und Chelsea bleibt nicht Mourinho: Das Ende einer dreijährigen Ära
Derzeit überbieten sich die Sportberichterstatter in Wortwitzen, die mit der Vereinsfarbe Chelseas zu tun haben, Ausweichspielwiese für gewolltundnichtgekonnte Überschriften bleibt die Nationalität des Clubeigners Abramowitsch. Doch in all den (teilweise lesenswerten) Artikeln kommt eines zu kurz: Die Neugier auf das, was da jetzt kommen mag.
Roman Abramowitsch übernahm Chelsea zur Saison 2003/04, pumpte spontan in einer Saison unvorstellbare 176 Millionen Euro an Transferentschädigungen in Neuzugänge und brachte somit den nach der Bosman-Entscheidung halbwegs beruhigten Spielermarkt völlig aus der Fassung. Ein Jahr später verpflichtete er Mourinho für das gemunkelte Jahresgehalt von acht Millionen Euro. Der brachte mit Ferreira und Carvalho für zusammen 50 Millionen noch zwei Spieler aus Porto mit und begann mit seinem Job: Titel sammeln. Um es kurz zu halten: Zwei mal Carling Cup, einmal FA-Cup, zwei mal englischer Meister. Bloß: Keine Champions League.
Es knirschte schon in der vergangenen Saison: Abramowitsch, erst seit der WM 2002 überhaupt mit dem Fußballsport genauer bekannt, mischte sich in sportliche Belange ein. Kaufte Shevchenko, den Mourinho nicht wollte, holte Ballack, für den neben Lampard zumindest in der Theorie nicht besonders viel Platz war, stellte den Sportdirektor und wohl neuen Trainer Avram Grant ein. Und Chelsea gewann nicht mehr, genauer: Wurde nicht Meister. Flog im CL-Halbfinale raus. Und dann kam Rosenborg Trondheim, Mourinhos Omelette und die grandiose Idee, aus einem 400 Millionen Euro-Kader “B-Eier” zu machen. Das war wohl zuviel.
Zur Neugier: Man darf gespannt sein, wie sich Chelsea machen wird. Gut möglich, dass der Trainereffekt einschlägt, Chelsea in Serie gewinnt und sich Ende November wieder auf Normalmaß zurückpegelt, genauso gut möglich dass die handverlesenen Mannschaftsstützen Terry, Lampard und Drogba, denen Mourinho noch Abschieds-SMS schickte, in ein Leistungsloch sinken und das Team mitreißen. Gut möglich, dass ein neuer Trainer das fragile Hollywood-Gebilde Chelsea völlig destabilisiert, oder auch: Dass die Mannschaft einen anderen Trainer braucht, dass sie ihn schon seit einem Jahr brauchte, dass Mourinho und Chelsea ein riesiges Missverständnis war und diese Weltauswahl aus London unter ihren Möglichkeiten spielte. Wir dürfen gespannt sein. Am Wochenende gegen Manchester United, zum Beispiel.

