldstrafe und meinetwegen auch eine DFB-Sperre ist total okay. Das mit Cantonas legendärem Kung Fu-Tritt zu vergleichen ist aber vollkommen abstrus. Guerreros Wurf ist ein symbolischer Akt. Wirklich schaden kann man damit niemandem, es sei denn es kommt wirklich übel. Wer mit dem gestreckten Bein voran jemandem in den Brustkorb springt, legt es auf eine Verletzung an.

II. Wo wir bei Flaschen sind: Einen emotionalen Ausbruch würde man sich in Köln abseits der Tribünen auch mal wünschen. Dort ergaben sich elf Spieler auf dem Rasen dem Tabellenletzten der Bundesliga so, als würden sie gerade um den Karo-Kaffee-Cup spielen und nicht um den Verbleib in der ersten Liga.

III. Wo wir bei Kaffee sind: Da wo Faryd Mondragon herkommt, kommt auch ziemlich guter Kaffee her. Den sollte er vielleicht mal probieren – so wie er in letzter Zeit spielt, scheint er nämlich Probleme mit Müdigkeit zu haben. Oder mir voreiliger Arroganz.  Wer so übermotiviert aus dem Strafraum rennt wie Mondragon am Samstag, sich es dann anders überlegt und locker zum Tor zurückjoggt, während dort gerade der Ball hingeflankt wurde, der hat ein Problem. Und zwar hoffentlich eines, das sich beheben lässt. Im Notfall durch Tom Starke.

IV. Einen starken Eindruck hat der FC Bayern in den letzten sieben Tagen hinterlassen. Gegen zwei Topvereine jeweils 2:1 gewonnen, und das obwohl wichtige Spieler ausfielen. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, dass diese Bayern Meister werden (obwohl ich es mir angesichts der Alternativen wirklich wünsche). Denn mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Bayern zwar die wichtigen Spiele gewinnen, danach aber einen Spannungsverlust erleiden. Während Magath die Top-Spiele mit seinem komischen Lächeln zur Kenntnis nimmt, sammelt er stoisch und langweilig die Punkte gegen Köln, Frankfurt und co ein. Punkte, die keiner gesondert wahrnimmt. Es sei denn, der FC Bayern verpasst sie.

V. Verpassen wird die TSG Hoffenheim mal wieder selbst gesteckte Ziele. Auch wenn ein elfter Platz für einen Aufsteiger in seiner zweiten Bundesligasaison gar nicht so schlecht klingt – dieser Verein hat im Sommer 2009 über 16 Millionen Euro in einen Kader investiert, der in den zwei Jahren zuvor schon für 30 Millionen aufgepumpt worden war. In diesen Dimensionen bewegen sich nur wenige deutsche Vereine. Es scheint, als wäre Hoffenheim in der Realität angekommen, die heißt: Ansprüche wachsen. Und wenn sie nicht erfüllt werden, geht es bergab.

VI. Bergbau gibt es in Dortmund höchstens noch in musealen Spurenelementen. Und trotzdem kann man in der Stadt ehrliche Arbeit sehen. So abgegriffen dieses Bild auch ist. Der wohl sympathischste Verein der Liga (vor meinem eigenen!) spielt Fußball, den ich mir gerne angucke. Und Dortmund in der Champions League, was mittlerweile gar nicht so unwahrscheinlich ist, wäre eine schöne Vorstellung.

VII. Die Vorstellung, dass diese Saison bald vorbei ist und ich mich auf eine WM konzentrieren kann, die ich recht emotionslos verfolgen kann, erfreut mich. Es reizt mich nicht, den Weltmeistertitel nach Deutschland zu hoffen. Es reizt mich höchstens, Jogi Löw nicht mehr auf seinem Posten zu sehen, wenn diese WM nicht so läuft wie erhofft. Doch dazu mehr beim nächsten Mal.

Gerüchteköche (1)

April 5th, 2010

In loser Folge ab jetzt: Die schönsten Zitate aus der transfermarkt.de-Gerüchteküche

#1 Wenn ich in irgendeinem Fußball-PC-Spiel Arsenal nehme, hole ich mir auch immer sofort Neuer, weil ich von Almunia absolut nichts halte. Dies hat wohl mittlerweile auch Wenger mitbekommen

Kurz kluggeschissen (1)

März 19th, 2010

"Die Mannschaft bringt eine Menge Erfahrung mit: Mondragon, die zwei Portugiesen im Mittelfeld, Podolski, Novakovic. Insgesamt liegen die Kölner und wir sowohl punktemäßig als auch von der individuellen Besetzung her nicht weit auseinander. Der Unterschied: In der Kölner Mannschaft steckt mehr Geld. Wir sind noch nicht so weit, zehn Millionen Euro für einen Spieler zu zahlen."

Herr Frontzeck vor dem Derby

Gucken wir uns die letzten Aufstellungen und die Ablösesummen an:

Mondragon    0,4
Ehret        0
Mohamad      1,5
Geromel      2,5
Brecko       0
Petit        0
Maniche      0
Matuschyk    0
Freis        0
Podolski     10
Novakovic    1,4
             –
             15,8

Bailly       2,5
Daems        0,3
Brouwers     0,3
Dante        2,5
Levels       0
Meeuwis      1,7
Bradley      2,5
Reus         1
Arango       3,6
Bobadilla    4,2
Colautti     1,6
             –
             20,2

Mir ist bewusst, dass abseits von Ablösesummen auch Handgelder und Gehälter (Maniche, meine Güte) ein wichtiger Faktor sind. Aber Frontzeck geht ausdrücklich auf die eine Ablösesumme ein. Zudem in gutem Wissen, dass die nur zum Teil vom FC gestemmt werden musste. Und solche Gewaltakte wie die Januareinkäufe 2009 gabs beim FC nicht.

 

Der mit dem Ball jumpstylet.

März 10th, 2010

Dies soll ein Text über Sebastian Freis werden. Es soll keine Huldigung und keine Schmähung werden, eigentlich ist das Ende offen. Denn auch wenn der Typ jetzt seit acht Monaten in Köln ist, bin ich noch nicht schlau aus ihm geworden.

Immerhin ist er kein Unsympath. Er stänkert nicht rum, er bedeutet dem Publikum nicht still zu sein wenn er ein Tor schießt, er fällt nicht durch Schwalben oder Tätlichkeiten auf. Man könnte sagen, Sebastian Freis ist das Teflon unter den massenmedial präsentierten Fußballlern. Wäre da nicht seine Stimme, die nicht aus seinem Mund, sondern seinen Nasenlöchern zu kommen scheint und viel zu hoch ist für einen Mann seines Alters. Seis drum.

In Köln wie in Karlsruhe spielt Freis meistens auf der rechten Außenbahn, was heißt, dass er je nach Ballposition vorderer Rechtsverteidiger, Mittelfeldspieler oder Rechtsaußen ist. Am liebsten aber ist Sebastian Freis zentraler Stürmer, und seine Tragik besteht darin, dass er dort fast nie spielen darf, aber seine besten Szenen hat, wenn er einfach mal nach innen rückt.

Dann hat er ein Gespür für den richtigen Moment, um durch die Schnittstelle der Abwehr zu starten und alleine aufs Tor zuzulaufen. Außergewöhnlich schnell ist Freis nicht, aber es reicht für die meisten Innenverteidiger allemal.

Dann allerdings hat Freis den Ball und es wird brenzlig. Denn ein begnadeter Techniker ist er nicht. Sollte Freis jemals den Ball über den herauslaufenden Keeper ins Tor lupfen, trinke ich eine Flasche Rebellenblut auf ex und stelle das YouTube-Video davon hier online.

Freis also läuft auf den Torwart zu. Sein linker Fuß dient dazu, dass er nicht nur auf dem rechten hüpfen muss, also muss er irgendwie mit rechts schießen. In vier von fünf Fällen deutet er den Schuss an und versucht in vollem Lauf am Torwart vorbeizusprinten. In 2 dieser 5 Fälle gelingt ihm das, und ungefähr ein Mal erreicht er den Ball noch vor der Torauslinie, um ihn ins Tor zu schieben.

Versucht er diese Möglichkeit nicht, schießt Sebastian Freis einfach drauf. Und trifft mal das Tor, mal den Zaun dahinter und mal die Nase seines Gegenübers, das nicht immer René Adler heißen muss.

Aber immerhin macht Sebastian Freis manchmal was draus. Und er hängt sich immer rein. Der Ball ist nicht sein Freund, wie das bei Lukas Podolski ist, er ist auch nicht sein spanischer, tangotanzender Geliebter wie bei Bayerns Flügelspielern Ribéry und Robben. Ist der Ball bei Sebastian Freis, macht er was er will. Und weil Sebastian Freis brauchbar schnell und recht wendig ist, schafft er es, den Eskapaden des Balles zu folgen. Techniker, wie es die meisten Spitzen-Verteidiger mittlerweile sind, kommen da nicht mit. Ihnen gehorcht der Ball. Tut er es mal nicht, hat Freis seine Torchance.

Und dafür ist er doch eigentlich ganz brauchbar.

Wie das so ist mit uns Kölnern und Nichtkölnern, die in Köln Bundesligafußball sehen möchten: Wir sind himmelhochjauchzend zu Tode betrübt. Und über allem schwebt das Naturrecht auf die Champions League. Zumindest ist das bei den üblichen Verdächtigen (Bild, Express, Bayernblogger) ein Vorurteil, das sich so hartnäckig hält wie die Geschichte mit den bei Regen durch Hochgucken ertrinkenden Puten.

Aber weil wir jetzt zwei Mal in Folge verdient gegen den Tabellenführer unentschieden gespielt haben und beide Male durchaus die Möglichkeit hatten, den Siegtreffer zu erzielen (Gell, Basti Freis?), kann man sich schon mal fragen, wieso dann zwischendrin solche Dinger sein müssen wie gegen Stuttgart und Hoffenheim. Und optimistisch nach vorne gucken. Und weil ich weder genug Zeit noch genug Kreativität für 1425 Gründe (die Zahl scheint ja zum Fetisch aller Berichterstatter zu werden) hatte, gibt es halt 14,25.

1. Das neue System ist gefunden: Lukas Podolski darf in die Spitze, und der nur seiner Größe wegen als Mittelstürmerprototyp empfundene Milivoje Novakovic muss auf die Flügel. Beide Flügel, weil er sich da mit Sebastian Freis abwechseln darf (zu dem demnächst noch ein eigener Artikel kommt). Hinten schiebt Petit alle ankommenden Angriffe mit überragendem Stellungsspiel (isso!) auf die Flügel, wo sich zu unseren zwei Außenverteidigern dann noch jeweils ein weiterer defensiver Mittelfeldspieler gesellt, der bei Ballbesitz mit nach vorne geht. Das ist laufintensiv, funktioniert aber.

2. Faryd Mondragon hat wieder Druck. Man sollte ihm am besten nur Dreimonatsverträge geben, denn sonst wird er anscheinend nachlässig. So nach der Vertragsverlängerung bis 2011 im Winter. Jetzt gibt es ein überaus konkret klingendes Gerücht, nachdem uns Tom Starke aus Duisburg verstärken soll, und er haut wieder Paraden raus, die man einem Baldvierziger nur zutraut, wenn er bei Bayern oder Stuttgart spielt.

3. Maniche bekommt Gegenwind. Zwar nicht offiziell, da stehen noch alle hinter ihm. Aber sein Status ist längst nicht mehr so sicher, wie es sein Name und sein Gehaltsscheck vermuten lassen. Das fördert das Gerechtigkeitsempfinden im Team und dürfte ihn zusätzlich motivieren. Eine direkte Folge der Einsätze von

4. Adam Matuschyk. Der Typ ist ein Phänomen auf seine eigene Weise. Nichtmal bei den Insidern der FC-Reserve wäre er als das nächste Eigengewächs mit Profiminuten vorgeschlagen worden, dafür war er zu unauffällig. Aufmerksam wurde man erstmals, als er aus der Regionalliga West heraus für die polnische Nationalmannschaft berufen wurde. Und ab da ging es aufwärts. Matuschyk mag aussehen wie der letzte verbliebene Tankwart, aber er zeigt Einsatzwillen, Passsicherheit, offensiven Mut und defensive Disziplin. Im Prinzip das, was man sich von Maniche erhofft hatte. Man kann davon ausgehen, dass er zunächst mal bei Soldo gesetzt ist.

5. Wir haben nur noch einen gelernte Außenverteidiger. Klingt erstmal paradox, außerdem ist ja Pierre Womé noch da. Der würde allerdings, wenn er nicht aus Afrika käme (Staatsbürgerschaft und so), längst bei der U23 spielen. Der Abschied im Sommer ist so sicher wie der Klassenerhalt des VfB Stuttgart. So ist nur noch Brecko da und muss nach links, während rechts McKenna spielt. Das freut einen für McKenna und sorgt dafür, dass man bei jeder Spielsituation drei Abwehrspieler hinten hat. McKenna ist nämlich das Gegenteil des Flügelflitzers. Und so kann sich Brecko vorne austoben, was durchaus funktioniert, wenn er seine Räume kriegt.

6. Der Vorsprung vor dem Relegationsplatz ist nicht zu groß. Die Punkte sind zwar ein schönes Polster, haben aber nichts mit “gesichertem Klassenerhalt” zu tun. Bequemlichkeit kann sich hier nicht breitmachen.

7. Man hat es selbst in der Hand. Gegen alle Vereine, die in der Tabelle unter Köln stehen, spielt man noch. Das sind Hertha, Hannover, Freiburg, Nürnberg, Bochum. Vier davon empfängt man in Müngersdorf. Gelegenheit genug, die Stadt mit überzeugenden Heimspielen hinter sich zu bringen.

8. Planungssicherheit. Der Kader der dritten Bundesligasaison infolge steht in Grundzügen. Es gilt nicht, um ein paar Stofffetzen herum eine Hose zu nähen, sondern die Löcher an Gesäß, Knie und Schienbein zu stopfen. Namentlich: Außenverteidiger, kreative Flügelspieler, ein Stürmer. Den Stürmer gibt es schon, und man darf auf Ionita mehr als gespannt sein. Zudem dürfte den Sommerabgängen schon klar sein, dass sie sich einen neue Verein suchen können und müssen. I’m a lookin at you, Manasseh Ishiaku und Pierre Womé. Einzig Maniche hätte noch die Möglichkeit sich festzuspielen, ansonsten darf man auf einen finanzstarken Ostverein hoffen, der ihn mit einem Fabelgehalt ködert.

9. Trainerfestigkeit. Ich gebe zu, ich habe Soldo schon verflucht. Aber der Typ sitz so ruhig und fest im Sattel, dass es eine Augenweide ist. Und im Gegensatz zu gewissen Unpersonen vorher hat er keine abstruse Ausstiegsklausel. Gleichzeitig spielt der FC  auch nicht einen solchen Wunderfußball, dass der HSV im Sommer bereit wäre, wieder mal einen Trainer aus seinem Vertrag herauszukaufen.

10. Lukas Podolski findet sich. So ein gutes Spiel von ihm habe ich zuletzt gegen Zypern, gegen Portugal und gegen Arminia Bielefeld im Jahr 2006 gesehen. Und ohne daraus einen Trend ableiten zu wollen: Da hat einer aus einer tiefen Krise (Argentinienspiel, Journalistenprügel, eintausendvierhunde.. ach ich hör schon auf) herausgefunden in ein gutes Spiel (Leverkusen) und ein exzellentes (Bayern, wie exzellent zeigt sich daran, dass die Notenamateure von Sportal sich nicht trauten, ihm die beste Note aller Spieler zu geben, während das für den kicker kein Problem war). Außerdem spielt er jetzt wie gesagt da, wo er hinwollte, und das macht er gut.

11. Das Umfeld ist mal ruhig. Natürlich gibt es immer Versuche, durch hanebüchene Geschichten irgendwelche Skandale in den Verein zu schreiben, aber wirklich aufgenommen werden diese nicht. Es ging nichtmal ein Aufschrei rum, als Wolfgang Overath in der Bild gegen die 50+1-Regel schoss und damit implizierte, einen Investor für den Verein zu suchen.

12. Leverkusen und Gladbach straucheln. Während man die Bayer-Initiative getrost in ihrer eigenen Liga spielen lassen kann (machen ja auch gute Arbeit), muss man bei Mönchengladbach doch genauer hingucken. Die werden nämlich schon seit Saisonbeginn derart gelobt, dass man sie um die Europa League-Plätze mitspielen sehen müsste. Aber die sind ganz nah bei uns. Und so gehypte Leute wie Dante (geiler Typ, sollte angeblich ja auch mal zu uns) kommen in eine Formkrise. Und das Geld sitzt nach den (guten) Panikkäufen des letzten Winters auch nicht mehr so locker. Ich bin gespannt, wer da am Ende vorne steht.

13. Die wirklich harten Gegner haben wir hinter uns. Bayern? Done. Leverkusen? Done. Schalke? Damn. HSV? Done. Dortmund? Doppel-Damn. Stuttgart? Reden wir nicht drüber. Die stärksten Vereine der Liga haben wir schon überstanden. Sicher kann man noch einige Niederlagen fest einplanen (Hoffenheim, Bremen), aber eigentlich sind sie alle schlagbar. Solange man einen guten Tag erwischt.

14. Die Sprache Deutsch setzt sich durch. Genau weiß ich es natürlich nicht, aber was man so hört ist, dass sich da langsam eine Elf durchsetzt, die problemlos miteinander kommunizieren kann. Pedro Geromel lernt schneller deutsch als jeder Schweizer, Youssef Mohamad ist als Kapitän auch vorne dabei. Das heißt, in der Startelf standen gegen Bayern nur Faryd Mondragon, Petit und Maniche als Fremdsprachler. Außerdem immerhin mit Podolski, Freis, und Matuschyk drei Deutsche, von denen zwei Eigengewächse sind. Pezzoni und Chihi als Stammkräfte sind verletzt. Da wächst was.

14,25: Nur ein Viertelgrund: Ich hab ein gutes Gefühl. Mag aber auch am Wetter liegen.

Zwischen allen Stühlen

Februar 20th, 2010

Es waren merkwürdige FC-Wochen. Man dachte, jetzt würde alles gut, man war punktgleich mit Mönchengladbach und Hoffenheim. Und dann kommen Augsburg und Schalke, und alles ist wieder schlecht?

Die Wahrheit sitzt genauso zwischen den Stühlen wie der FC. Das Augsburg-Spiel war in jeder Hinsicht miserabel. Der FC geriet mal wieder unglaublich früh und unglaublich dumm in Rückstand – wie kann es sein dass ein Typ, der quasi alle Tore für den Gegner erzielt, im Fünfmeterraum ungedeckt bleibt? Kapiere ich nicht.

Aber man sollte auch nicht Thorsten Kinhöfer vergessen. Ich habe noch nie einen so schlimmen, schlechten Schiedsrichter gesehen wie in dieser Partie. Eine indiskutable rote Karte für Adil Chihi, da gibt es wohl kaum zwei Meinungen. Jeweils zwei gelbe Karten für Podolski und Petit für Meckern, während Augsburgs Sinkala alles und jeden ungestraft umholzen durfte. Maniche bekommt Gelb dafür, dass er gefoult wird und verletzt vom Feld muss. Es ist alles unverständlich.

In Schalke ging es genauso weiter. Ein im Prinzip solides Spiel ohne irgendwelchen Druck nach vorne, dann der übliche Schalker Freistoß-Treffer, und dann übt sich der Schiedsrichter mal wieder in kreativer Regelauslegung. Chihi bekommt den Ball, rennt in den Strafraum, und in einer unnachahmlichen Art schafft es Schalkes Schmitz, in einem einzigen Bewegungsablauf im Sechzehner erst Hand zu spielen und dann Chihi umzureißen. Es gibt Abstoß für Schalke.

Nun muss nahezu jede Mannschaft mit Fehlentscheidungen umgehen – Hoffenheim hat das gestern zum Beispiel getan. Trotzdem hilft es, die Situation zu verstehen. Und eigentlich ist es auch gar nicht schlimm, gegen Schalke zu verlieren. Und dass sowas wie gegen Augsburg passiert, macht den Pokalwettbewerb doch erst möglich.

Sorgen macht mit Lukas Podolski, der einfach in keiner Weise zu seinem Spiel findet. Der Grund dafür ist mir unersichtlich. Vielleicht hat er soviel Angst, dass ihm Egoismus vorgeworfen wird, dass er sich nicht einmal steil schicken lässt.

In einer Viertelstunde geht es gegen den VfB Stuttgart. Sicher eingeplante 0 Punkte. Wir werden sehen.

Holpriger Titel, aber immerhin den Siegtorschützen ebenso untergebracht wie eine Hommage an Muff Potter.

Wer hätte das gedacht. Ohne Novakovic und Podolski läuft alles besser. Kaum fallen beide aus, schießt der FC in 200 Minuten 7 Tore und holt 6 Punkte. Ein Sebastian Freis zeigt plötzlich, dass er Fußball spielen kann. Ein Maniche schießt sein erstes Tor für den FC. Ein Petit stellt die Räume zu und ein Womé spielt fast fehlerlos.

Einzig: Das läuft alles nur auswärts. Da, in der Auswärtstabelle, steht der 1. FC Köln auf Platz 6. Vor dem HSV, vor Hoffenheim, vor Mainz, vor Mönchengladbach und vielen anderen. Zuhause dagegen hat man wieder Schiss vor Pfiffen, vor Druck und dem Express. Oder so. Ich erwarte jedenfalls nichts  für den kommenden Samstag, wenn es gegen den angeschlagenen HSV geht.

Das Spiel heute war zunächst einmal typisch. Soldo hatte im Vorfeld verlauten lassen, man habe gewisse Schwierigkeiten der Eintracht bemerkt, das Spiel selbst zu gestalten. Also versuchte der FC, die Frankfurter genau dazu zu zwingen. Was insofern funktionierte, dass es nur wenige Chancen gab, auf FC-Seite sogar kaum eine nennenswerte.

In Hälfte 2 wurde es dann beidseitig besser – weil beide merkten, dass drei Punkte ne verdammt gute Sache wären.

Das letzten Endes der FC das 1:0 schoss, verdankt er Marco Russ und Sebastian Freis. Freis, weil er von links schön in die Mitte zog und statt den halbgaren Abschluss zu suchen in die Mitte legte. Und Russ, weil er davon so überrumpelt war, dass Maniche den Ball freistehend am Elfmeterpunkt annehmen und, ganz ladylike, per Außenrist ins Tor bugsierte.

Das 1:1 dagegen musste wieder nach einer Ecke fallen. Das ist mittlerweile besorgniserregend, wie anfällig man bei Standards ist. Fünf der letzten sechs Gegentore fielen nach Standards, das dürfte einen Spitzenwert darstellen.

Den Siegtreffer besorgte dann wiederum Marco Russ. Was man dabei nicht vergessen darf, ist dass Petits Freistoß zuvor sehr gut geschossen war – Nikolov war nicht umsonst auf dem Weg in die falsche Ecke.

Es bleiben Erkenntnisse haften. Mondragon ist wieder auf Hinrundenniveau angekommen und macht Freude. Maniche ist auf der offensiven zentralen Position mittlerweile ziemlich gut aufgehoben. Aber am wichtigsten: Zoran Tosic zeigt das, was ich mir von ihm erhofft habe. Ein bisschen Arschlochattitüde, aber vor allem kleine Geistesblitze und schöne Dribblings. Genau das hat uns noch gefehlt. Noch 14 Spiele hat er, um uns Freude zu machen. Hoffen wir, dass das klappt.

24 Punkte sind es jetzt, sieben Punkte vor dem Relegationsplatz. Und wenn man sich Hannover und Hertha anguckt, dazu noch Freiburg und auch Nürnberg, dann dürften die das da unten unter sich ausmachen. Bis dahin gilt es, die Konzentration zu wahren. Und nicht in Panik zu verfallen, wenn es in den nächsten Wochen nicht so einfach läuft. Immerhin heißen die Begegnungen in den nächsten Wochen: HSV, Schalke, Stuttgart, Leverkusen, Bayern. Es wäre sehr ungünstig, aber keine Schande, da punktlos rauszugehen.

Immerhin gibt es dazwischen noch ein Highlight. Am 10. Februar spielt man in Augsburg um die Halbfinalteilnahme im DFB-Pokal. Nicht auszudenken was passiert, wenn wir das gewinnen. Nicht unmöglich, das zu verlieren. Augsburg ist ne gute Mannschaft. Aber dazu später mehr.

Die Noten, mal wieder: Mondragon (3) – Womé (4), Mohamad (3), Geromel (3), Brecko (3) – Petit (2), Pezzoni (3) – Yalcin (4), Maniche (2,5), Chihi (3), Freis (2,5)

Die Trainerentlasser

Januar 30th, 2010

Schon vor dem Spiel gegen Wolfsburg und der bei Sieg zu erwartenden Entlassung Armin Vehs überlegte ich, ob es Vereine gibt, die überdurchschnittlich oft für die Entlassung eines Trainers sorgen. Grundsätzlich dürften das ja eher unterklassige Vereine sein, gegen die auch ein angeschlagener Trainer bitte gewinnen sollte – tut er das nicht, ist er geliefert.

Vorliegend nun das Werk der letzten Stunde. Zugrunde liegt die Klickstrecke der Sportschau zu den Erstliga-Entlassungen der letzten fünf Jahre. Nicht gezählt wurden freiwillige Rücktritte (z.B. Daum), ausgelaufene Verträge (Meyer in Gladbach) und Entlassungen nach dem Saisonfazit (Funkel in Frankfurt, Skibbe in Leverkusen).

1. 1. FC Köln 4
  FSV Mainz 05  
2. VfL Bochum 3
3. 1. FC Nürnberg 2
  Arminia Bielefeld  
  Borussia Dortmund  
  Werder Bremen  

 

Jeweils eine Trainerentlassung besorgt haben: Hoffenheim, Leverkusen, Bayern, Schalke, der HSV, Hertha BSC, Rostock, Aachen, Cottbus und Kaiserslautern.

Also an der Spitze drei zwischen den Ligen pendelnde Vereine, ebenso Nürnberg und Bielefeld. Borussia Dortmund ist es als einzigem Verein gelungen, gleich zwei Trainer eines Vereins abzumelden (Frontzeck und Middendorp in Bielefeld).

Proudly powered by WordPress. Theme developed with WordPress Theme Generator.
Copyright © Sportteil. All rights reserved.