Disclosure: Dieser Artikel erschien zunächst im August auf hellojed.de
Die versammelten Berichterstatter freuten sich am vergangenen Samstag, dass Christoph Daum zurück in der Bundesliga ist – als hätte er nicht auch in Liga 2 schon genug weithin sichtbaren Staub aufgewirbelt. Dazu kam mit Petit ein Spieler, der mit den Attributen “Toller Transfer” und “Portugiesischer Nationalspieler” aus dem Mund von Herrn Delling noch völlig unzureichend beschrieben wird. Dabei ging der sportliche Rest des letzten ersten Liganeulingsspieltages ziemlich unter.
Der 1. FC Köln begann mit dieser Aufstellung:
---------Radu-----Novakovic------
-----Broich---Antar---Brecko-----
--------------Petit--------------
--Womé--Mohamad---Geromel--Özat--
------------Mondragon------------
Aufgrund der überragenden Präsenz von Petit wich Daum von seinem Konzept der Doppelsechs ab und ließ Roda Antar etwas weiter nach vorne rücken, von wo er defensiv als Hindernis fungieren und offensiv die Angriffe einleiten sollte. Broich als Rechtsfuß auf dem linken Flügel sollte vor dem Strafraum offenbar nach innen ziehen und mit Fernschüssen für Gefahr sorgen, zumal bei Abprallern mit Novakovic ein begnadeter Knipser für den zweiten Ball zur Verfügung stand.
Doch es kam alles ganz anders. Wolfsburg war in der Anfangsphase noch mit sich selbst beschäftigt, zumal mit Grafite die erste Anspielstation in der Offensive wegen einer Sperre fehlte, am “Marcelinho-Ersatz” Misimovic lief das Spiel weitgehend vorbei. So konnte der FC teilweise ein recht ansehnliches Kurzpassspiel aufbauen, das aber meist in der recht gut funktionierenden Innenverteidigung der Wolfsburger endete. Nicht so in der zwanzigsten Minute: Eine Flanke vom agilen Ümit Özat war für den frei stehenden Neuzugang Radu etwas zu hoch, landete aber nicht im Toraus sondern trudelte an der Linie entlang, wo sich der Rumäne den Ball zum zweiten Mal holte und, wahrscheinlich selbst von der völligen Bewegungsfreiheit überrascht (der in der Halbzeitpause ausgewechselte Zaccardo stand über sein gesamtes Spiel völlig neben sich), in die Strafraummitte flankte. Dort konnte Novakovic dann fast ebenso freistehend einköpfen, was den Mythos, er sei ein typischer kopfballstarker Mittelstürmer weiter befeuern dürfte – dabei ist er ein einfach weit zu groß geratener Techniker, der immerhin mit seinen langen Beinen ziemlich schnell unterwegs ist.
Mit dem 1:0 stellte die Mannschaft dann aber ihre bis dahin energischen Offensivbemühungen fast vollends ein, während Wolfsburg keinerlei Mittel fand, bis in den Strafraum vorzudringen, weswegen ein viel zu hoch angesetzter Distanzschuss von Marcel Schäfer und ein wenig zwingender Kopfball von Dejagah die einzigen Möglichkeiten der Favoriten in der ersten Hälfte waren.
Zur zweiten Hälfte kamen dann der starke Riether für Zaccardo und für den rechts defensiv spielenden Hasebe der rechts außen bis zentral offensiv spielende Mahir Saglik, der vor der Saison auch in Verhandlungen mit dem FC stand. Mit zwei Spitzen spielte Wolfsburg deutlich besser und konnte auch schnell die FC-Abwehr überwinden: Mit seiner ersten Gelegenheit von linksaußen scheiterte Saglik noch im Eins gegen Eins an Mondragon, der zweite Versuch war dann drin. Eine lange Flanke von links an den rechten Strafraumrand fand Dejagah, der mit einer simplen Körpertäuschung Womé austanzte, welcher auf Riether passte, dessen Schuss Mondragon unglücklich genau auf den abstaubenden Gentner abwehrte. Ohne eine Diskussion lostreten zu wollen: Ein jüngerer Torwart als der 37-jährige Kolumbianer wäre vielleicht mittlerweile wieder oben gewesen und hätte den nicht sonderlich ausgebufften Schuss abgewehrt.
Hatte Womé bisher nur eine schlechte Partie abgegeben, wurde es jetzt problematisch. Für eine abstruse Tätlichkeitsschwalbe von Mahir Saglik, der einen Ellenbogenschlag vortäuschte, bekam der Neuzugang von Werder Bremen die gelbe Karte, und jetzt ging es bergab. Womé ließ sich vom Eingewechselten ein ums andere Mal düpieren, und die anderen Wolfsburger verstanden das als Aufforderung, es hauptsächlich über links zu versuchen, so auch Dejagah, der dem Kölner in lockerem Sprint einige Meter abnahm und das Tor nur knapp verfehlte. In dieser Zeit durfte Mondragon sich auf der Linie ein ums andere Mal auszeichnen, worauf er allerdings auch gerne verzichtet hätte.
In der 78. Minute passte Dejagah mal wieder von links einen Lupfer auf den rechtzeitig startenden Misimovic, während Womé einfach stehenblieb, Misimovic lief in den Strafraum, Mondragon spekulierte auf einen Querpass und der neue Zehner schob einfach ein – so kann man auch als Torhüter mal richtig blöd aussehen.
Blieb nur noch die mit allen medialen Ehren bedachte Tätlichkeit des überforderten Linksverteidigers, der Dejagah seinen Ellenbogen mitten ins Gesicht streckte und ohne ersichtlichen Grund von einer roten Karte verschont blieb, die sicher im Laufe der Woche noch nachgereicht wird. So immerhin bleibt Daum die Verlegenheit erspart, einen seiner wenigen namhaften Spieler direkt mal auf die Bank zu setzen. Es ist zu hören, dass Brecko, mal wieder ein Rechtsfuß, seine Rolle übernehmen wird, die Position im rechten offensiven Mittelfeld wird dann wohl Nemanja Vucicevic übernehmen, der gegen den Ruf zu kämpfen hat, ein Vorbereitungsweltmeister zu sein, der in der Saison dann völlig abtaucht.
Dennoch gab es einiges Positives zu vermelden – Petit ist die erhoffte, stark präsente Verstärkung auf der Sechs, Radu versprüht ziemlichen Elan, ohne auch nur ein Fünkchen eingespielt zu sein, und Geromel könnte für die erste Liga das sein, was Mohamad letzte Saison war: Der beste Innenverteidiger seit langer, langer Zeit, ein Lichtblick und Ruhepol der Abwehr – und das mit nur 22 Jahren. Wolfsburg durfte man ohnehin getrost als Nullpunktespiel einrechnen, wichtig wird es am Sonntag gegen Frankfurt, danach in Karlsruhe und später gegen Cottbus. Dass dazwischen Bayern und Schalke liegen, geschenkt. Sieht man sich die Fanreaktionen in den Foren an, bemerkt man einen bemerkenswerten und wohltuenden Realismus, der sich überlegt, wo man wohl die 40 Punkte kriegen könnte. Ich allerdings rechne mit weniger Nötigem zum Klassenerhalt, erst Recht durch die Einführung der Relegationsspiele. Zweifelhaft allerdings bleibt die Offensivleistung, Roda Antar tauchte zumeist völlig ab, Broich rannte sich ein ums andere Mal auf der linken Seite fest, dort erinnert er an den frühen Philipp Lahm, viel zu offensichtlich ist in Zweikämpfen, dass er nie bis zur Grundlinie geht. Vielleicht sollte man dort doch mal einen Linksfuß einsetzen, auch wenn Adil Chihi am Samstag hauptsächlich durch seine indiskutable Frisur auffiel. Aber Sonntag geht es weiter, und dann bin ich zuversichtlich.

