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Road to Roda

Februar 12th, 2009

Seit gestern ist es so gut wie offiziell: Roda Antar wird für die erste Mannschaft des 1. FC Köln nicht mehr spielen. Eine Chronologie

20. Mai 2007: Nach dem Ende des letzten Spieltags der Saison 2006/07 gibt Roda Antar bekannt, den SC Freiburg zu verlassen und ablösefrei zum 1. FC Köln zu wechseln. Dem voraus gegangen ist eine katastrophale Saison des FC, die auf Platz 9 der zweiten Bundesliga endete, und ein Zerwürfnis Antars mit Freiburger Fans sowie seine Enttäuschung über den Abschied Volker Finkes.

10. August 2007: Roda Antar spielt bei seinem Ligadebüt für den neuen Verein gut. Defensiv hilft er mit und bereitet das entscheidende 2:0 durch Novakovic vor.

24. August 2007: Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena. Roda Antar, schon als zentrale Figur der neuen Mannschaft gesehen, nimmt eine Auszeit. Das Spiel, in den Schlussminuten von Chihi in einen unfassbaren 4:3-Sieg gedreht, geht komplett an ihm vorbei. Bis auf ein Mal. Da begeht er einen vom Schiedsrichter nicht gesehenen Kopfstoß gegen einen Gegenspieler und wird später aufgrund der Fernsehbilder für drei Spiele gesperrt.

23. März 2008, 14:18: Bislang hat Roda Antar kein Tor für den 1. FC Köln erzielt, und langsam fragt man sich, ob nicht doch andere Leute statt seiner spielen sollten. Bis jetzt. Ümit Özat geht an der rechten Grundlinie am Gegenspieler vorbei, flankt, wie nur er in Köln das kann, Roda Antar steht am Elfmeterpunkt, sieht den scharf geschossenen Ball kommen, springt und versenkt den Ball per Fallrückzieher ins Wehener Tor, wie man das in dieser Perfektion lange nicht, wenn nicht nie gesehen hat. An diesem Tor stimmt alles. Jetzt platzt der Knoten. In den nächsten und entscheidenden 8 Spielen schießt er unfassbare 6 Tore.

4. Mai 2008: Im “ersten Finale” der Saison empfängt der FC den Aufstiegskonkurrenten TSG Hoffenheim. Zwar versteckt sich der Gast nicht, aber gerade durch das dominante Auftreten des zentralen Mittelfelds um Suazo, Broich und gerade Antar siegt der FC mit 3:1. Carlos Eduardo ist vom Spiel und der Chancenlosigkeit so genervt, dass er Roda Antar mit dem Kopf rammt und nachträglich für drei Spiele gesperrt wird. Der Kreis schließt sich.

11. Mai 2008: Heimspiel gegen Mainz. Bei einem Sieg ist man sicher aufgestiegen. Es ist ein wunderbarer sonniger Frühlingstag, und Roda Antar schießt beide Tore zum 2:0-Sieg. Der FC ist aufgestiegen. Roda Antar ist der Held.

24. August 2008: Erstes Heimspiel der neuen Erstligasaison. Der FC spielt gut gegen Eintracht Frankfurt, führt 1:0. Dann wird Radu von Ochs gefoult, es gibt Elfmeter. Leitwolf Antar fordert den Ball, bekommt ihn. Nikolov springt in die falsche Ecke, doch der Ball geht nur an den Innenpfosten. In der zweiten Hälfte schießt Frankfurt den Ausgleich, die ersten Medien reden von einem “Fehlstart”.

16. September 2008: Via express lässt Roda Antar ausrichten, er würde lieber offensiv spielen und nicht im defensiven oder zentralen Mittelfeld. Dann würde auch der Knoten platzen.

30. Oktober 2008: „Der Trainer muss das entscheiden. Ich muss das akzeptieren. Und ich respektiere es auch, wenn er mich auf die Bank oder sogar auf die Tribüne setzt.“

12. Dezember 2008: Christoph Daum kündigt an, Roda Antar nicht für den Kader des letzten Spiels der Hinrunde in Bochum zu nominieren. Offiziell geht es um aufreizende Lustlosigkeit im Training, es wird aber auch offen darüber gesprochen, dass Antar Trainingsabläufe störte. Der Express nennt ihn “Spaltpilz”.

1. Januar 2009:  Erstmals wird öffentlich, dass die neuerdings von Volker Finke trainierten Urawa Red Diamonds aus Japan Interesse an einer Verpflichtung Antars haben. Die FC-Verantwortlichen blocken ab, verpflichten aber nahezu zeitgleich mit Derek Boateng einen Antar positionstechnisch ähnlichen Spieler.

26. Januar 2009: Roda Antar lässt via kicker ausrichten, als Achter oder Sechser im defensiveren Mittelfeld auflaufen zu wollen. Dort würde er zu alter Form zurückfinden.

29. Januar 2009: Roda Antar reist überraschend, mit zähneknirschender Billigung des Vereins, zu einem Länderspiel des Libanon ab. Er kehrt wenig später erkältet zurück und kommt nicht für einen Einsatz beim ersten Spiel der Rückrunde nur zwei Tage später in Frage.

9. Februar 2009: Roda Antar lässt via Bild verlauten, wechseln zu wollen. Die Nichtberücksichtigung am 19. Spieltag habe ihn tief getroffen. Er sei fit, wenn ihn der Trainer nicht spielen lasse habe er dafür kein Verständnis. Zu diesem Zeitpunkt hat Roda Antar 15 von 19 Saisonspielen von Beginn an gemacht und, trotz Position im offensiven Mittelfeld, erst einen Assist gesammelt, als er im Strafraum nach dem Ball stocherte, den dann Novakovic reinmachte.

11. Februar 2009: In einem Gespräch mit Antar stellt Michael Meier klar, Antar müsse sich jetzt entscheiden, wie es weiter gehen soll. Beim nachfolgenden Training fehlt er unentschuldigt. Sein Handy ist ausgeschaltet, im Verein kann ihn niemand erreichen. Daraufhin lässt der Verein über seine Homepage verlauten, dass Antar nicht mehr für die erste Mannschaft auflaufen wird. Die Tatsache, dass ihm nicht fristlos gekündigt wurde, lässt auf weiterhin interessierte Vereine im Ausland schließen.

Eine traurige Geschichte mit einem wunderschönen Mittelteil geht hier wohl gerade zuende. Man konnte mit so etwas nach Antars reibungsvollem Abgang in Freiburg eigentlich rechnen. Trotzdem hat der Verein sicher alles richtig gemacht. Eine Rückrunde war Antar ein Held. Den Rest der Zeit hat er von Erwartungen gelebt, die er enttäuschte. Sein größter Verdienst war wohl, seinen Freund Mohamad nach Köln gelotst zu haben. Der ist nämlich weiterhin Bestandteil einer überragenden Innenverteidigung.

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