Sportteil

Der mit dem Ball jumpstylet.

März 10th, 2010

Dies soll ein Text über Sebastian Freis werden. Es soll keine Huldigung und keine Schmähung werden, eigentlich ist das Ende offen. Denn auch wenn der Typ jetzt seit acht Monaten in Köln ist, bin ich noch nicht schlau aus ihm geworden.

Immerhin ist er kein Unsympath. Er stänkert nicht rum, er bedeutet dem Publikum nicht still zu sein wenn er ein Tor schießt, er fällt nicht durch Schwalben oder Tätlichkeiten auf. Man könnte sagen, Sebastian Freis ist das Teflon unter den massenmedial präsentierten Fußballlern. Wäre da nicht seine Stimme, die nicht aus seinem Mund, sondern seinen Nasenlöchern zu kommen scheint und viel zu hoch ist für einen Mann seines Alters. Seis drum.

In Köln wie in Karlsruhe spielt Freis meistens auf der rechten Außenbahn, was heißt, dass er je nach Ballposition vorderer Rechtsverteidiger, Mittelfeldspieler oder Rechtsaußen ist. Am liebsten aber ist Sebastian Freis zentraler Stürmer, und seine Tragik besteht darin, dass er dort fast nie spielen darf, aber seine besten Szenen hat, wenn er einfach mal nach innen rückt.

Dann hat er ein Gespür für den richtigen Moment, um durch die Schnittstelle der Abwehr zu starten und alleine aufs Tor zuzulaufen. Außergewöhnlich schnell ist Freis nicht, aber es reicht für die meisten Innenverteidiger allemal.

Dann allerdings hat Freis den Ball und es wird brenzlig. Denn ein begnadeter Techniker ist er nicht. Sollte Freis jemals den Ball über den herauslaufenden Keeper ins Tor lupfen, trinke ich eine Flasche Rebellenblut auf ex und stelle das YouTube-Video davon hier online.

Freis also läuft auf den Torwart zu. Sein linker Fuß dient dazu, dass er nicht nur auf dem rechten hüpfen muss, also muss er irgendwie mit rechts schießen. In vier von fünf Fällen deutet er den Schuss an und versucht in vollem Lauf am Torwart vorbeizusprinten. In 2 dieser 5 Fälle gelingt ihm das, und ungefähr ein Mal erreicht er den Ball noch vor der Torauslinie, um ihn ins Tor zu schieben.

Versucht er diese Möglichkeit nicht, schießt Sebastian Freis einfach drauf. Und trifft mal das Tor, mal den Zaun dahinter und mal die Nase seines Gegenübers, das nicht immer René Adler heißen muss.

Aber immerhin macht Sebastian Freis manchmal was draus. Und er hängt sich immer rein. Der Ball ist nicht sein Freund, wie das bei Lukas Podolski ist, er ist auch nicht sein spanischer, tangotanzender Geliebter wie bei Bayerns Flügelspielern Ribéry und Robben. Ist der Ball bei Sebastian Freis, macht er was er will. Und weil Sebastian Freis brauchbar schnell und recht wendig ist, schafft er es, den Eskapaden des Balles zu folgen. Techniker, wie es die meisten Spitzen-Verteidiger mittlerweile sind, kommen da nicht mit. Ihnen gehorcht der Ball. Tut er es mal nicht, hat Freis seine Torchance.

Und dafür ist er doch eigentlich ganz brauchbar.

One Response to “Der mit dem Ball jumpstylet.”

  1. Andre

    Ich mag Freis, weil jede Mannschaft auf Kämpfer braucht, die sich aufreiben. Mit seiner Schnelligkeit ist Freis zudem ein idealer Konterspieler und er setzt auch mal seinen Körper ein. Sein Pech in Köln: Zentral, wo er seine besten Leistungen abgerufen hat, sind Nova und Poldi einfach nochmal eine andere Hausnummer… und Soldo mag ihn nicht so sehr, wie ich ;)

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