So schallte es vor einem Jahr noch durch das Ruhrstadion. Doch das Ruhrstadion ist nicht mehr das Ruhrstadion. Marcel Koller ist nicht mehr Marcel Koller. Und die Fans feiern.
Vor ziemlich genau einem Jahr stand der VfL Bochum nach dem 3. Spieltag mit leeren Händen da. Null Punkte – Und die Mannschaft konnte man getrost als Trümmertruppe bezeichnen. Auf dem Platz tummelte sich zumeist unterer Bundesligadurchschnitt, die Bank gab noch weniger her. Doch das Elend kam nicht nur durch die elf Spieler, die in der Hinrunde ein ums andere Mal gerechtfertigte Niederlagen einstecken mussten. Marcel Koller zwang die Mannschaft in ein System, das sie nicht spielen konnte oder nicht spielen wollte, Koller schien beratungsresistent und so dauerte es nicht lange bis der Pöbel seinen Kopf forderte, doch der Verein hielt an ihm fest. Und mögen die Spiele noch so trostlos gewesen sein, hatte man noch so laut den Kopf des Trainers gefordert, der Schweizer durfte weitermachen.
Und was ist nun in diesem einen Jahr passiert? Der Trainer veränderte sich. Er merkte, dass er nicht die Spieler dem System anpassen muss, sondern das System dem Spielermaterial. Mit Joel Epalle und Jaroslav Drobny erhielt man in der Winterpause dringend benötigte Verstärkungen und Koller formte eine Mannschaft, die nur knapp am internationalen Geschäft vorbeigeschrammte. was aber auchetwas zuviel des Guten gewesen wäre. Denn schön war die Spielweise nur sehr selten, aber immerhin war sie erfolgreich.
Und wo steht der VfL Bochum heute? Mit Gekas, Misimovic und Drobny haben drei Schlüsselspieler den Verein verlassen. Doch was sich in den Vorbereitungsspielen angedeutet hatte, bestätigte sich zumindest in den ersten beiden Heimspielen. Koller hat es fertig gebracht, den Spielern Fußballintelligenz zu vermitteln. Mit einer für Bochumer Verhältnisse überragenden taktischen Disziplin, bisher nicht gesehenem Einsatz und Kampfeswillen sowie sicherem (!) Kurzpassspiel, gelang es, eine kleine Welle der Euphorie zu starten. Die Kurve tobt, der VfL Bochum trägt seine Auswärtsspiele nicht länger im eigenen Stadion aus.
Wie das alles passierte? Marcel Koller, die Mannschaft und die Fans haben gelernt. Und vielleicht wird bald die Liga lernen (müssen), dass der VfL Bochum nicht zwangsläufig nur die dritte Kraft im Ruhrgebiet ist.
