Nach Gegnerbeschimpfung und Kabinenprügelei wird Faryd Mondragon zum Mad Max der zweiten Bundesliga stilisiert. Das hat er nicht verdient. Er ist mindestens der Colonel Kurtz.
Das Kölner Publikum war skeptisch, als die Gerüchte handfest wurden, da käme ein 36-jähriger Kolumbianer aus der Türkei, um die Torwartprobleme um den abseits der Torlinie lethargischen Stefan Wessels zu lösen. Viel lieber wollte man eine junge Lösung Marke Fromlowitz oder Rensing, ein weiterer Beweis für den teilweise frappierenden Realitätsverlust in Köln. Gerüchte gingen um, Mondragon wollte nur bei seinen Gehaltsverhandlungen mit Galatasaray Instanbul mit der Drohkulisse Köln pokern, er wäre in der Türkei ausgemustert worden, da käme ein Raufbold der alle drei Spiele mit einer Tätlichkeit vom Platz flöge.
Tatsächlich ist Faryd Mondragon der wichtigste Neueinkauf der Saison, das lässt sich jetzt schon sagen. Erstens ist er ein nahezu kompletter Torhüter von für Zweitligaverhältnisse ungewöhnlicher Qualität, zweitens ist er ein Musterbeispiel an Einsatz, Identifikation und Ehrgeiz. Unvergessen seine erste Amtshandlung als frischgebackener FC-Spieler, den gesamten Fanshop leerzukaufen um damit die Familie in Südamerika und die von ihm betriebene Fußballschule für Straßenkinder auszustatten, sein Interesse an Kölns Sehenswürdigkeiten und der deutschen Sprache, sein allzu freigiebiger Umgang mit gebrauchten Torwarthandschuhen als Fansouvenir nach Trainingseinheiten.
Doch Mondragon kann auch anders als wunderbar lächeln. Als Erster so wirklich spüren durfte das Sandor Torghelle. Der Jenaer Stürmer ließ sich beim Stande von 3:1 für seinen Verein aufreizend lange Zeit mit seiner Auswechslung, so dass Mondragon über den halben Platz sprintete um Torghelle persönlich nach draußen zu tragen. Er bekam Gelb dafür und viel Dresche der Fachpresse (“Fragwürdige Aktion”, der Kicker), gleichzeitig startete er aber auch die beste Aufholjagd der bisherigen Saison – Köln gewann noch 4:3, seitdem ging es aufwärts.
Dass die erste Kölner Nr. 1 im Tor (Wessels bevorzugte die 33) nun auch noch den phlegmatischen Außenverteidiger Özat mit einem gekonnten Tritt über die Massagebank in die andere Kabinenecke beförderte – wunderbar. Özat spielte in der Folge in Koblenz seine bislang beste Partie für den FC, der Verein verdiente über Geldstrafen etwas dazu und Mondragon steckte seine Grenzen ab. Ab jetzt hat keiner mehr eine Ausrede, sich hängen zu lassen. Just because you’re paranoid don’t mean Faryd isn’t after you.
