Man muss meiner Meinung nach gar nicht viel über das Spiel gestern sagen. Natürlich ist es bitter, so ein Spiel zu verlieren, noch dazu so verdient und gegen diesen Gegner. Aber es kam halt so, und eigentlich habe ich damit gerechnet. Hey, die haben Hamburg höher (und genauso verdient) nach Hause geschickt, die spielen gerade richtig gut. Schön, dass Brecko getroffen hat, einmal glücklich, einmal wunderschön. Das kann man immerhin so als Erkenntnis mitnehmen. Außerdem, dass Willi Sanou, “Publikumsliebling” hin oder her, im Sommer gerne für etwas Kleingeld zurück in die zweite Liga gehen darf. Das, was er da macht, ist einfach nicht bundesligareif. Weder offensiv, wo er an kaum einem Gegner mal vorbeikommt, noch defensiv, wo er durch einen bescheuerten Fehlpass das 0:1 verschuldete.
Screenshot: www.fc-tv.de
Man muss zugeben, dass die Gladbacher da wirklich die Räume gut zustellen, aber einen Pass auf Geromel am linken Bildrand, der hinter (!) Rob Friend steht, das geht ja nun wirklich gar nicht. Danach sind es nur noch zwei Pässe und ein mal wieder gut aufgelegter Marko Marin und das Tor ist nahezu zwangsläufig gefallen.
Der Rest war dann nur noch cleveres Kontern der Gladbacher, was ja absolut legitim ist. Wenn ich jetzt nicht so gelassen wäre, könnte ich mich noch über Albermans völlig abstrusen Elfmeter aufregen und darüber fabulieren, ob uns noch das 3:3 gelungen wäre. Aber letztendlich ist das doch auch egal, in der letzten Saison haben wir zuhause einen ebenso abstrusen Elfmeter in der Nachspielzeit bekommen.
Zwei andere Dinge ärgern mich wirklich.
1. Die Fans. Ich setze das nicht, wie es Mode ist, in Anführungszeichen, so im Sinne von “Das sind gar keine Fans, weil sie ihrem Verein schaden”. Natürlich sind das Fans, viele von denen fahren ganz schön viele Auswärtskilometer im Jahr und werden präventiv behandelt wie Schwerverbrecher (man fahre mal nach Gelsenkirchen). Dennoch fehlt mir das Verständnis für Straßenschlachten als Folklore. Von beiden Seiten. Man beschießt keine Straßenbahnen mit Gladbachfans drin mit Feuerwerkskörpern, man verschafft sich aber auch in der Bahn nicht, äh, unkonventionell Frischluft. Und was gar nicht geht: Pfeifkonzert bzw. lauter Jubel, während Ümit Özat wegen des ständigen Risikos eines Herztodes seine Karriere beendet. Und was noch viel weniger geht: Im Gästeblock während der Schweigeminute für die Opfer des Amoklaufes laut zu feiern und Rauchbomben zu zünden. Wieso macht man sowas? Das geht mir absolut nicht in den Kopf.
2. Dass jetzt die Panik wieder losgeht. Der Express titelt tatsächlich: “Derby-Pleite – FC im Sturzflug”. Und liefert ein wirklich interessantes Lehrstück über Wirklichkeitsverdrehung ab:
Ausgerechnet bei den Bayern gelang der einzige Rückrunden-Erfolg, ansonsten hagelte es Pleiten oder magere Punkteteilungen.
Es sind jetzt sieben Spiele in der Rückrunde gespielt. Davon hat man eins gegen Bayern München sensationell gewonnen, ansonsten vier Mal unentschieden gespielt (was man auch “Fünf Mal in Folge ungeschlagen” nennen kann) und dann auswärts gegen Schalke 0:1 und zuhause gegen den aufstrebendsten aller Abstiegskandidaten verloren. Der VfL Wolfsburg, überall mittlerweile ein Meisterschaftskandidat, hat von den letzten sieben Bundesligaspielen nur eines nicht gewonnen – das gegen den FC. So kann man das auch sehen. Sicherlich war die Leistung nicht überragend, und diese Heimschwäche kann einem Sorgen machen, aber uns jetzt in den Abstiegskampf zu schreiben macht die Situation sicherlich nicht besser. Es sind sieben Punkte Vorsprung. Nächstes Wochenende geht es nach Cottbus. Da sollte man gewinnen, aber auch das ist nicht sicher.
Und überhaupt, jetzt werden die Minuten gezählt, seit Novakovic zuletzt getroffen hat. Bis dahin haben sich alle beschwert, nur Novakovic würde Tore schießen. Seitdem: Treffer durch Ehret, Brosinski, Petit, Brecko. Aber oh weh, Novakovic im Formtief. Was auch nicht stimmt – er spielt weiter wirklich bemüht, es kommt halt gerade nicht so viel dabei herum.
Das nur dazu. Ich sehe uns noch nicht als gerettet an, aber jetzt in Panik zu verfallen, ist der falsche Weg.
