Jetzt sind ein paar Tage vergangen seit dem Heimspiel gegen Hoffenheim, ich bin langsam wieder aufgetaut und kann auch etwas klarer zurücksehen.
Zwei Premieren hatte der Samstag für mich persönlich zu bieten: Zum ersten Mal nahm ich meinen Vater mit zum Fußball, und, darauf fußend, zum ersten Mal saß ich an der Seitenlinie und sah das Spiel nicht von hinter einem der Tore.
Meinem Vater wurde ganz offenbar einiges geboten, zwei Platzverweise, harte Fouls, zwei Tore auf “unserer” Seite, eine hübsche, vom DFB kaum zu beanstandende Choreo – nur leider kein Heimsieg. Sportlich ging die Niederlage natürlich vollkommen in Ordnung, aber das gesamte Drumherum kann einem sauer aufstoßen.
1. Christoph Daum hat sich natürlich komplett im Ton vergriffen – die Enttäuschung über eine Niederlage kann jemanden dieses Ranges nicht dazu bringen, sich auf der Pressekonferenz so zum Hampelmann zu machen, nur weil die Hoffenheimer Bank bei McKennas Foul aufspringt, dass
2. nie und nimmer eine rote Karte war. Nach dem Regeltext mag das anders sein, aber jetzt habe ich dieses Foul so oft gesehen und kann da immer noch nicht erkennen, wo seine Außerordentlichkeit zu sehen sein soll.
3. Überhaupt, Herr Aytekin. Der war der aufgeladenen Situation des Spieles absolut nicht gewachsen, übersah üble Tretereien auf beiden Seiten (bei einem der inflationär häufigen Fouls von Zsolt Löw dachte ich, McKenna macht jetzt erstmal Urlaub bis Juli), hätte, wenn man ehrlich ist, Mondragon wegen Meckerns irgendwann des Feldes verweisen müssen.
4. Überhaupt, Mondragon. So leid es mir tut, sportlich reicht das nicht mehr für den Typen, wegen dem ständig das Eisspray bereit steht, falls er mal auf seine linke Schulter fällt. Na klar, einmal auf der Linie hält er großartig, aber beim 2:0 hätte er die Situation mit simplem Rauslaufen im Prinzip zunichtemachen können, und ein Erstligatorwart kann das 3:1 mitunter auch mal halten. Vielleicht tut der Schnitt not, vielleicht kann sich Timo Hildebrand ja vorstellen, im Winter zu einem Aufsteiger zu wechseln.
5. Überhaupt, Roda Antar. Der wird langsam zum Ärgernis. Er durfte bislang in allen 14 Bundesligaspielen beginnen, wurde drei Mal ausgewechselt, spielt auf seiner erklärten Lieblingsposition und hat bislang weder ein Tor noch eine Vorlage zu Buche stehen. Stattdessen lamentiert er, läuft viel zu wenig, verliert Bälle. Auf der 10er-Position klafft beim 1. FC Köln ein riesiges Loch, das dann von hinten durch Petit, von vorne durch Novakovic und von den Seiten durch die Flügelstürmer Chihi und Vucicevic gestopft werden soll. Wie das gehen kann? Keine Ahnung. Diese Ratlosigkeit ist der Grund für das Auftreten des FC in den letzten Spielen. Und dann muss man im Kicker lesen, dass Broich vielleicht nach Nürnberg geht. Zum Kotzen.
6. Überhaupt, die Offensive. Novakovic hing dermaßen in der Luft, weil Nemanja Vucicevic fast nie am Gegenspieler vorbeikam und Adil Chihi, angeblich mit aufsteigender Formkurve, sich den Ball selbst stiebitzte um sich hiernach ein Bein zu stellen. So funktioniert das nicht.
Das zum FC. Zu Hoffenheim:
1. Ralf Rangnick, auch das war Mist. Wie kann man seiner Mannschaft vor dem Spiel eine Videocollage von Fouls der Gegenspieler in der letzten Saison zeigen? Natürlich, da war das Jahrhundertfoul von Maynor Suazo an Salihovic, aber der ist wieder in der Türkei. Vielerlei Presse sprang Rangnick bei, erzählte von den harten Kampfspielen der Kölner in der letzten Saison, aber Moment: Im entscheidenden Spiel am 4. Mai 2008 sahen wir ein sportlich hochklassiges und meist faires Spiel, mit einer Unsportlichkeit von Maynor Suazo und einer glasklaren Tätlichkeit von Carlos Eduardo, der nachträglich für drei Spiele gesperrt wurde. Auch das Hinspiel hatte gerade mal eine (!) gelbe Karte durch den “souveränen” (kicker) Schiedsrichter zu vermelden. Nein, es ist ganz einfach so: Die Hoffenheimer haben von Anfang an den Fuß draufgehalten, von der Stimmung geleitet haben die Kölner zurückgetreten, und schwups wurde ein Spiel draus, in dem die TSG nicht glänzen konnte, aber eben Tore gemacht hat.
2. Liebe TSG: Ich muss zugeben, schon verwundert gewesen zu sein von den vielen Fans, die im Gästeblock standen und saßen und die teilweise auch ordentlich Rabatz gemacht haben. Aber hey, dass es euch als Gruppierung jetzt seit ein, sagen wir zwei Jahren gibt und ihr trotzdem schon eine beeindruckende Zahl von Idioten habt, die homophobe und rassistische Gesänge anstimmen, das hat mich doch schon gewundert. Schmälert ein wenig den Eindruck, könnte auch irgendwann zum Problem werden.
Was bleibt? Ein Kapitän Novakovic, der richtigerweise auf die Pauke haut; drei Restspiele die über den Verlauf der Winterpause entscheiden; mit Hertha BSC einen unterschätzten Gegner am Freitag; die Hoffnung, dass Antar mal auf die Bühne muss; die Noten:
Mondragon (5) – Womé (3), Mohamad (4), Geromel (2,5), McKenna (4) – Petit (3), Pezzoni (5) – Chihi (6), Antar (6), Vucicevic (6), Novakovic (4)
