Sportteil

Chancen einer Rückkehr

Januar 19th, 2009

Überall nur Bedenkenträger des endlich fix gemachten Transfers von Lukas Podolski nach Köln. Wie langweilig!

Daniel Theweleit ist der vielleicht Meistgelesene unter vielen. Keiner kann sich so recht freuen über die Rückkehr, alle haben Einwände – kaum eines dieser Argumente ist nichtig, alle haben ihre Berechtigung, aber sie führen oft genug zum falschen Schluss: Dass dieser Transfer ein Fehler ist.

Gut, zunächst einmal sieht es nach einem Risiko- oder gar Verlustspiel für alle aus: Podolski verzichtet auf internationale Einsätze und Gehalt, Bayern auf eine höhere Ablöse aus Hamburg oder England, Köln auf Geld für weitere schlagkräftige Neuverpflichtungen.

Natürlich wird Podolski einen enormen Druck aushalten müssen, kann es sein, dass einige in der Mannschaft murren werden über den hochbezahlten Publikumsliebling. Aber das alles sind unliebsame, gleichwohl teils auch im Endeffekt möglicherweise positive Auswirkungen.

These 1: Der FC verhebt sich finanziell an diesem Transfer
Natürlich kann ein Aufsteiger nicht einfach so 10 Millionen Euro bezahlen, weswegen es zu der etwas obskur anmutenden Idee einer Poldi-Party mit Bayernspiel kommt, die genug Geld einspielen soll. Woher das restliche Geld kommt, ist nicht eindeutig geklärt, man kann aber davon ausgehen, dass die Wahrheit nicht so einfach ist, wie Theweleit sie gerne hätte: Dass der FC einfach Schulden aufnimmt. Das ist nämlich vielleicht bei Meier mal so gewesen, der kann aber nur Geld ausgeben, dessen Leihe ihm vorher die seriösen Kaufleute Overath und Horstmann erlaubt haben. So viel Geld werden sie ihm nicht genehmigt haben – höchstens über dem Verein sowieso eng verbundene Partner, also Sponsoren, die zB. jetzt einen Vorschuss auf in Zukunft fällige Zahlungen leisten.

These 2: Podolski wird den Druck in der Stadt nicht aushalten
Den Druck hatte er schon in zwei Spielzeiten in Köln. 2004/05, da schoss er den FC im Alleingang in Liga 1. 2005/06, als der Verein abstieg, als er in ein für junge Spieler völlig normales Formtief geriet, als ihn Uwe Rapolder als einzige Spitze aufstellte und so völlig verheizte und er trotzdem 12 Tore schoss und 9 vorbereitete. Er kennt die Stadt und die Erwartungshaltung, er kann diese auch bedienen, wenn es mal nicht so läuft.

These 3: Podolski bringt die Teamhierarchie durcheinander
Theweleit schreibt, dass Novakovic in der Kapitänsrolle aufblühen würde, nachdem er früher oft durch Eskapaden und Wechselabsichten für Aufsehen sorgte. Das kann ich gar nicht nachvollziehen. Eskapaden, sicher, er hat öfter mal einen über den Durst getrunken und ist dann schändlicherweise noch Auto gefahren, aber Wechselabsichten? Die hatte er höchstens nach dem ersten halben Jahr, als er noch gar nicht angekommen war. Zudem blüht er durch die Kapitänsbinde keineswegs auf, er spielt weiter so erfolgreich wie bisher, nur dass er öfter gelbe Karten wegen Meckerns sieht. Zudem gibt es andere Führungsspieler, Ümit Özat, Petit, Mondragon. Die können nur alle schlecht oder gar nicht Deutsch. Lukas Podolski dagegen ist kein Kapitän und möchte das wohl auch gar nicht sein. Warum das ein Problem sein sollte, ist mir nicht klar. Problematisch könnte die Gehaltsstruktur sein, wenn Podolski nicht wie erwartet einschlägt. Aber wer sich da öffentlich oder intern beschwert, zeigt, dass er die Stadt nicht verstanden hat und gehört dann vielleicht auch gar nicht her – komischerweise fällt mir dabei ständig Roda Antar, die Stimmungskanone, ein.

These 4: Podolski verringert seine Chancen auf Nationalmannschaftseinsätze
“Ich denke, das wird seiner Entwicklung eher guttun”, Joachim Löw, Bundestrainer.

Gegenthese 1: Podolski wird in Köln aufblühen
Diese Stadt, diesen Verein, diese Fans, dieses Stadion kennt er. Er kann in Bergheim bei seiner Verwandtschaft wohnen, wie er das möchte. Er bekommt den Vertrauensvorschuss, den er in München nie hatte, wo ihm ein Miro Klose in epischem Formtief monatelang vorgezogen wurde. Er spielt in einem Verein, der oft über Konter kommen wird, was ihm zugute kommt. Er wird, bleibt er von Verletzungen verschont, seine 30+x Spiele in der Liga plus einige im Pokal machen. Für einen 23-jährigen Spieler ist das schon einiges und allemal wichtiger, als 15 Kurzeinsätze beim Topclub und 200 Minuten Champions League. Er kann hier zum Gesicht eines neuen FC werden und dann in drei Jahren vielleicht doch noch mal für viel Geld den nächsten Schritt wagen, oder er bleibt hier und wird eine Legende. Es gäbe schlimmeres.

(Ja, es kann alles auch ganz anders kommen. Aber das sollen Gladbacher zusammenfabulieren)

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