Es gibt so Dinge, die man nicht verstehen muss und die schön verdeutlichen, wie im deutschen Sportjournalismus gearbeitet wird. War die letzten Wochen immer die Rede davon, Köln habe den Klassenerhalt sicher, wird jetzt der Abstiegskampf wieder herausgeholt, in der gedruckten wie gesendeten Meinung. Wohlgemerkt: Wir haben einen Spieltag weniger zu bestreiten in dieser Saison und der Punkteabstand auf den Relegationsplatz ist exakt gleich geblieben. Wie gesagt: Muss man nicht verstehen.
Dennoch ist diese weitere Niederlage ärgerlich, zumal es die dritte in Folge ist und Unruhe droht. Aber gleichzeitig kann ich bei kaum einem anderen Verein so mit dem Punktverlust leben wie Dortmund, zumal die jetzt gerade einen Lauf haben.
Die Aufstellung des 1. FC Köln am Samstag:
----------Novakovic-------------- ---------------Vucicevic--------- --Ehret---------------Brosinski-- ----------Boateng-Petit---------- -McKenna-Mohamad--Geromel-Brecko- ------------Mondragon------------
Pezzoni bekam also eine Pause, Boateng seinen zweiten Startelfeinsatz, Brosinski durfte mal wieder für die Dauerlücke auf Rechtsaußen vorspielen und Vucicevic war angedacht, offensive Akzente zu setzen.
Das funktionierte auch ganz gut. Die komplette erste Hälfte stand die Mannschaft nahezu immer hervorragend, die offensiven Außen zogen sich zurück, so dass zwei defensive Viererketten entstanden, Vucicevic ging ins Halbfeld und Novakovic lauerte auf Konter. Umso besser, dass das frühe Tor nicht durch so einen langen Ball entstand, sondern durch ein gutes Zusammenspiel von Fabrice Ehret, der auf Vucicevic zurücklegte, welcher wiederum unhaltbar und völlig frei einschießen konnte.
Danach ging das Spiel eigentlich die ganze erste Hälfte lang gut, also hinten dicht stehen und schnell nach vorne spielen, aber dann halt wieder so eine Ecke. Mittlerweile bekomme ich bei jeder Standardsituation gegen uns Angst, und oft ist sie nicht unberechtigt. Mir ist ein Rätsel, warum das nicht klappt. Und warum bei einer Ecke (!) niemand bei Subotic ist, der auch schon vor diesem Spiel fünf Saisontore erzielt hatte. Und auch M0ndragon muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es ein probates Mittel ist, Ecken, Flanken und Freistöße direkt an den Fünfmeterraum zu ziehen, weil eben Mondragon auf der Linie kleben bleibt, wenn es nicht gerade etwas zu meckern gibt.
Und auch beim 2:1 ist Mondragon irgendwie im Blickfeld. Ich habe mir das Tor jetzt einige Male angeguckt. Es ist ein sehr schönes Tor, volley von Hajnal, aber der Ball geht nicht wirklich ins Eck, er ist lang unterwegs. Mondragon springt sofort ab, dabei hätte er noch einen Schritt nach rechts machen können und den Ball so sicher am Tor vorbeigelenkt. Aber gut, dafür hat er gegen Cottbus drei Punkte geholt.
Noch was zum Geromel-Eigentor: Hoffentlich kommt er schnell drüber weg. Es sieht saublöd aus, er sollte es sich besser nicht nochmal selbst angucken. Und es sagt wieder mal einiges über Fußballdeutschland aus, wie er jetzt in den Mittelpunkt rückt. Heute schon wieder hier gehört und im Netz gelesen, dass der FC ja immer nur so Trottelinnenverteidiger hätte. Das war mal. Aber egal.
Was mir Sorgen bereitet (wie schon in der Hinrunde), ist das Restprogramm. Auf dem Papier sind da nur zwei Mannschaften schlagbar, und zwar Bochum am 34. Spieltag (aber leider zuhause) und Hannover auswärts. In Hannover ist Hannover eine Macht. Und das restliche Programm: Stuttgart (H), Bremen (H), Hoffenheim (A), Hertha (H), Hamburg (A). Im Prinzip ist da eine veritable 0-Punkte-Serie drin. Aber wir haben auch schon Schalke, Stuttgart und Bayern geschlagen, und mit einer weiteren Überraschung dürfte man dann vielleicht doch endlich durch sein. Wollen wir es hoffen.
Mondragon (4,5) – McKenna (5), Mohamad (3), Geromel (4), Brecko (4) – Boateng (4,5), Petit (3,5) – Ehret (4), Brosinski (4) – Vucicevic (3), Novakovic (4)
