Sportteil

Dekonstruktivismus

November 5th, 2008

Der 11. Spieltag ist (schon etwas länger, sorry) vorbei und wir stehen ganze acht Punkte vor dem Relegationsplatz. Und das nicht mit geschenkten Siegen gegen Bielefeld und Frankfurt (meine Güte, wäre man da schon geistig anwesend gewesen, wäre das jetzt noch viel obskurer), sondern mit spielerischen Glanzleistungen gegen Schalke, Gladbach und co. Und dann halt noch gegen Stuttgart. Hust.

Denn spätestens nach der Adduktorenverletzung von Flügelgott Fabrice Ehret war klar, dass sich im System was tun musste. Und so kam es, dass Christoph Daum eine Aufstellung publizierte und die andere spielen ließ; Die Offizielle sah so aus:
--------Novakovic-----Radu---------
---------------Antar---------------
-----Pezzoni-------------Petit-----
---------------Matip---------------
--Womé--Mohamad---Geromel--Brecko--
-------------Mondragon-------------

Tatsächlich sah die Angelegenheit aber so aus:

----------Novakovic----------------
--------------------Radu-----------
---------------Antar---------------
-------Pezzoni-Matip-Petit---------
--Womé--Mohamad---Geromel--Brecko--
-------------Mondragon-------------

Also: Drei defensive Mittelfeldspieler, Antar als Bindeglied zu den zwei Spitzen, Radu soll Räume für Novakovic schaffen. Spiel zerstören, auf Konter lauern. Warum nicht. Das kennt man zwar aus Cottbus, aber die spielen jetzt ja auch im dritten Jahr erstklassig.

Dass die Sache so gut aufging lag zum einen daran, dass Novakovic nach einem schönen Kopfball von Radu schon in der 3. Minute zum 0:1 abstaubte und Stuttgart sofort zum Handeln gezwungen war, und zum anderen daran dass dem VfB viel zu wenig einfiel – wer gegen fünf zentrale Defensivkräfte immer noch versucht durch die Mitte zum Abschluss zu kommen, dem ist nicht mehr zu helfen.
Überraschend war vielleicht die Aufstellung von Marvin Matip, die er zur feinen Vorarbeit der Vorarbeit des 0:1 nutzte, bevor er nach einer knappen halben Stunde schon wieder vom Feld musste und verletzungsbedingt von Kevin McKenna ersetzt wurde. Die Matip-kicker-Note (5) ist insofern eine Unverschämtheit.

Das Problem an diesem Erfolg ist, dass er kaum reproduzierbar ist – stellt man sich zuhause gegen Hannover 96 so tief rein, wird das vom Publikum nicht besonders lange honoriert werden. Zudem wäre das alles sicher nicht so schön aufgegangen, wäre nicht das frühe Tor gefallen und hätten nicht die Stuttgarter Nationalspieler Hitzlsperger und Hilbert die beiden weiteren Kölner Tore so mustergültig aufgelegt. Gegen Hannover am Freitag muss es also wieder offensiver werden und, ich glaube mir selbst kaum während ich das schreibe, das kann unsere Defensive ja auch ab. Mit dem Dreieck Petit-Mohamad-Geromel könnte ich persönlich mir ja auch einfach mal ein Rauten-4-4-2 vorstellen:
----------Novakovic--Radu----------
--------------Broich---------------
-----Ehret---------------Antar-----
---------------Petit---------------
--Womé--Mohamad---Geromel--Brecko--
-------------Mondragon-------------

Dann wäre Antar auch mal von dem Druck befreit, das Spiel machen zu müssen, denn er bleibt weiterhin die Enttäuschung der Saison – am Samstag hätte der Sieg durchaus höher ausfallen können, hätte er nicht ein ums andere Mal die Konter gestoppt und das Spiel verlangsamt oder gnadenlose Fehlpässe gespielt. Und, ja, ich kenne die Trainingseindrücke nicht, dennoch, ich finde Broich hätte die Chance auf seiner Lieblingsposition verdient. Er ist genauso Aufstiegsheld wie Antar.

Wollte ich resignieren, würde ich für Freitag wieder ein 4-2-3-1 prognostizieren, vielleicht mit Sanou in der Startelf. Zwei Stürmer dauerhaft gibt es vielleicht erst, wenn Ishiaku fit ist. Oder wenn dann halt noch Podolski kommt. Wie auch immer das passieren sollte.

Die Noten:
Mondragon (2) – Wome (3), Mohamad (1,5), Geromel (1,5), Brecko (2,5) – Petit (2), Pezzoni (2), Matip (-) – Antar (5) – Radu (3), Novakovic (1,5)
Eingewechselt: McKenna (3)

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