Vor etwas über drei Jahren saß Christoph Daum beim damaligen DSF und wurde über Homosexualität im Fußball befragt. Und Daum fing an zu reden, weil für ihn anscheinend jede Sekunde ohne den Klang seiner Stimme eine verschwendete Sekunde ist und er redete und redete und am Ende kam dabei heraus, dass man Kinder vor Schwulen schützen müsse. Man weiß bis heute nicht, wie er das gemeint hat, vielleicht war es einfach ein Ausfluss von Gedankenfetzen, aber er wiegt bis heute schwer, genau wie die damaligen Reaktionen im FC-Brett, die über eine einfache Loyalitätsbekundung zum Trainer viel zu weit hinaus gingen.
Bis heute ist “Homosexualität im Fußball” ein merkwürdiges Phänomen, von allen Seiten. Die einen, die sich trauen, packen die “Muss man auch mal sagen dürfen”-Keule raus, und merken nicht, wie sie zu geistigen Brandstiftern werden. Die anderen googlen jeden halbwegs bekannten Bundesligaprofi mit dem Zusatz “schwul” und kommen damit auch massenweise in meinem Blog an. Und die, die sich auf der richtigen Seite wähnen, ergötzen sich oftmals auch am Reiz des Geheimen, an den Gerüchten und den angeblich bombensicheren Informationen, die ihnen ein Schwager eines Ex-Kreisligatrainers gesteckt haben will. Ich gebe zu, auch so reagiert zu haben. Es ist ja auch so verlockend, aus Nationalspielern, die eng mit homosexuellen Prominenten befreundet sind, mehr zu stricken.
Tatsache ist: Es ist egal. Es sollte egal sein. Es sollte nur so lange eine große Sache sein, zu einer großen Sache gemacht werden, bis es keine große Sache mehr ist. Von uns, euch, denen Es interessiert mich nicht, welches Auto Torsten Frings fährt, es interessiert mich nicht, in welcher Nachbarschaft Stefan Effenberg wohnt und es interessiert mich nicht, wen Philipp Lahm aufgrund welcher sexueller Orientierung an seiner Haustür antrifft. Dass ich es trotzdem alles weiß, liegt an unserer Medienkultur, die halb von ökonomischen Interessen und halb von Seilschaften mit Prominenten getrieben wird. Wenn wir uns zurücklehnen und mal ein paar Gedankenminuten an das wahre Erkenntnisinteresse verschwenden, könnte das allen helfen.
Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist; Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.
Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.
Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.



November 20th, 2011 - 18:22
[...] die geschätzten Kölner Blogs Sportteil und merstonnzodir sind [...]