Es klang wirklich gut. Im Vorfeld der WM 2006 passte die DFL ihre Regularien der Wirklichkeit und dem internationalen Vergleich an und vollzog einen Paradigmenwechsel – weg von penibel gezählten (Nicht-EU-)Ausländern die auf dem Feld standen, hin zum Kern der ganzen Regel: Der Jugendförderung der Profivereine.
Um es von vorneherein zu sagen: Die Local Player-Regelung ist schon vor ihrem vollständigen Inkrafttreten auf ganzer Linie gescheitert. Zumindest gefühlt gibt es zwar einen Trend zum Rückgriff auf selbst ausgebildete Spieler, mit diesen Regeln hat dieser aber keineswegs zu tun.
In dieser Saison muss ein Profiverein mindestens sechs Spieler im Kader haben, die bei einem deutschen Verein ausgebildet wurden, das heißt: im Alter von 15 bis 21 Jahren in mindestens drei Spielzeiten im DFB-Bereich spielberechtigt waren – drei davon müssen in dieser Zeit bei ihrem aktuellen Verein unter Vertrag gestanden haben.
Das klingt im Rechtsdeutsch komplizierter als es ist und auf den ersten Blick auch vernünftiger – junge Spieler, zumeist Deutsche, also Nationalelfkandidaten, rücken in den Profikader und bekommen dort ihre Chance.
Dieser schöne Traum allerdings ging ganz offensichtlich nur da auf, wo er zur Vereinsphilosophie passte. Stuttgart, Dortmund, Hertha – geschenkt. Aber was ist mit Bayern, Hamburg, Köln? Hier hilft ein ernüchternder Blick auf die offiziellen Profikader: So hochgelobt die Bayern-Nachwuchstalente Hummels, Kroos und Fürstner auch sind, sie werden in dieser Saison vorraussichtlich auf ähnlich wenige Spielminuten kommen wie Sidney Sam, Sebastian Langkamp und Timo Kunert in Hamburg.
Völlig offensichtlich wird die Misere beim 1. FC Köln – hier ließen sich Local Player-Regelung und Neueinführung der dritten Bundesliga und damit verstärkter Oberligaaufstiegsdruck perfekt kombinieren – der Vertrag des ausgemusterten Carsten Cullmann wurde verlängert, mit Michael Niedrig wurde ein vormals Aussortierter von Holstein Kiel zurückgeholt. Beide werden wohl ausschließlich für die zweite Mannschaft spielen, gelten aber als Zweitligaprofis. Unter Zugzwang geriet der Verein in der letzten Woche, als Stefan Wessels zum FC Everton wechselte – ein in Deutschland ausgebildeter Profi weniger. Schnell bekam Michael Parensen, vor der Saison von Borussia Dortmund II an den Rhein gewechselt, einen Profivertrag vorgelegt. Wann er tatsächlich einmal im großen Müngersdorfer spielen wird ist selbstredend völlig unklar.
So zeigt sich das Bild einer Regelung, die einfacher zu umgehen ist als das Verhandlungsverbot Valencias. Letzten Endes führt sie lediglich zu einer Aufblähung der offiziellen Kaderauflistungen und natürlich dazu, dass sämtliche Ausländerregelungen abgeschafft sind – ob das allerdings die große Katastrophe für den deutschen Fußball und seine Nationalmannschaft darstellt, ist zumindest unklar.
