Sportteil

7 Punkte (1)

April 6th, 2010

I. Wenn einer einen beschimpft und der eine halbvolle Plastikflasche nach dem wirft, ist das außerhalb eines Fußballstadions völlig irrelevant. Weil aber Fußballer Vorbilder sein sollen (wer glaubt das eigentlich noch? Und sollten Gladiatoren in Rom Vorbilder für Klein-Julius sein?), fordert Mike Glindmeier bei Spiegel Online jetzt die Auflösung seines Vertrags – und nicht nur er soll gehen, sondern auch Frank Rost, weil der im Anschluss an das Spiel nicht seine tiefe Bestürzung über den Ausfall seines Kollegen äußerte.

Natürlich ist es nicht gut, was Guerrero da  gemacht hat. Eine Geldstrafe und meinetwegen auch eine DFB-Sperre ist total okay. Das mit Cantonas legendärem Kung Fu-Tritt zu vergleichen ist aber vollkommen abstrus. Guerreros Wurf ist ein symbolischer Akt. Wirklich schaden kann man damit niemandem, es sei denn es kommt wirklich übel. Wer mit dem gestreckten Bein voran jemandem in den Brustkorb springt, legt es auf eine Verletzung an.

II. Wo wir bei Flaschen sind: Einen emotionalen Ausbruch würde man sich in Köln abseits der Tribünen auch mal wünschen. Dort ergaben sich elf Spieler auf dem Rasen dem Tabellenletzten der Bundesliga so, als würden sie gerade um den Karo-Kaffee-Cup spielen und nicht um den Verbleib in der ersten Liga.

III. Wo wir bei Kaffee sind: Da wo Faryd Mondragon herkommt, kommt auch ziemlich guter Kaffee her. Den sollte er vielleicht mal probieren – so wie er in letzter Zeit spielt, scheint er nämlich Probleme mit Müdigkeit zu haben. Oder mir voreiliger Arroganz.  Wer so übermotiviert aus dem Strafraum rennt wie Mondragon am Samstag, sich es dann anders überlegt und locker zum Tor zurückjoggt, während dort gerade der Ball hingeflankt wurde, der hat ein Problem. Und zwar hoffentlich eines, das sich beheben lässt. Im Notfall durch Tom Starke.

IV. Einen starken Eindruck hat der FC Bayern in den letzten sieben Tagen hinterlassen. Gegen zwei Topvereine jeweils 2:1 gewonnen, und das obwohl wichtige Spieler ausfielen. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, dass diese Bayern Meister werden (obwohl ich es mir angesichts der Alternativen wirklich wünsche). Denn mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Bayern zwar die wichtigen Spiele gewinnen, danach aber einen Spannungsverlust erleiden. Während Magath die Top-Spiele mit seinem komischen Lächeln zur Kenntnis nimmt, sammelt er stoisch und langweilig die Punkte gegen Köln, Frankfurt und co ein. Punkte, die keiner gesondert wahrnimmt. Es sei denn, der FC Bayern verpasst sie.

V. Verpassen wird die TSG Hoffenheim mal wieder selbst gesteckte Ziele. Auch wenn ein elfter Platz für einen Aufsteiger in seiner zweiten Bundesligasaison gar nicht so schlecht klingt – dieser Verein hat im Sommer 2009 über 16 Millionen Euro in einen Kader investiert, der in den zwei Jahren zuvor schon für 30 Millionen aufgepumpt worden war. In diesen Dimensionen bewegen sich nur wenige deutsche Vereine. Es scheint, als wäre Hoffenheim in der Realität angekommen, die heißt: Ansprüche wachsen. Und wenn sie nicht erfüllt werden, geht es bergab.

VI. Bergbau gibt es in Dortmund höchstens noch in musealen Spurenelementen. Und trotzdem kann man in der Stadt ehrliche Arbeit sehen. So abgegriffen dieses Bild auch ist. Der wohl sympathischste Verein der Liga (vor meinem eigenen!) spielt Fußball, den ich mir gerne angucke. Und Dortmund in der Champions League, was mittlerweile gar nicht so unwahrscheinlich ist, wäre eine schöne Vorstellung.

VII. Die Vorstellung, dass diese Saison bald vorbei ist und ich mich auf eine WM konzentrieren kann, die ich recht emotionslos verfolgen kann, erfreut mich. Es reizt mich nicht, den Weltmeistertitel nach Deutschland zu hoffen. Es reizt mich höchstens, Jogi Löw nicht mehr auf seinem Posten zu sehen, wenn diese WM nicht so läuft wie erhofft. Doch dazu mehr beim nächsten Mal.

Leave a Reply

Proudly powered by WordPress. Theme developed with WordPress Theme Generator.
Copyright © Sportteil. All rights reserved.