Man ist in Köln gewohnt, immer nur zu analysieren, was falsch lief. Das wird langsam schwierig. Drei Siege in Folge, davon zwei auch emotional wichtige, und aufblitzende Spielkultur erheitern das rheinische Gemüt. Das Problem: Ab jetzt könnte es schwieriger werden.
Spiele gegen Energie Cottbus werden in der Bundesliga gemeinhin als, Trendbegriff der Woche, Schweinespiele deklariert, die es knapp aber souverän zu gewinnen gelte. Insofern war die Erwartungshaltung hoch, und sie wurde nicht enttäuscht. Der FC begann in der Erfolgself der letzten beiden Spiele
----------Novakovic----------
---Ehret--Antar--Vucicevic---
-------Petit---Pezzoni-------
-Womé-Mohamad-Geromel-Brecko-
----------Mondragon----------
und äußerst druckvoll, aber wenig zwingend. Chancen waren zunächst nur selten als solche zu deklarieren, so die Fernschüsse von Antar und Petit. Cottbus trat tatsächlich mit einer Art 4-4-2-0 mit vier defensiven Mittelfeldspielern vor zwei defensiven Konterstürmern an und brachte es somit zustande, dass Mondragon erst nach mehr als zwanzig Minuten einen Ball aus dem Spiel aufnehmen musste. Da waren die Angriffsbemühungen des FC kurz eingeschlafen, bis zur Szene des Spiels: Ein Konter über links, Womé auf Pezzoni, Pezzoni auf Ehret, der legt sich in unnachahmlicher Geschwindigkeit den Ball vor, Igor Mitreski rauscht heran und zieht ihm die Beine weg. Warum der Kicker bei der nachfolgenden roten Karte von einer “harten” Entscheidung sprach, ist mir schleierhaft. So sehen Platzverweise aus.
Zehn Minuten später fiel dann, nach einer weiteren offensiven Druckphase, das spielentscheidende 1:0. Womé hielt sich ausnahmsweise auf der rechten Seite auf, flankte in den Strafraum, Antar verlängerte mit den Haarspitzen, Novakovic stand völlig frei vor Tremmel und köpfte ein. Damit war das Spiel im Endeffekt beendet, denn es folgte die Äußerung des einzigen Mankos, das die Mannschaft des 1. FC Köln derzeit ihr Eigen nennt: Die mangelhafte Chancenverwertung. Dabei lag es unter anderem am im eigenen Team herausragenden Gerhard Tremmel, der zum Beispiel vor dem völlig freien Roda Antar auf eine Weise rettete, die nicht jeder Bundesligatorwart hinbekommt.
Ansonsten gab es eigentlich nur Positives zu bestaunen. Zwischen der 46. und der 65. Minute wurde ein Fußball von in Müngersdorf lange unbekannter Qualität gespielt, mit One-Touch-Passagen und großartigen Einfällen. Gewinner des Spiels dürfte Fabrice Ehret sein, der 2006 mit einem Einjahresvertrag ausgestattet als Linksverteidiger kam und lange Zeit als Sündenbock herhalten musste – was der plötzlich, nun offensiv als Linksaußen, auf den Platz bringt, lässt Münder offen stehen. Überhaupt die linke Seite! Pierre Womé gewinnt an Fitness und spielt sich ein und machte gestern sein bestes Spiel im FC-Trikot, ließ hinten nur eine Flanke zu, leitete das 1:0 ein, fungierte wieder und wieder fast als eine Art Spielmacher im Mittelfeld, harmonierte prächtig mit Ehret und dem dritten Linksfuß, Kevin Pezzoni, der seine Arbeit zuverlässig und unauffällig ablieferte. Auch Nemanja Vucicevic findet langsam zu früher erhoffter Form, führt den Ball so nah am Fuß wie kein anderer Kölner und schafft es einige Male pro Spiel, die gegnerische Abwehr aufzureißen.
Auch wenn ich mich wiederhole: Die Innenverteidigung mit Mohamad und Geromel ist die beste, seit beim 1. FC Köln mit Viererabwehr gespielt wird. Mohamad fühlt sich sichtlich wohl mit einem ähnlich schnellen Partner neben sich, Geromel macht weithin auf sich aufmerksam und dürfte bei einem Abstieg nicht zu halten sein. Einzig wirklich unauffällig waren am Samstag der völlig beschäftigungslose Mondragon sowie Miso Brecko, der offensiv keinerlei Akzente setzen konnte, defensiv aber sehr konzentriert zu Werke ging.
Jetzt hat der 1. FC Köln 13 Punkte nach 8 Spielen, was sehr gut aussieht – noch zwei Siege in neun Spielen, und das Hinrundenziel ist erreicht. Guckt man sich jedoch das nun folgende Programm an, wird umso deutlicher, wie wichtig diese Serie war: Jetzt wird es schwer. Freitag geht es nach Leverkusen, dann folgen Dortmund und Stuttgart. Alles Spiele, in denen die Konterstärke wiedererweckt werden könnte, das nächste Sechspunktespiel folgt am 7. November gegen Hannover 96. Man darf gespannt sein. Ich bin es. Und so zuversichtlich was die Zukunft des Vereins angeht wie lange nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen in der Bundesliga.
Edit: Da habe ich doch glatt die Noten vergessen: Mondragon (3) – Wome (1,5), Mohamad (2), Geromel (1), Brecko (3,5) – Petit (2), Pezzoni (2,5) – Ehret (1,5), Antar (3), Vucicevic (3) – Novakovic (1,5)
