1. Volkszorn ist des Boulevardjournalisten schönste Waffe. Und auch wenn die Ballack-Geschichte langsam abklingt, gibt es genügend Aufregungspotenzial. Luca Toni hat in Italien gesagt, dass er als Italiener am Samstag natürlich für Inter Mailand ist. Und gegen Bayern München. Den Verein, der, Stand heute, ab dem 1. Juli wieder sein Gehalt überweist. Klingt erstmal komisch, ist aber hart an der Grenze zur Irrelevanz. Toni will noch gute zwei Jahre Profifußball spielen, vielleicht sogar länger. Höchstwahrscheinlich in seinem Heimatland. Soll er sich die Inter-Tür da vor der Nase zuschlagen? Als vaterlandsloser Geselle dastehen? Und zuvorderst: Soll er darauf hoffen, dass sein Land in der übernächsten Saison einen Champions League-Startplatz weniger hat?
2. Luca Toni ist nur eine der spannenden Personalien, die zur kommenden Saison in der Bundesliga unklar sind. Neben zahlreichen möglichen Zugängen (von denen Afellay beim HSV der bislang namenskräftigste ist) wollen auch viele Spieler weg, oder müssen es sogar, weil ihre Verträge auslaufen oder man ihnen keine Chance mehr einräumt. Angelos Charisteas hat es in sechs Jahren vom Europameister zum beim Fast-Absteiger aussortierten Unterklasse-Stürmer gebracht. Roberto Hilbert in zwei Jahren vom Jung-Nationalspieler zu einem, dessen Zukunft angeblich in der Türkei liegt, weil nur dort Vereine seines für möglich gehaltenen Leistungsniveaus bereit sind, das entsprechende Gehalt zu zahlen. Andere Spieler sind vielleicht nur noch jetzt für eine Ablöse verkaufbar, die den abgebenden Club nicht als vollständigen Trottel dastehen lässt. Ein Demba Ba oder Chinedu Obasi z.B. spielte in der vergangenen Saison nie so, wie es die kolportierten Angebotssummen aus dem Sommer 2009 noch verhießen.
3. In Hoffenheim hat der große Kurswechsel eingesetzt, hört man. Deutsche Spieler, jung, entwicklungsfähig, sollen es jetzt sein. Sollten es immer sein, aber dann kamen Simunic, Eduardo, Zuculini und Maicosuel dazwischen. 25 Millionen haben diese angeblich zusammengenommen gekostet, nur einer von ihnen hat seinen Marktwert verbessert. Gleichzeitig hat man mit Boris Vukcevic nur einen Jugendspieler hochgezogen, der tatsächlich für höhere Aufgaben geeignet scheint. Ein Kind der so hochgelobten Jugendabteilung, die nur deshalb jetzt schon weit oben mitspielt, weil der Verein das Gentlemen’s agreement der Profiklubs missachtet, nicht in anderen Jugendabteilungen der Region umherzuwildern.
4. Überhaupt die Jugend. Jung, deutsch, billig ist bei ganz schön vielen Vereinen die neue Maxime. Der FC St. Pauli hat es geschafft, das gut umzusetzen, indem er Erstligaclubs deren Reservespieler abkaufte. In Duisburg sollen es jetzt ebensolche Spieler machen. Bloß dass dort nicht ein Stanislawski, sondern ein Sasic auf der Trainerbank sitzt. Kleiner, feiner Unterschied.
5. Im Gegensatz zur letzten Saison deutet sich kein großflächiger Trainerumbruch in der ersten Liga an. Wolfsburg hat einen neuen, der HSV sucht mal wieder immer noch, ansonsten könnte alles beim Alten bleiben. Die Frage ist, bis wann. Die Herren Soldo, Slomka und Hecking sitzen alles andere als fest auf ihrem Posten, und in Mainz droht die Gefahr, das neue Karlsruhe zu werden. Wie Tuchel mit einem Fehlstart umgeht, weiß noch kein Mensch. Und wer weiß, ob Felix Magath nicht doch eine Ausstiegsklausel hat, falls ein wirklich großer Verein anklopft. Auslandsambitionen werden ihm ja schon lange nachgesagt.
6. Ins Ausland sollte es meiner Meinung nach mehr deutsche Spieler verschlagen. Nicht die der Preisklasse Hildebrand, sondern Topspieler. Leute, die sich in England und Spanien durchsetzen. Das würde Nationalmannschaft und Liga helfen, ihren Ruf zu verbessern. Arsenal soll ja einen Torwart suchen, hört man. Gell, Manu? René?
7. Bei den Torhütern geht das Karussel ja auch ganz schön rund. Einige suchen, viele sind frei. Drobny, Walke, Rensing, Kessler, Miller, Tremmel wollen alle neue Clubs. Alle haben sie schon Bundesliga gespielt, die einen häufiger, die anderen als Ersatz, manche (Kessler) in wenigen Einsätzen gut, andere (Rensing) in vielen Einsätzen mies. Der Jackpot dürfte Jaroslav Drobny sein. Einer, der die meisten Bundesligaclubs verstärken würde. Man darf gespannt sein.
