Heute abend verabschieden wir uns von einer ungeliebten, kaum wahrgenommenen aber dennoch stets allgegenwärtigen Situation: Nie wieder wird eine zweite Mannschaft eines Profivereins im DFB-Pokal spielen. Ein Nachruf.
Geht es um Reservemannschaften im Pokal, fällt jedem zu allererst das Jahr 1993 ein, das Jahr in dem die Ersatzmannschaft von Hertha BSC bis ins Pokalfinale kam, mit Fiedler im Tor und Ramelow im Mittelfeld aber knapp gegen Bayer Leverkusen verlor. Auch sonst konnten sich desöfteren junge Spieler im Duell mit Bundesligagrößen profilieren – als der FC Bayern II 2005 erst im Viertelfinale von Werder Bremen gestoppt wurde, standen immerhin Paolo Guerrero und Andreas Ottl in der Startelf. Dennoch galt: Reserveteams sind unangenehme Gegner, von pokalerfahrenen Großvereinen aber immer zu schlagen.
Dass nun Ebenjene aus dem Pokal verdrängt werden, hat damit zu tun, dass sie stattdessen in theoretisch unbegrenzter Zahl in der neugeschaffenen dritten Bundesliga mitspielen dürfen, eine Regelung, die als kleinster gemeinsamer Nenner zwischen den legitimen Interessen der Profivereine und der DFB-Jugendförderung einerseits, dem finanziellen Überlebensdrang der kleineren Clubs andererseits gilt. Zudem können so Abstrusitäten vermieden werden wie die faktische Nichtsperre von Per Mertesacker, der in der ersten Runde des DFB-Pokals in dieser Saison zwar des Feldes verwiesen wurde, seine Strafe aber theoretisch im Spiel der Werder-U23 absitzen und so in der ersten Mannschaft schon in der zweiten Runde wieder spielen konnte.
Und so gewinnen eigentlich alle: Die kleinen Vereine, von denen jetzt mehr auf den FC Bayern in der ersten Runde hoffen können, die großen Vereine, die zu Gegnern fahren die erste Wahl sind und die Reservespieler, die sich in der 3. Liga auch einem größeren Publikum präsentieren können. Ein guter Kompromiss.

