Es wird ja immer gestritten, ob die Bundesrepublik konservativ oder eher links ist, aber mein Grundvertrauen ist ja schon, dass die Massenmedien eine gewisse Vernunft walten lassen¹. Daher bin ich schon überrascht, im Jahr 2009 noch eine Überschrift namens “Ausländer-Flut” lesen zu müssen.
Dieter Hecking lässt sich dazu hinreißen, darüber zu lästern, dass im letzten Spiel des FC 11 Ausländer in der Startelf standen. Dami ist er nicht der Erste, in diversen Internetforen konnte man das schon lesen, als mit Matip und Pezzoni noch zwei Deutsche auf dem Platz waren – die klingen halt nur nicht blutrein oder was auch immer.
Aber selbst wenn, sehe ich nicht das Problem. Die Aufstellung am Samstag war: Mondragon-McKenna-Mohamad-Geromel-Brecko-Petit-Boateng-Ehret-Vucicevic-Radu-Novakovic. Von diesen Spielern sprechen nur Mondragon, Geromel, Petit und Boateng kein Deutsch, zwei davon sind seit 8 Monaten in Köln, einer seit 4 Monaten, und Mondragon, gut, der ist halt Mondragon.
Heckings weiteres Argument:
Es geht ja auch um Identifikation mit dem Verein.
Jetzt frage ich mich, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Novakovic spielt in Köln das erste Mal in der Bundesliga, ist Publikumsliebling schlechthin, spielt auch, wenn er in der Woche davor zig Spritzen bekommen hat. Was hat das mit der Nationalität zu tun? Dürfte nicht die Identifikation ungefähr die selbe sein, wie wenn ein Spieler aus Anklam oder Zittau an den Rhein wechselt? Gerade Hecking müsste doch wissen, dass einer seiner Publikumslieblinge, der sich in jedem Spiel den Hintern aufreißt, Jiri Stajner ist, ein Tscheche, der sich sogar zwischenzeitlich mal wieder nach Tschechien ausleihen ließ. Nochmal: Wo ist das Problem?
Außerdem: Selbst wenn Daum lieber mit Deutschen spielen lassen wollte, ist das nicht immer drin. Matip wäre derzeit gesetzt, ist aber verletzt. Yalcin und Brosinski sind hoffnungsvolle Talente, aber eben auch nicht immer bereit. Pezzoni spielt eine Saison, die ihm so wohl keiner zugetraut hat, war aber zuletzt schlicht und ergreifend platt.
Deutsche Spieler sind in Deutschland beliebt, und deswegen sind sie im Zweifel teurer als gleichwertige Spieler aus Portugal, Israel, Serbien, Slowenien. Dass man den Willen hat, etwas zu ändern, sieht man jetzt schon an den Verpflichtungen von Sebastian Freis und Lukas Podolski. Den einen hat man mit einem außerplanmäßigen Kraftakt geholt, der andere kommt ablösefrei vom Karlsruher SC. Plant man beide in der nächsten Saison als Stammspieler ein, hat man jetzt schon vier deutsche Startelfspieler. Ganz davon zu schweigen, wer noch so als Außenverteidiger geholt werden könnte. Eichner wäre, wie schon gesagt, mein Favorit für links hinten. Noch einer. Dürfte aber auch nicht billig sein.
Als 1. FC Köln, als Fahrstuhlverein der Extraklasse, hat man es nicht so leicht, deutschen Talenten eine Perspektive zu bieten. Die wird jetzt gerade aufgebaut. Mit solchen Zitaten wie denen von Hecking zeigt man nicht nur seine Ignoranz zur Schau, sondern demonstriert auch ein merkwürdiges Verhältnis zu Spielern und eine gehörige Portion Unwissenheit.
1: Damit meine ich nicht die ganzen Mittel, die neuerdings im BildBlog allgemein beschrieben werden.

