Wie derzeit in fast allen Lebensbereichen nehme ich auch in Sachen FC eine Spaltung zwischen Internet- und sonstiger veröffentlichter Meinung wahr. Gerade jetzt, wo ein Punkt aus fünf Spielen, egal gegen welche Gegner, einfach zu wenig ist.
Der Express veröffentlichte gestern sogenannte “Fan-Statements” zur Lage, die vor allem der Meinung des Boulevards entsprechen. Kurzer Überblick:
Pardon, ein guter Spieler ist noch lange kein guter Cheftrainer.
Man muss jetzt das Stuttgart- Spiel abwarten, sollte da kein Erfolg sein, muss ein erfahrener Mann her.
Der Präsident Wolfgang Overath aber überlegt ernsthaft, ob der Manager Michael Meier wirklich gut für den FC war – und entlässt ihn schweren Herzens. Und dann steigt ein erneuerter FC Köln mit jungen ambitionierten Spielern wie Phönix aus der Asche.
Ich sage nur: Danke, Herr Meier, für die hervorragende Einkaufspolitik! Aber Hauptsache, die Eintrittspreise sind erhöht. Weltklasse, Champions-League-reif, typisch FC.
Die allererste Maßnahme müsste die Entlassung des Managers Michael Meier sein, der schon Borussia Dortmund am Rande des Abgrunds hatte.
Das „Experiment Soldo“ sollte man als gescheitert betrachten und schleunigst beenden
Pierre Womé oder Manasseh Ishiaku kann man nicht gebrauchen, diese Spieler fallen nur durch Fehler und Disziplinlosigkeit auf.
Die Kritik schießt sich also auf Michael Meier ein. Den Typen, dem wir Novakovic, Podolski, Geromel, Petit, Maniche verdanken. Sicherlich hat er in diesem Sommer nicht das glücklichste Händchen bewiesen bzw. halt einfach nichts gemacht, aber mit einem schnellen Abschied, der zudem bei einem bis 31.12.2013 (!) laufenden Vertrag ziemlich teuer wäre, könnte man die Situation sicher auch nicht retten. Im Gegenteil, man gäbe den Spielern noch ein Alibi.
Diese Meinung scheint sich auch im Internet durchzusetzen. Ruhe bewahren heißt hier das Motto. Hilflose Versuche der Großbuchstabenzeitungen, Soldo als untauglich und “Umfaller” zu diffamieren, werden kaum noch beachtet – dass der Boulevard an der Kölner Situation der letzten Jahre erhebliche Mitschuld hatte, ist hier mittlerweile angekommen. Ich kenne keinen einzigen FC-Fan, der noch Express, Bild oder Kölner Stadtanzeiger liest, geschweige denn kauft. Die Boykottaufrufe im FC-Brett gehen ins Leere, weil dort eh kaum noch einer diese Blätter finanziell unterstützt.
Was also tun? So wie es bisher war kann es natürlich nicht weiterlaufen. Gute Ansätze sind da, aber es fehlt doch einiges, um solide Siege einzufahren. Die heutige Analyse des kicker ist da bemerkenswert zutreffend. Die von mir dort herausgelesene Kernthese lautet: Für sportlich hochwertigen Fußball fehlenden die sportlich hochwertigen Fußballer. Gerade die vollständige Offensive ist eher auf Konter ausgelegt als auf barca-eske Kurzpass-Partys.
Mit Fabrice Ehret und Sebastian Freis hat man zwei schnelle, aber nicht sonderlich zweikampfstarke Flügelspieler, mit Novakovic einen, der ebenso lange Bälle verwerten wie auch den dankbaren Ball ins Tor bugsieren kann und in Lukas Podolski einen der besten Konterstürmer überhaupt. Diese Stärken werden zu wenig ausgenutzt bei dem hehren Ziel, einen besseren Fußball zu etablieren. Hierfür wären Neuzugänge wie Sharbini etc. vielleicht sinnvoll gewesen, ich weiß es nicht. Jetzt gilt es aber, mit dem vorhandenen Personal achtbar aus dem Loch zu kommen, und dazu bräuchte es dann vielleicht eben doch wieder die Brechstange, so leid mir das tut.
Jetzt allerdings kommt erstmal der VfB Stuttgart, gegen den man zuletzt immer gut aussah. Und danach sieht vielleicht alles wieder ganz anders aus.

September 17th, 2009 - 18:02
Ich finde es immer wieder interessant, wenn dem Boulevard eine Teilschuld an der Kölner Situation zugesprochen wird. Dabei werden doch alle Entscheidungen von den Verantwortlichen des Vereins getroffen – und nicht vom Boulevard. Dass diese Entscheidungen nicht immer richtig sind, und dass bspw. keine erstligatauglichen Außenverteidiger verpflichtet wurden, dafür kann keine Zeitung der Welt etwas. Mich wundert es jedenfalls nicht, dass die Berichterstattung bei nur einem Punkt aus fünf Spielen eher kritisch ausfällt. Und dass man von Seiten des Boulevards langsam anfängt, auch den Trainer zu hinterfragen, wäre bei jedem anderen Verein genauso. So ist das im Fußball. Nicht nur beim FC.
September 17th, 2009 - 18:52
Ohne jetzt allzu plumpe Seitenhiebe landen zu wollen: Im Gegensatz zu einem hochsubventionierten Werksverein wie Bayer folgt ein 1. FC Köln aber gewissen Gesetzmäßigkeiten. Dazu gehört, gute Presse/Atmosphäre haben zu müssen um gute Sponsorengelder zu bekommen.
Abgesehen davon dass solche Dinge wie Novakovics Vertrag ganz eindeutig vom Express auf die Agenda gesetzt wurden. Oder die jetzt erfolgte Veröffentlichung der Abstiegsausstiegsklausel von Podolski.
Ganz markant ist die Boulevard-Sache ja bei dem freien Sonntag nach dem Hamburg-Spiel – etliche Spieler waren verletzt, mit der “Stollenwerk-Elf” unterwegs oder natürlich bei ihren Nationalmannschaften. Mit fünf Profis lässt sich nicht trainieren, gleich gabs frei. Bild-Schlagzeile: “UMFALLER SOLDO”.
Ich sage weder dass der Boulevard alleine Schuld trägt oder in Köln völlig anders funktioniert als im Rest Deutschlands. Hier ist er aber nun mal mit drei Zeitungen massiert vertreten, und das rächt sich.
September 17th, 2009 - 23:32
Ich dachte bisher immer, dass man gute Sponsoren mit guten Leistungen, entsprechenden Platzierungen und internationalen Auftritten an Land zieht. Aber da habe ich wohl die Macht der Kölner Presse unterschätzt. ;)
Im Ernst, die Misserfolge der vergangenen Jahre sind nicht auf die Presse zurückzuführen, sondern einzig und allein auf Fehler im Management. Die ziehen sich doch schon seit Mitte der 90er wie ein roter Faden durch die Vereinshistorie.