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Für Kommentatoren, die dem FC gerne Mieses nachsagen, boten sich gestern einige Anekdoten, die solche Kritik unterstützen. Zum Beispiel, als Lukas Podolski vor dem Anpfiff fast das Ritual des Kreisbildens der Mannschaft verpasste und von Mondragon in den fast geschlossenen Ring gerufen werden musste. Oder die tatsächlich recht lächerliche Angelegenheit, als sich Podolski, Novakovic, Petit und Brecko drum käbbelten, wer denn jetzt den Freistoß in die Frankfurter Mauer hauen darf.

Aber es lässt sich zunächst feststellen: Unsere erste Elf sieht verdammt gut aus. Mit Ausnahme von Brecko spielt in dieser Elf keiner, dem ich das nicht zutrauen würde. 10 Spieler, die keine Verlegenheitslösung sind. Und Brecko hat sich gestern auch Mühe gemacht, Sicherheit auszustrahlen.

Eintracht Frankfurt hatte sich offenbar entschlossen, die Datei taktik.doc von Daums letztjährigem Laptop zu klauen – oder einfach ein Energie Cottbus-Cover abzuliefern. Offensiv grenzte das an Arbeitsverweigerung, von ein paar Ecken abgesehen. Lange Bälle nach vorne, ansonsten hinten absichern.

Dagegen tat sich der FC natürlich, wie nahezu jede Mannschaft, ziemlich schwer. Der letzte Pass kam höchst selten an, und wenn, kam er zu Milivoje Novakovic, der seit Mai kein richtiges Spiel mehr gemacht hat – dessen verpasste Chancen darf man ihm nicht so sehr ankreiden.

Gleichzeitig gibt es hier eine Richtungsentscheidung zu treffen, die für Soldo sicherlich nicht so einfach ist. Die genauere Aufstellung gestern sah nämlich so aus:

-----------Novakovic---------
----------Podolski-----------
--Ehret---------------Freis--
-----------Maniche-----------
------------Petit------------
-Womé-Mohamad-Geromel-Brecko-
----------Mondragon----------

Podolski also als hängende Spitze. Hinter Podolski. Korrigiert mich wenn ich falsch liege, aber meines Erachtens war seine größte Stärke immer, steil geschickt zu werden. Schnell, gnadenlos im 1gegen1, gute Technik. Gleichzeitig aber auch: Unser offensiv wohl bester Fußballer. Dementsprechend konnte man gestern sehr oft sehen, wie Podolski sich die Bälle von ziemlich weit hinten holte, sie nach vorne schleppte, die Flügel in Szene setzte oder den Abschluss per Distanzschuss suchte. Das machte er alles ziemlich gut, aber so eingesetzt, verliert er einen guten Teil seiner Torgefährlichkeit, der FC gewinnt aber Spielkultur.

Ich muss zugeben, gestern zur Halbzeit nicht verstanden zu haben, warum das ganze Stadion den Schiedsrichter auspfiff. Das sieht jetzt ein bisschen anders aus. Das uneinheitliche Maß bei gelben Karten habe ich schon im Spiel bemerkt. Selim Teber hätte in der 38. Minute schon zwingend mit Gelb-Rot runtergemusst, nachdem er den schussbereiten Lukas Podolski ohne Aussicht auf den Ball einfach umcheckte. Die beiden Elfmetersituationen waren ebenfalls glücklich für Frankfurt, auch wenn keine von beiden so eindeutig war, dass man da keine zwei Meinungen zulassen darf.

Wenigstens bei der roten Karte war er konsequent. Schon aus Block S2 sah das sehr unschön aus, wie Patrick Ochs da den neuen (verdienten) Publikumsliebling Fabrice Ehret umgrätschte, in der Wiederholung tut es jedes Mal weh. Dass Ochs ernsthaft denkt, das hätte man mit einer gelben Karte regeln können, spricht nicht für ihn. Anscheinend ist die Verletzung nicht so schlimm. Auf die Strafe für Ochs bin ich dennoch gespannt – allein schon, weil es hier um einen direkten Konkurrenten und dessen Topspieler geht.

Letzten Endes hat der 1. FC Köln gestern trotzdem kein Tor geschossen, obwohl Frankfurt bis zur Nachspielzeit keinen einzigen Torschuss abgab. In den letzten 20 Minuten spielte man so, wie ich es unter Daum kein einziges Mal sehen durfte – schnell, mit Plan, nach vorne, über die Flügel. Aber sobald es in den Strafraum ging war Ende. Schade drum.

Lobend hervorheben muss man Maniche. Erst gestern habe ich wirklich glauben können, dass der bei uns gelandet ist. Ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen. Den Typen, der laut Soldo noch ein paar Wochen braucht, bis er wirklich fit ist. Den Typen, der hinten mit abräumte, vorne die Akzente setzte, mit Außenristflügelwechseln mein Herz zum Glühen brachte und immer ausstrahlte, dass er weiß, was jetzt zu tun ist. So ein toller Typ. In Köln. Unglaublich.

Die Noten: Mondragon (3) – Brecko (3,5), Mohamad (2), Geromel (2), Womé (2,5) – Petit (3), Maniche (1,5) – Ehret (2), Freis (3,5) – Podolski (2,5), Novakovic (3)

2 Responses to “Spieltag #3: In der Hoffnung liegt die Kraft”

  1. FC Bayern Alaaf - Kölscher Frohsinn trifft auf bajuwarische Siegermentalität

    Beide FCs ohne Neuverpflichtungen in den letzten Minuten…

    Die letzten Minuten des Transfertickers von SPOX waren geradezu langweilig, bis auf das lächerliche Lincoln-Geschacher in Frankfurt passierte mal so gar nichts.
    Dabei hatte ich durchaus noch die Daumen gedrückt. Weniger für den FCB, hier bin ich mit…

  2. JTK (FCB-Alaaf.de)

    “Aber es lässt sich zunächst feststellen: Unsere erste Elf sieht verdammt gut aus.”

    Ja, aber ich finde, es kommt zu wenig Druck von der Bank, gerade auf den AV-Positionen. Warum nicht beispielsweise Köpplin und Contento von Bayern-II holen (wenn sie wollen, natürlich). Bezahlbar und beides Perspektivspieler, die den Arrivierten Druck machen. Ich hab immer öfter das Gefühl, gerade Womé braucht einen richtig guten Backup, der ihm immer wieder die Notwendigkeit aufzeigt, um seinen Platz zu kämpfen (und verletzungsunanfällig ist er ja auch nicht gerade).

    Siehe auch meinen Blog-Post, der oben als Trackback verlinkt ist (/Werbeeinblendung *g*).

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