ProSieben steigt in den Markt der Fußballübertragungen ein. Ein kurzes Vorabresümee.
Die Zeichen waren überdeutlich: ProSieben versucht, dem Fußball neue Märkte zu erschließen. Mit einer absoluten Fixierung auf die Stars, bedeutungsschwangerer Musik (Wagner wäre Bayernfan gewesen!) und Taff-Liveschalten inklusive einer vor Luca Toni-Geilheit sabbernden Annemarie Warnkross versuchte der Sender mehr Publikum vor den Fernseher zu kriegen als die paar Komma-Milliönchen, die zum Anpfiff noch das Leverkusenspiel und zum Abpfiff schon Nürnberg guckten.
Moderator und Feld.. äh. Feld-Typ Oliver Welke war das nicht ganz geheuer, so dass gleich seine dritte Frage an Uli Hoeneß war, ob der völlig beknackte ProSieben-Slogan “Die besten Bayern aller Zeiten” denn so zuträge. Uli war not amused.
Es ist davon auszugehen, dass der Sender viel Geld in die Bayernübertragungen bis zum Viertelfinale gesteckt hat, und da liegt der Hase im Pfeffer begraben: Hier wird nicht Sport übertragen, sondern in allererster Linie die Marke FC Bayern, und da schickt es sich nicht sonderlich, kritisch zu sein. Kein kritisches Wort über die äußerst bescheidene Leistung gerade in der zweiten Halbzeit kam über Holger Pfandts Lippen, ein enttäuschtes “Oh” war die einzige Reaktion auf die dritte Glatt-ins-Aus-Flanke Riberys. Die ab der achtzigsten Minute pfeifenden Zuschauer waren natürlich “weltklasse”, Christian Lell zum Flankengott, Lucio gegen die achsobösen Kritiker verteidigt. Dabei sollte ProSieben doch eigentlich böse sein, denn so wird man nicht besonders viel Spaß im UEFA-Cup und vor dem Fernseher haben.

