Heimspiel, englische Woche, Freiburg ist zu Gast. Und die Enttäuschung.
[21:28] Bonn, im Bus, noch drei Minuten bis nach Hause. Durch fleißige Lektüre im Zug die meiste Enttäuschung schon abgestreift, stellt sich ein ungefähr so gleichalter Mann neben mich und fängt an mit mir zu reden. Ob ich auch beim Spiel war? Er nicht. Aber Samstag [sic] wäre er da. Sein Onkel arbeitet in Köln. Im Stadion. Verkauft Karten. Kommt er immer umsonst rein, umsonst essen, umsonst trinken, und er darf in die Spielerkabine. Umsonst. Schon praktisch, wenn man so einen Onkel hat. Was soll ich da noch sagen.
[17:30] Anpfiff, der Regen hat fast aufgehört, Mondragon und Helmes spielen nicht, dafür gibt Özat für 10 Minuten den Wirbelwind rechts hinten. “Wozu ein Sixpack, wenn man auch ein Fass haben kann?” hat Ingo über ihn gesagt, vor der Saison. Jetzt schlägt er nach Hackentrick eine perfekte Flanke auf Matthes Scherz, den alten Mann, 1:0 nach 8 Minuten.
[18:52] Köln liegt 1:2 hinten, Novakovic bekommt nach einer halbwegs gelungenen Kombination den Ball, steht vor Nulle und trifft nur den Innenpfosten. Jetzt gehts los.
[19:08] So muss es sich anfühlen, wenn in der Wüste der Regen losgeht – von einem Moment auf den anderen wird aus stummen Dünen ein reißender Strom. Matmour hat gerade das 3:1 für Freiburg geschossen, eine Minute nachdem Novakovics Ausgleich zu Unrecht wegen Abseits aberkannt wurde. Mindestens ein Drittel der Kölner Zuschauer steht auf und geht, es sind noch 10 Minuten zu spielen. Sicher sind das die selben, die beim Halbzeitstand von 1:1 ein gellendes Pfeifkonzert von sich gegeben haben.
[18:11] Ein relativ harmloser Zweikampf auf der linken Kölner Abwehrseite. Uzoma dribbelt Ehret aus und flankt von der Strafraumkante. Flankt. Flankt. Trifft das Tor. Einen halben Zentimeter weiter links oder oben wäre der Ball wohl wieder rausgesprungen. Aber so ist das nunmal.
[19:20] In Sprechchören schließen sich Menschen zusammen, die Dr. Helmut Fleischer ermorden wollen. Und auch wenn da mal wieder ein Spielentscheider, wertungsfrei, auf dem Platz stand: Wer zwischen der 45. und 65. Minute eine gefühlte Fehlpassquote von 78,2% hat, der soll so ein Spiel auch nicht gewinnen. Und immer die Frage: Warum können die das nicht? Passspiel gehört zum Grundhandwerk, sagt Paul, er hat Recht. Fast alle auf dem Platz haben schon woanders bewiesen, dass sie das können, in Freiburg, Istanbul, Gladbach, in der ersten Liga, UEFA-Pokal und Champions League. Und in Köln geht das plötzlich nicht mehr. Man ist gewillt, eine Granate aufs Spielfeld zu werfen oder die Kabinentüren einzutreten, um eine Heimspielsperre für den FC zu erwirken.
[22:20] Sportschau, erste Liga. Toni Kroos wird das erste Mal eingewechselt, er flankt, Klose trifft, zwei Mal. Fußball kann so einfach sein, wenn man nicht am Rhein spielt.

