2,5 Milliarden und ein Kniefall

November 30th, 2009

Es gab einmal Zeiten, da wussten nur  Fußball-Nerds von der TSG Hoffenheim. Nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil sie im Zuge des Hoyzer-Skandals ins Zwielicht gerutscht war. Einer ihrer Spieler sollte familiäre Verbindungen zu zahlreichen Wettbüros in der Region haben, eine rote Karte sei abgesprochen worden. Die Ermittlungen wurden nicht intensiviert, am Fall war nichts dran. Hoffenheim verschwand aus dem Gedächtnis des allzu kleinen Kollektivs.

Einige Jahre später kennt jeder Hoffenheim, und das liegt natürlich an Dietmar Hopp. Und weil hier ein Mann alle althergebrachten Regeln des bezahlten Fußballs außer Kraft gesetzt hat, polarisiert er. Und aus Gründen, die zu erfahren wirklich spannend wäre, schlägt sich die veröffentlichte Meinung ganz auf Seiten des Milliardärs aus dem Süden.

Am Wochenende spielte Borussia Dortmund ein Auswärtsspiel in Sinsheim, wo Hopp seinem Club eine schöne, allerdings etwas langweilige Arena neben das Technikmuseum gesetzt hat, für die – soviel Genauigkeit muss sein – der Verein eine “angemessene Miete”¹ bezahlt. Im Vorfeld hatte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Clubs Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg bei einer Aktionärsversammlung scharf angegriffen und die sinngemäße Forderung erhoben, dass Traditionsvereinen mehr Fernsehgelder zustünden als solchen Vereinen, die keine große Fan-Menge hinter sich wissen.

Der Hintergedanke wirkt auch schlüssig. Vor der Wolfsburger Meisterschaft waren nicht selten nur knapp über hundert mitgereiste Fans im Block in Müngersdorf, wenn der VW-Club zu Gast war. Bei 5000 reservierten Gästekarten ein beträchtlicher Einnahmeausfall für den gastgebenden Verein, und wenn es im Fußball liefe wie in der restlichen Wirtschaft, wäre Wolfsburg schnell abgestiegen – auch zuhause war der Fanzuspruch so niedrig, dass man sich wirtschaftlich kaum in der Liga hätte halten könnnen. Doch da gab es ja den Konzern Volkswagen, dessen 100%-Tochter der VfL Wolfsburg ist, der immer wieder Geld hinzugab, um den Etat zu decken und den Verein in der Liga zu halten.

Ähnlich lief es auch bei Bayer Leverkusen und jetzt eben Hoffenheim: Die althergebrachten Marktmechanismen wurden außer Kraft gesetzt, indem die Einnahmequelle aller Proficlubs, also der Zuschauerzuspruch, die verkauften Fanartikel und der sportliche Erfolg, zu irrelevanten Nebenfaktoren der Vereinsfinanzierung wurden. Durch das Einbringen von nicht systeminhärentem Geld wurde das System gestört. Ein Beispiel: Was würde sich Bayer aufregen, wenn Pfizer und Novartis plötzlich alle patentfreien Bayer-Produkte auf der Straße verschenken würden.

So wurde der Fußballmarkt, der in vielen europäischen Ländern schon völlig verkorkst ist, durcheinandergebracht. Plötzlich konnte ein Aufsteiger aus der Regionalliga einem frischen Bundesligaabsteiger sein Sturmtalent namens Vedad Ibisevic für 1 Million Euro abkaufen und sich den Luxus leisten, diesen Mann nicht einmal in der Stammelf spielen zu lassen – immerhin hatte man ja für acht Millionen Euro noch zwei Sturmtalente namens Demba Ba und Chinedu Obasi geholt – ganz zu  schweigen vom brasilianischen Spielmacher Carlos Eduardo, der alleine 7 Millionen gekostet hatte. Der bisherige Transferrekord in der zweiten Liga war übrigens der Wechsel von Milivoje Novakovic zum 1. FC Köln. 1,5 Millionen hatte der gekostet und er war zu einem Verein gegangen, der den europaweit höchsten Zuschauerschnitt aller Zweitligisten hatte und zudem durch den Weggang von Lukas Podolski frisches Geld auf dem Konto.

Doch zurück zu Hans-Joachim Watzke. Dessen Rede nahm die Sportschau zum Aufhänger, um einmal mehr klarzustellen, wie toll man Hoffenheim und Hopp findet. In An- und Abmoderation durch Reinhold Beckmann und den Spielbericht zog sich einzig und allein die Tendenz “Der gute Hopp gegen den Rest der Welt”. Drei Schlüsselbegriffe wurden hier verwendet: “Populist” für Watzke, “Ewig-Gestrige” und “Unverbesserliche” für die Dortmunder Fans, die in tendenziell geschmacklosen Plakaten und Gesängen gegen den Gegner protestiert hatten.

Nun stößt die Bezeichnung Watzkes als “Populist” selbst in Dortmunder Fankreisen nicht auf großen Widerspruch. Dennoch gelingt es Beckmann hiermit zuverlässig, jede tiefergehende Beschäftigung mit der Sache, mit dem Inhalt von Watzkes Rede zu übergehen. Dass man für die Dortmunder Fans allerdings den Begriff “Ewig-Gestrige”, zumeist eine Bezeichnung für Reaktionäre und Geschichtsrevisionisten wählt, zeugt allerdings von völlig fehlendem Fingerspitzengefühl und beeindruckender Chuzpe.

Doch überhaupt wird das Projekt Hoffenheim von Beginn seiner Wahrnehmung an (namentlich dem Zweitligaaufstieg und der ersten großen Einkaufswelle) von den Medien, namentlich vor allem der Sportschau, äußerst wohlwollend verfolgt. Dies beginnt schon mit der mittlerweile völlig kritiklos eingebürgerten Bezeichnung Dietmar Hopps als “Mäzen”. Ein Mäzen ist ein Geldgeber für Künstler, Vereine, Einrichtungen etc, der keine direkte Gegenleistung verlangt. Komponisten und Maler hatten Mäzene. Die TSG Hoffenheim hat keinen. Sie hat einen Investor. Wie das System genau läuft, hat Hopp dem SPIEGEL offen und ehrlich erklärt:

Ich habe in der Spielbetriebs-GmbH eine stille Beteiligung. Ich halte 49 Prozent, der Club 51 – mehr erlaubt mir die Regel der Deutschen Fußball Liga nicht. Die stillen Einlagen sind eigentlich rückzahlungspflichtig. Doch wenn diese Regel 50 plus 1 irgendwann fallen sollte, werden die Einlagen in Eigenkapital umgewandelt, und dann werde ich entsprechend mehr Anteile erwerben.

Um es also auf den Punkt zu bringen: Hopp hat die Mehrheit an der TSG Hoffenheim in dem Moment, in dem dies rechtlich möglich ist. Er ist Martin Kind weit vorraus. Dass er sich nicht mit Kind in dessen Rechtsweg verbrüdert, dürfte taktische Gründe haben. In jedem Fall ist die TSG Hoffenheim eine Investition von Hopp², die irgendwann durchaus eine ordentliche Rendite abwerfen könnte. Und es ist eine kreative und sicherlich legale Umgehung der derzeitigen DFB-Verbote, Mehrheitseigner bei einem Fußballverein zu werden.

Niemand wird bestreiten, dass die TSG Hoffenheim einen attraktiven und hochwertigen Fußball spielt. Sportlich bereichert sie die Liga. Zum Heilsbringer taugt sie allerdings nicht. Der übliche Weg wäre der des Ausbildungsvereins, wie es der SC Freiburg, Borussia Mönchengladbach und in größerem Maße Werder Bremen sind: Junge Spieler holen, formen, erfolgreich machen, mit Gewinn verkaufen. Dietmar Hopp hat das selbst als Leitbild der TSG formuliert. Nun kamen nach der erfolgreichen ersten Saison die Scouts, die Berater und die Manager und wollten Spieler wie Demba Ba und Vedad Ibisevic kaufen – eine klassische Situation, in der zum Beispiel einem Klaus Allofs, immerhin Manager des letzten UEFA-Cup-Finalisten aller Zeiten, die Hände gebunden wären – und die TSG Hoffenheim sagte Nein. Sie verlängerte Verträge zu erhöhten Konditionen, sie schlug Angebote für ihre Spieler aus. Ein weiterer Bruch mit anfangs pompös formulierten Leitbildern des Vereins.

Der erste Bruch war beim Aufstieg in die zweite Liga zu spüren. Anscheinend hatte man Blut geleckt. Es konnte nicht schnell genug gehen mit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse. Der Anspruch mit jungen Spielern aus der Region, zumindest aber aus Deutschland, sportlich erfolgreich zu sein wurde ad acta gelegt. Drei der insgesamt 12 neuen Spieler der Saison waren Deutsche, der Rest kam aus Norwegen, Belgien und Ghana mit brasilianischen, schwedischen und nigerianischen Pässen im Gepäck.

Nun wäre das alles kein Problem, wenn man dabei ehrlich wäre. Natürlich müsste man dann mit dem Vorwurf leben, ein Retortenverein zu sein. Der Ausdruck des “deutschen Abramowitsch” würde häufiger in den Medien zu lesen sein. Aber letzten Endes wäre mehr Ruhe in den Kurven der deutschen Stadien, wenn man dort stehend nicht laufend das Gefühl hätte, von diesem kleinen Großclub und den Medien verschaukelt zu werden. Jeder findet es toll, wenn ein Verein aus jungen, unbekannten Talenten große Spieler formt, die man im Gedächtnis behält. Aber dass Talente 7 Millionen Euro kosten, führt dieses Prinzip ad absurdum. Es fehlt die Relation zum Rest der Liga, die staunend mit ansehen muss, wie hier angeblich ein Verein alles richtig macht, indem er mit fremdem Geld ziemlich gezielt aber in großem Stil um sich wirft.

Gerade die Sportschau lebt davon, dass Fußball mehr ist als nur ein Ergebnissport. Sie zeigt die Kurven, sie stilisiert Stadtderbys zu epischen Schlachten, die zitiert in jeder Sendung die Fußball-Historie. In Hoffenheim nun nur auf den reinen Sport zu sehen ohne einmal kritisch dessen Zustandekommen zu thematisieren ist die selbe Doppelzüngigkeit, mit der man im Trailer zum Tor der Woche Bilder von am Zaun jubelnden Spielern und  abbrennenden bengalischen Feuern zeigt, solche unkontrollierte Eskalation im konkreten Fall aber scharf verurteilt.

¹ Hopp im Interview mit dem SPIEGEL, 20.10.2008

² Wobei ich nicht bestreiten will, dass diese Investition eine Herzensangelegenheit ist

Die Reißleine ziehen

November 21st, 2009

10 Argumente gegen die Kontinuität im Traineramt

  1. Mit einem mit Qualität (Podolski, Maniche, Schorch, Freis) ergänzten Kader noch weniger Spielqualität als in der Vorsaison
  2. Sklavisches Beharren auf einem nichtfunktionierenden Spielsystem, das die Stärken von Maniche und Petit völlig verpuffen lässt
  3. Nicht stattfindende Integration von hoffnungsvollen Jungspielern wie Taner Yalcin, der in der letzten Saison gegen den HSV bester Mann auf dem Platz war. Es fehlt Kreativität, und unser 19-jähriger Spielmacher sieht kein Land
  4. Eine Teamatmosphäre, die nicht einmal aus der Ferne irgendein positives Element erkennen lässt
  5. Eine Posse um die beiden slowenischen Nationalspieler, die man lieber verärgert, als sie 12 Stunden später in Köln zu empfange
  6. Der untaugliche Versuch, genau diese beiden Spieler zum Sündenbock einer desolat funktionierenden Mannschaft gegen Hoffenheim zu machen
  7. Fehlende Außendarstellung, keinerlei durch die Persönlichkeit transportierte Energie
  8. Das Unvermögen, schon im Sommer Spieler für die wirklich wichtigen Positionen gefordert und bekommen zu haben. Überraschung, Womé verletzt sich. Und dann muss Brecko als Linksverteidiger spielen. Klasse Idee
  9. Die miserablen Leistungen in der Liga werden bislang vom DFB-Pokal kompensiert – mit der derzeitigen Lage ist man aber gegen Augsburg nichtmal Favorit
  10. Tut sich auf der Trainerposition nichts, droht ab Anfang Dezember bis zum 31. Januar ewige Unruhe um wechselwillige Spieler. Novakovic, McKenna, wir können uns nicht leisten wegen einem nicht sattelfesten Trainer noch mehr Unruhe in den Kader zu kriegen.

Ankündigung: Livegeblogge

Oktober 30th, 2009

Morgen ab ca. 15:20 Uhr an dieser Stelle live: Früher-mal-Sportteiler Christian G., neuerdings aus B., und der Herausgeber selbst kommentieren das Spiel Hamburger SV – Borussia Mönchengladbach. Hoffen wir auf viele Tore auf der richtigen Seite.

Leere Hülse Derby.

Oktober 24th, 2009

Was macht eigentlich die Brisanz eines Derbys heutzutage aus?

1. Die Tradition

2. Das erhöhte Konfliktpotenzial der Fans, die in einer Region recht häufig nebeneinander wohnen, miteinander arbeiten, lernen, leben.

3. Die Medien.

Was Gladbach und Köln angeht, gilt: Die paar Gladbach-Fans, die ich kenne, mag ich auch am Derby-Wochenende genauso wie sonst. Ich elende Lusche. Die Tradition hat mich auch noch nie so recht interessiert, ich kann ja sogar über Netzers Selbsteinwechslung schmunzeln.

Jedenfalls ist es dann eigentlich doch ein Spiel wie jedes andere, abgesehen davon dass man ein größeres Häme-Potenzial ausschöpfen oder befürchten kann. Und dass man sich in der Tabelle recht nahe steht.

Jetzt ist es vorbei, es ist 0:0 ausgegangen und war elend langweilig. Sportlich sicher das schlimmste Derby seit langer, langer Zeit.

Die FC-Aufstellung war quasi ein Selbstläufer, nachdem Womé wieder ausfällt und sich Freis nicht sonderlich aufdrängte:

-------Ishiaku--Novakovic-------
--Ehret---------------Podolski--
---------Petit-Pezzoni----------
-Brecko-Mohamad-Geromel-Schorch-
-----------Mondragon------------

Schorch musste schon früh verletzungsbedingt McKenna wechseln, ansonsten war es das mit der Herrlichkeit.

Der FC stellte sich von Anfang an hinten rein und versuchte, mit einigen wenigen Kontern doch noch zum Tor zu kommen. Der erste Teil des Plans klappte  gut. Brecko und Schorch standen außen etwas weiter vorne und drückten so das Gladbacher Spiel ins Zentrum, in dem hinten Geromel und Mohamad zuverlässig alles wegräumten und vorne Pezzoni einen der besten Tage seiner FC-Karriere erwischte – passsicher, zweikampfstark, mit Überblick. Petit dagegen fiel wieder hauptsächlich durch Reklamationen auf. Dazu kam das Problem mit den Kontern. Die funktionieren natürlich nicht, wenn man keinen Pass über 10 Meter hinkriegt.Die Passgenauigkeit von Flügelspieler Ehret (den ich sonst vehement verteidige) lag heute bei 40%. Petit spielte 21 Fehlpässe. Ganz schön böse.

Selbiges gilt natürlich auch für Gladbach. Aufbauspiel, Offensivfußball, funktioniert nur bei einer gewissen Passgenauigkeit und wenn man Ideen hat. Wie Arango zu Beginn der Saison.

Egal jedenfalls. Großartig verausgabt hat man sich in Gladbach nicht, Trier kann kommen, und dann sehen wir weiter. Mit dem einen Auswärtspunkt haben wie den VfB Stuttgart überholt, das reicht doch schonmal, um das Wochenende gelungen aussehen zu lassen.

Aus der Waschküche

Oktober 6th, 2009

Zwei Neuerungen in der Seitenleiste:

1. Eine Tag-Cloud, weil ich erst letzte Woche verstanden habe  wozu Tags wirklich gut sind. Jetzt benutze ich  sie und sie müsssen natürlich auch visualisiert werden. WP-cumulus als Plugin finde ich dabei äußerst hübsch anzusehen.

2. Ein Amazon-Partnerlink. Einfach um mal zu gucken ob sich das irgendwie lohnt. Der Link dort wird immer mal wieder mit Empfehlungen meinerseits aufgefrischt, wenn sich jemand dadurch angespornt fühlt, bitteschön.

Gegen Bayern darf jeder verlieren in der Bundesliga. Daraus macht keiner ein Drama. Liebe ran-Datenbank, wurde schonmal ein Trainer nach einer Niederlage gegen Bayern München rausgeworfen? Schwer vorstellbar.

Insofern konnte man den heutigen Anpfiff ganz schön entspannt betrachten. Einzig die Möglichkeit einer allzuhohen Wiesn-Niederlage war beängstigend. Immerhin spielte hier Franck Ribery gegen Christopher Schorch. Andererseits: Auf der anderen Seite standen sich mit Miso Brecko und Ernesto Sosa zwei gegenüber, die in Sachen Spielniveau ähnlich gelagert sind, in Sachen Monatsgehalt aber um ein vielfaches auseinanderliegen.

Ich bin jetzt schon gespannt auf die Sportschau-Zusammenfassung. Mal sehen, ob die ARD tatsächlich eine Kölner Torchance entdeckt. Das Spiel heute war ähnlich angelegt wie das gegen Dortmund am ersten Spieltag – wir machen das neue Cottbus, ihr beißt euch die Zähne aus. Im August schoss Marvin Matip ein Eigentor, der Plan ging nicht auf. Heute hat es funktioniert.

Weiterhin freue ich mich auf die wütenden Proteste von den Herrn Breitnigge, Hoeneß und Probek sowie allen anderen Bayern-Fans, weil der FC so einen Nichtfußball fabriziert hat. Hey, es ist nicht unsere Schuld wenn eure Stürmer seit drei Spielen das Tor nicht treffen. Und es ist allemal legitim nur auf Ergebnissicherung zu spielen, wenn euer weiterhin abstrus miserabler Linksverteidiger Braafheid so viel gekostet hat wie unsere Leistungsträger Novakovic und Mohamad zusammen.

Zu Bayern überhaupt: Da gärt es ja ganz schön. Schweinsteiger schießt den Ball zur Halbzeit in die pfeifende Menge. Braafheid darf alle Freistöße von rechts treten, obwohl keiner in seiner Mannschaft das will. Und van Gaal hat jetzt genauso viele Punkte wie Klinsmann in der letzten Saison zu diesem Zeitpunkt. Und das obwohl die Mannschaft im Vergleich zur letzten Saison um 74 Millionen Euro + Olic verstärkt wurde.

Das wird eine spaßige Länderspielpause.

Und bei unserem FC kann es jetzt richtig losgehen. Fünf Punkte aus acht Spielen klingt nach arg zu wenig, aber gegen Dortmund, Wolfsburg, Frankfurt, Hamburg,  Schalke, Stuttgart, Leverkusen und Bayern könnte man vom Papier aus durchaus auch mit drei Punkten zufrieden sein. Die nächsten vier Spiele sind gegen Mainz, Trier, Gladbach und Hannover. Und dann sehen wir erstmal weiter.

Reise, Reise

Oktober 2nd, 2009

Länger nichts mehr hier produziert. Was seit dem letzten Eintrag geschah:

  • Großartiger 2:0-Sieg gegen Stuttgart durch zwei Spieler, denen ich allgemein eher weniger zutraue (Sanou würde ich sogar die Erstligatauglichkeit generell absprechen – das Tor nach Vorlage Lehmann war aber technisch perfekt.) Dazu ein solider Ishiaku und ein wieder einmal großartiger Ehret.
  • Phantastischer 3:2-Sieg gegen Wolfsburg im Pokal. Endlich mal wieder ein FC-Spiel live im freien Fernsehen. Das ZDF scheint da bei uns einen Riecher zu haben. Vor drei Jahren zeigte die ARD Bayern München gegen irgendeinen Dorfverein, das ZDF kaufte sich in Köln-Schalke ein und schlug die ARD um Längen – was Einschaltquote wie auch Spielverlauf anging. Hier: Ein überragender Ishiaku, ein ebenso guter Podolski, ein wirklich gutes Spiel
  • Eine ziemlich niederschlagende Niederlage gegen Leverkusen, die ebenso verdient wie unappetitlich war. Das auch wegen Maniche, obwohl ich Vidal für einen der schlimmsten Spieler der Liga halte. Wenn nicht den schlimmsten. Dass er Maniche zuvor im Strafraum gefoult hatte, erwähnt ja keiner mehr, außer in dem Kontext, dass dieser sonst sechs Spiele gesperrt worden wäre. Wo sind wir denn? Sechs Spiele für etwas, was man mit (etwas zuviel) gutem Willen auch als Versehen interpretieren kann? Bei einem Spieler der kein Wiederholungstäter ist?
  • Ich selbst bin viel unterwegs gewesen. Bonn->Heidelberg->Sandhausen->Bonn->Sandhausen->Bretten->Sandhausen. Bald gehts wieder nach Bonn. Gestern durch Zufälle den neuen Präsidenten des Karlsruher SC kennengelernt. Scheint, zumindest was den persönlichen Kontakt angeht, ein absoluter Politprofi zu sein, der aber von der Wahl und vor allem der von ihm als kahngesteuert empfundenen Medienübermacht ziemlich erschöpft schien.

Und morgen geht es gegen Bayern. Die Vorstellung mit Schorch und Brecko gegen Ribery und Robben zu spielen fand ich… belustigend. Jetzt fallen beide wohl aus und ich bin gespannt. Die Bayern-Abwehr ist  anfällig für Konter, und wir  haben Ehret und Podolski, die offenbar immer dafür gut sind, Nadelstiche zu setzen. Ich rechne dennoch mit einer Niederlage. 0:2 oder so etwas.

Trotz aller Bemühungen seitens DFB, Presse und Steffen Simon stellt die TSG Hoffenheim weiterhin einen wunden Punkt in der Wahrnehmung vieler deutscher Fußballfans dar. Vor allem die Diskrepanz zwischen dem eigenen Anspruch, aus der Jugendarbeit heraus erfolgreich zu sein und der Realität, Spieler für Rekordsummen aus dem Ausland zu verpflichten, stößt vielen bitter auf. Als Beispiel für den idealistischen Weg wird hierbei schon nahezu von Anfang an Marco Terrazzino genannt.

Ihn im Rahmen von 18mal18 zu begleiten, ist für mich ein vielleicht größeres Experiment als für die meisten anderen Autoren hier. Ich persönlich mag die TSG Hoffenheim nicht, und ich habe viele Gründe dafür, von denen die meisten völlig unrational sind. Wir sind ja schließlich beim Fußball. Dennoch halte ich Terrazzino für einen vielversprechenden Fußballer und seine Situation in einem selbsternannten Ausbildungsverein, der in seiner Spitzenclubwerdung in Deutschland einzigartig ist, für viel zu interessant, als dass dieses Thema hier nicht bearbeitet werden sollte.

[Bei 18mal18 weiterlesen...]

Die entspannte Krise

September 17th, 2009

Wie derzeit in fast allen Lebensbereichen nehme ich auch in Sachen FC eine Spaltung zwischen Internet- und sonstiger veröffentlichter Meinung wahr. Gerade jetzt, wo ein Punkt aus fünf Spielen, egal gegen welche Gegner, einfach zu wenig ist.

Der Express veröffentlichte gestern sogenannte “Fan-Statements” zur Lage, die vor allem der Meinung des Boulevards entsprechen. Kurzer Überblick:

Pardon, ein guter Spieler ist noch lange kein guter Cheftrainer.

Man muss jetzt das Stuttgart- Spiel abwarten, sollte da kein Erfolg sein, muss ein erfahrener Mann her.

Der Präsident Wolfgang Overath aber überlegt ernsthaft, ob der Manager Michael Meier wirklich gut für den FC war – und entlässt ihn schweren Herzens. Und dann steigt ein erneuerter FC Köln mit jungen ambitionierten Spielern wie Phönix aus der Asche.

Ich sage nur: Danke, Herr Meier, für die hervorragende Einkaufspolitik! Aber Hauptsache, die Eintrittspreise sind erhöht. Weltklasse, Champions-League-reif, typisch FC.

Die allererste Maßnahme müsste die Entlassung des Managers Michael Meier sein, der schon Borussia Dortmund am Rande des Abgrunds hatte.

Das „Experiment Soldo“ sollte man als gescheitert betrachten und schleunigst beenden

Pierre Womé oder Manasseh Ishiaku kann man nicht gebrauchen, diese Spieler fallen nur durch Fehler und Disziplinlosigkeit auf.

Die Kritik schießt sich also auf Michael Meier ein. Den Typen, dem wir Novakovic, Podolski, Geromel, Petit, Maniche verdanken. Sicherlich hat er in diesem Sommer nicht das glücklichste Händchen bewiesen bzw. halt einfach nichts gemacht, aber mit einem schnellen Abschied, der zudem bei einem bis 31.12.2013 (!) laufenden Vertrag ziemlich teuer wäre, könnte man die Situation sicher auch nicht retten. Im Gegenteil, man gäbe den Spielern noch ein Alibi.

Diese Meinung scheint sich auch im Internet durchzusetzen. Ruhe bewahren heißt hier das Motto. Hilflose Versuche der Großbuchstabenzeitungen, Soldo als untauglich und “Umfaller” zu diffamieren, werden kaum noch beachtet – dass der Boulevard an der Kölner Situation der letzten Jahre erhebliche Mitschuld hatte, ist hier mittlerweile angekommen. Ich kenne keinen einzigen FC-Fan, der noch Express, Bild oder Kölner Stadtanzeiger liest, geschweige denn kauft. Die Boykottaufrufe im FC-Brett gehen ins Leere, weil dort eh kaum noch einer diese Blätter finanziell unterstützt.

Was also tun? So wie es bisher war kann es natürlich nicht weiterlaufen. Gute Ansätze sind da, aber es fehlt doch einiges, um solide Siege einzufahren. Die heutige Analyse des kicker ist da bemerkenswert zutreffend. Die von mir dort herausgelesene Kernthese lautet: Für sportlich hochwertigen Fußball fehlenden die sportlich hochwertigen Fußballer. Gerade die vollständige Offensive ist eher auf Konter ausgelegt als auf barca-eske Kurzpass-Partys.

Mit Fabrice Ehret und Sebastian Freis hat man zwei schnelle, aber nicht sonderlich zweikampfstarke Flügelspieler, mit Novakovic einen, der ebenso lange Bälle verwerten wie auch den dankbaren Ball ins Tor bugsieren kann und in Lukas Podolski einen der besten Konterstürmer überhaupt. Diese Stärken werden zu wenig ausgenutzt bei dem hehren Ziel, einen besseren Fußball zu etablieren. Hierfür wären Neuzugänge wie Sharbini etc. vielleicht sinnvoll gewesen, ich weiß es nicht. Jetzt gilt es aber, mit dem vorhandenen Personal achtbar aus dem Loch zu kommen, und dazu bräuchte es dann vielleicht eben doch wieder die Brechstange, so leid mir das tut.

Jetzt allerdings kommt erstmal der VfB Stuttgart, gegen den man zuletzt immer gut aussah. Und danach sieht vielleicht alles wieder ganz anders aus.

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