Petit, der defensive Mittelfeldspieler des 1. FC Köln, heißt mit vollem Namen Armando Gonçalves Teixeira. Das ist vielleicht notwendig um zu verdeutlichen, dass “Petit” nichts mit seinem bürgerlichen Namen zu tun hat, sondern einzig und allein seiner Körpergröße geschuldet ist. Die Angaben zu dieser schwanken zwischen 1,72m (Wikipedia) und 1,78m (Transfermarkt.de), die offizielle FC-Homepage spricht von 1,75m. Das ist nicht abstrus klein, aber für einen defensiven Fußballspieler auch kein Gardemaß. Und das erst recht nicht, wenn es darum geht, dass ein Mensch dieser Größe ein Kopfballtor macht, während seine direkten Gegenspieler Mijatovic (1,91m) und Herzig (1,87m) nicht an den Ball kommen.
Das verdeutlicht auch die Dominanz, die der 1. FC Köln in den ersten dreißig Minuten des Heimspiels gegen Arminia Bielefeld ausstrahlte. Man darf gerne Marvin Matip folgen, der konstatierte: “Wir haben die beste erste Hälfte der Saison gespielt.” Wäre da nicht dieses überflüssige 1:1 gewesen. Aber von vorne.
Der FC begann mit seiner derzeit wohl besten Elf:
-----------Novakovic----------- -Ehret---Vucicevic---Brosinski- ---------Pezzoni-Petit--------- -Matip-Geromel--McKenna-Brecko- -----------Mondragon-----------
Und anstatt des erwarteten Abtastens begann der FC druckvoll und mit tollen Spielzügen. Die Sekunden vor dem 1:0 könnte ich mir unendlich oft angucken, so simpel, effektiv und fehlerfrei sind sie. Traumpass von Matip auf Ehret, der schlägt eine perfekte Flanke und Petit läuft aus der Tiefe mit einem unnachahmlichen Timing in den Ball und findet sogar noch die Kraft, den so im Tor zu platzieren dass der wieder einmal sehr gut aufgelegte Bielefelder Torwart Dennis Eilhoff chancenlos ist.
Und danach ging es genauso weiter, nur dass man kein Tor mehr schoss. Dass dieses Tempo nicht aufrechterhalten werden konnte, war natürlich völlig klar, aber Hoffnung durfte man schon haben, dass ein 2:0 folgen könnte. Wäre da nicht diese Szene in der 43. Minute gewesen. Brecko hat den Ball sicher, will zu Mondragon zurückpassen, Geromel bezieht den Pass auf sich, versucht ihn in einem Reflex anzunehmen, er springt weg, Katongo ist da und verwertet diese unfreiwillige Torvorlage traumhaft. Auch das muss man anerkennen: In einer so unerwarteten Situation den Ball so platziert zu schießen, da gehört auch schon etwas zu.
Ich habe kaum Zweifel, dass der FC das Spiel noch gewonnen hätte, wären nicht durch die teils recht harte Spielweise der Bielefelder Petit und Novakovic ausgefallen. Gerade ersterer machte sein vielleicht bestes Spiel der Saison, agierte nicht nur als der bislang schon bekannte tolle Ballgewinner, sondern auch als Regisseur und Torschütze.
Lobend hervorheben muss man auch, endlich mal, Marvin Matip. In dieser Form defensiver Sicherheit und kontrollierter und konstruktiver Offensive könnte er meinetwegen Pierre Womé verdrängen. Und vielleicht versteht jetzt auch so mancher FC-Fan, warum ihn auch andere Bundesligavereine im Sommer gerne verpflichten möchten.
Die Enttäuschung des Abends war nicht Miso Brecko, der einfach Pech hatte (und der, wäre sein famoser Linksschuss reingegangen wäre, sicher deutlich bessere Noten bekommen hätte), sondern die drei Einwechselspieler. Thomas Broich fehlte vollständig die Bindung ans Spiel, Radu wirkte fast, als wäre einfach nur Brosinski vom Feld gegangen, so wenig fand er statt, und Ishiaku hat enorme Probleme einzuschätzen, wann ein von ihm geführter Zweikampf abgepfiffen wird – so hält er den Ball nicht, sondern sorgt via Freistoß für den schnellstmöglichen Ballbesitz des Gegners.
Am Freitag geht es nach Schalke, ich bin dabei und habe Geburtstag, da sollte mindestens ein Punkt doch bitteschön drin sein. Ich bin gespannt. Sechs Spiele in Folge ungeschlagen, das muss man sich mal vorstellen. Und weiterhin einen Punkt vor Werder Bremen.
Völlig vergessen: Die Noten. Mal wieder
Mondragon (3) – Brecko (4,5), Geromel (3), McKenna (2,5), Matip (1,5) – Petit (1), Pezzoni (2,5) – Ehret (1,5), Vucicevic (2), Brosinski (3,5) – Novakovic (4)
Eingewechselt: Broich (4,5), Ishiaku (4), Radu (5)

