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Klüngel auf höchstem Niveau

September 4th, 2007

Michel Platini will die Basis des Sports im Fußball abschaffen: Das Leistungsprinzip.

Als Michel Platini am 26. Januar dieses Jahres zum UEFA-Präsidenten gewählt wurde und somit Lennart Johansson in die eigentlich verdiente Rente schickte, da hatte er dies mit den bewährten Mitteln seines Freundes Sepp Blatter getan – der umgarnt auch stets in der Zeit vor seiner nächsten Wiederwahl Funktionäre der kleinen und armen Länder. Dass die plötzlich Stadien, Bolzplätze und vielleicht sogar die eine oder andere Flutlichtanlage bekommen: Wunderbar. Dass Blatter aber durchaus unseriöse Vorschläge macht, die, wären sie auch nur einmal schadlos durch die Bürokratie gegangen, tiefgreifende Änderungen der hiesigen Profifußballlandschaft zur Folge gehabt hätten, darf dabei auch nicht unerwähnt bleiben. Und genauso läuft das jetzt bei Platini.

Der wurde im Januar hauptsächlich mit den Stimmen von Landesverbänden gewählt, bei denen man sich bis vor kurzem nicht so sicher war ob sie überhaupt ein eigenständiger Staat sind. Und um die bei Laune zu halten reicht es nicht aus, fleißig Fördermittel in die Schulen dieser Länder zu stecken – KF Tirana und NK Domzale wollen in die Champions League.

Und da greifen Platinis geplante Reformen: Maximal drei Champions League-Startplätze pro Liga, feste Startplätze mindestens für die Meister jedes Landes. Das klingt solange gut, wie man die Konsequenzen außer Acht lässt. Die würden nämlich für diese Saison bedeuten: Der FC Arsenal wäre nicht dabei, der AC Milan auch nicht (was auch nur sportlich ein Verlust wäre, aber gut), ebenso wenig Valencia und Werder Bremen. Und während diese Vereine plötzlich UEFA-Cup spielen müssten würde die Gruppenphase der Königsklasse durch Vereine wie Pyunik Erewan, Khazar Lankaran, Sheriff Tiraspol oder Zeta Golubovci aufgewertet.

Ein weiterer schöner Vorschlag des Frenzy-Franzosen: Abschaffung der Setzlisten in der Qualifikation, was die Situation noch verschärfen würde. Konkret hätte das für diese Saison bedeuten können: Schalke spielt in der Qualifikation plötzlich gegen Liverpool und Buducnost Podgorica gegen BATE Borisov. Ein potenziell spannendes CL-Achtelfinale noch vor der Gruppenphase und eine Partie, die höchstens für Onlinewettbetrüger interessant sein dürfte.

Es ist nicht sonderlich schwer, sich die Folgen einer solchen Politik vorzustellen. Im Gegenteil, man muss sich einfach nur den UEFA-Cup in seiner aktuellen Form angucken. Bis zur Gruppenphase taugen seine Duelle allerhöchstens als Treppenwitz oder als heiteres Ratespiel: Aus welchem Land kommt Rabotnicki, wo liegt Lovech, welche Sprache spricht man bei Artmedia Petrzalka? Spannend wird das Turnier erst, wenn diese ganzen Füllvereine rausgeworfen sind und sich diejenigen packende Spiele liefern, die es in der Liga oder in den CL-Gruppen knapp nicht geschafft haben.

Sollte die Champions League in solche Gefilde abdriften (und man muss sich fragen, was dann aus dem UEFA-Cup würde), dann wäre auch der Zweck der ganzen Reformen in ein paar Jahren ad absurdum geführt. Wer die Vereine, deren Spiele er sieht, nicht korrekt aussprechen kann, der ist auch nicht bereit, dafür viel Geld im Pay-TV zu bezahlen. Wer in der Gruppenphase Spiele auf nicht beheiztem Rasen im russischen Winter ertragen muss, geht nicht so gerne dafür in die Sportsbar. Und bald leidet die Marke Champions League, die das zweitgrößte Pfund der UEFA ist.

Das größte ist selbstverständlich die Europameisterschaft. Und auch die soll verwaschen werden. Aufstockung der Teamanzahl von 16 auf 24 Länder ist der vielversprechende Plan – was uns viele weitere Spiele bescheren dürfte, die so endeten wie die Griechenlands 2004 – Mauern, mauern, mauern, in der Verlängerung Ecke, Außenseitersieg. In der Theorie. Oft genug dürften es einfach schrecklich anzusehende, müde und langweilige Begegnungen werden, die keiner erleben möchte.

Etwas mehr Elite muss dabei gar nicht zwangsläufig den ärmeren Ländern schaden – würden nur die Fernsehgelder der UEFA clever genug verteilt und nicht allzuoft irgendwo in der Bürokratie versumpfen. Denn mit einer Topliga und einem Topturnier alle vier Jahre ließen sich sicher einige Bolzplätze bauen.

One Response to “Klüngel auf höchstem Niveau”

  1. Philipp

    Hallo Moritz!

    Nun, den Vorschlag von Platini habe ich auch gelesen. Und ich finde ihn auch hahnebüchen. Aber nicht unbedingt weil er die Meister dabei haben möchte. Ist das nicht genau das, was viele kritisiert haben als die jetzige Champions League an den Start ging?

    Gruß,
    Philipp

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