Sportteil

Bequemlichkeitsphilosophie

November 1st, 2008

Vielleicht liegt es an mir. Mittwoch abend, gerade nach Hause gekommen, habe ich bemerkt: Ich habe noch nie im Stadion einen Bundesligasieg des 1. FC Köln gesehen. Bittere Unentschieden wie gegen Schalke 2005, Auswärtsniederlagen zum Abhaken, aber noch nie drei Punkte, ein feierndes Stadion, jubelnde Spieler zum Abpfiff. Das nur in der zweiten Liga, und auch da deutlich seltener als die Tabelle letztenendes aussagte.

Gegen Dortmund zum fünften Mal die selbe Aufstellung in Folge, was ja eigentlich gut ist, langsam aber auch auf einen Mangel an Alternativen hindeutet: Wo Fabrice Ehret in letzter Zeit durchaus mal seine Qualitäten zeigte, ist Nemanja Vucicevic doch größtenteils ein Ausfall, seine Alternativen lauten aber Willi Sanou und Sergiu Radu. Dazu kommt mit Roda Antar eine Personalie, bei der ich mittlerweile fast glaube dass Christoph Daum an einer offensichtlichen Demütigung Thomas Broichs gelegen ist. Doch dazu später.

Zum Spiel selbst kann man nicht viel sagen. Ich habe gerade den Sportschau-Bericht gesehen und halte ihn für mindestens missverständlich, denn: In den ersten 20 Minuten spielt der FC die Dortmunder fast an die Wand. Bis auf wenige Situationen spielt sich alles in der BVB-Hälfte an der Südtribüne ab, es wollen nur keine richtigen Torchancen aufkommen. Die Pässe sitzen, Womé und Ehret wechseln sich harmonisch ab. Und dann kommt der Bruch, und eine sehr sehr schlimme Resthalbzeit, in der Dortmund eigentlich deutlich führen muss. Geromel macht Leichtsinnsfehler, die zum Glück vom wirklich guten Faryd Mondragon ausgebügelt werden, Womé ist ein ums andere mal mit dem Wahnsinnsrechtsaußen Kuba überfordert, Brecko verliert Kringe aus den Augen, nicht nur beim Gegentor.

Sorgen macht darüberhinaus die Offensive. Als Ehret geht und Chihi kommt (der gleich gegen Stuttgart aus Verletzungsgründen beginnen wird), bringt das rein gar nichts – der Deutschmarokkaner scheint mir derzeit nicht erstligareif. Auf rechts dribbelt sich Vucicevic ein ums andere Mal fest, stolpert über den Ball, flankt zu spät oder gar nicht, weil er den Torabschluss sucht. Und dann Roda Antar. Ich zähle einen guten Pass, der nun auch beinahe zur Führung gereicht hätte, und das war es. Fehlpässe, am laufenden Band verlorene Kopfballduelle (er sollte offenbar lange Pässe auf den startenden Novakovic weiterleiten – hat nie funktioniert), vergebene Distanzschusschanchen, weil er sich den Ball erst auf den linken, dann den rechten, dann nochmal den schwachen linken Fuß legt und ihn dann verliert. Er spielt auf der Position im offensiven Mittelfeld. Da haben wir noch einen, der hat sogar die Nummer 10 auf dem Trikot, er heißt Thomas Broich und ist ebenso angreifbar wie Roda Antar. Aber er hat schon bewiesen dass er es kann. Vor allem, wenn er zentral spielen darf, und nicht, wie sonst so oft, links außen, wo er sich natürlich nicht empfehlen kann. Schlechter als derzeit bei Antar kann es jedenfalls nicht werden. Aber stattdessen wird irgendwann obligatorisch Ehret ausgewechselt und Vucicevic dazu, quasi die Flossen, obwohl der FC-Fisch vom Kopf her stinkt.

Eine 0:1-Niederlage ist keine Katastrophe, auch nicht gegen den BVB. Die Art und Weise wie die Mannschaft auseinanderfiel, wie an Totalausfällen festgehalten wird, die sich anscheinend ob der sklavischen Beibehaltung der Startelf einschleichende Bequemlichkeit einiger Spieler, das macht mir Sorgen. In drei Minuten geht es gegen Stuttgart weiter. Dieses Mal zwangsweise ohne Fabrice Ehret. Wir werden sehen.

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