Um lustig zu sein, reden alle über die Dummheit von Lukas Podolski. Was ist eigentlich mit Carsten Ramelow?
Am 19. Mai 2004 ging ein erleichtertes Raunen durch Fußballdeutschland: Carsten Ramelow erklärte seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft, nichtmal eine Woche vor der Nominierung des EM-Kader. Geholfen hat es nicht, Deutschland schlitterte mit einer stringent blamablen Vorstellung in eine Katharsis namens Klinsmann. Dennoch: Mit Ramelow im defensiven Mittelfeld wäre das Ende vielleicht mit noch sehr viel mehr Schrecken verbunden gewesen oder noch schlimmer: Es wäre an ihm und seinen Aussetzern festgemacht worden, der Umbruch wäre vertagt worden.
Guckt man sich die Statistiken des ehemaligen Leverkusener Kapitäns an, sieht das erstmal nicht außergewöhnlich aus. Sieben Profiplatzverweise, davon zwei glatte rote Karten, sind zwar nicht gerade wenig, aber taugen auch nicht für einen veritablen Treter-Ruf. Spannend wird es erst, wenn man sich die Gründe und Umstände der Platzverweise ansieht - unvergessen Ramelows Platzverweis Anfang der letzten Saison nachdem er sich so sehr über eine Gelbe Karte wegen Meckerns aufregte dass er gleich noch eine hinterher bekam ebenso wie seine taktisch überflüssige Gelb-Rote im WM-Spiel gegen Kamerun 2002. Die völlig unmotivierte und nicht einmal besonders fachgerecht (mit Wumms) ausgeführte Tätlichkeit gegen Prag gestern rückt da schon völlig in den Hintergrund.
Noch schöner wird die Causa Ramelow aber abseits des Platzes: Der Mann ist Sänger, und, glaubt man den Pressestimmen, gar kein so schlechter. Dennoch: Wer “As Long As You Love Me”, “Hello” und “Still In Love With You” aufnimmt darf sich nicht wundern wenn die RUND-Redaktion für eine weitere Fußball-und-Homosexualität-Reportage anruft. Völlig selbstverständlich daher sein Mitwirken im Bayer-Chor, in dem “We Are The World” von der Tenorenriege Nowotny-Butt-Freier-Starke-Callsen-Bracker intoniert wurde.
Und während sich der Spiegel darüber auslässt dass Marcell Jansen demnächst Werbung für Papierwischtücher macht, hat Carsten Ramelow selbstverständlich auch diese Latte soweit unten gesetzt dass nichtmal Philipp Lahm den Limbo drunter durch machen könnte, rein phsyiognomisch gesehen: “Intimhygiene ist für mich kein Tabu-Thema” lässt er sich als Werbeträger für Toiletten mit integrierter Hinterndusche zitieren und man glaubt ihm das sofort, hätte aber lieber nicht hingehört. Wer lacht eigentlich über Susan Stahnkes Darmspülung, wenn uns jemand bei der Fußball-WM vertreten durfte, der in der Öffentlichkeit Dinge wie “Es ist wohltuend, sich sanft, aber gründlich mit warmem Wasser zu waschen. Insbesondere dann, wenn es die Hygiene wirklich verlangt: nach dem WC-Besuch” sagt? Und wieso gleiten die Gedanken danach unweigerlich zu Rainer Calmund weiter? Wir hören an dieser Stelle lieber auf.


August 30th, 2010 - 22:32
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