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Fehleinkauf Schiedsrichter

August 21st, 2007

Es hat lange genug gedauert, aber 10 Tage nach Beginn der Profisaison hat Deutschland seinen ersten echten Aufreger. In der Spielanalyse des DSF wetterte Christoph Daum etwas, nun ja, unorthodox gegen Schiedsrichter Florian Meyer, sprach von bewussten Fehlentscheidungen und griff indirekt auch den DFB an.

Was Daum da sagte, war im Prinzip eine exakte Kopie dessen, was FC-Fans seit Jahren behaupten, und in der Tat: Nimmt man nur die kicker-Schiedsrichterbeurteilungen zur Hand, hätte der 1. FC Köln in der letzten Erstligasaison mindestens vier Punkte mehr (kurioserweise alle vier gegen den FC Bayern) und somit in der Endabrechnung den Nichtabstieg erreicht. Die Liste der nicht gegebenen oder fälschlich gegebenen Elfmeter, der nicht als solches gewerteten Tätlichkeiten oder zu Unrecht abgepfiffenen Tore ist fast so lang wie eine durchschnittliche Sommertransferliste des Vereins.

Nun sollte man bloß nicht den Fehler machen, diese zumindest statistisch erfahrbare Situation dem DFB, der DFL oder Lutz Wagner und seinen lustigen Freunden anzulasten, zumindest ihnen Absicht zu unterstellen wäre grober Unfug. Nachlässigkeiten durch die Rolle des „FC Bayern der zweiten Liga“ zu begründen, bei dem Fehlentscheidungen „nicht so schlimm“ seien würde den Schiedsrichterintellekt in den Millisekunden der Entscheidungen überbewerten.

Eine Erklärung für die teils unerklärlichen Leistungen der Unparteiischen könnte ihn einer Besonderheit des Standortes Köln liegen, die schon Legionen von Spielern zu Kreisklassereservisten degradierte: Das Kölner Publikum. Wenn Markus Happe als gestandener Profi schon davon redete, dass Heimspiele oftmals schwerer zu gewinnen seien als Auswärtsspiele, und das ausdrücklich auch auf die Situation in Köln bezog, dann wird es Schiedsrichtern nicht viel anders gehen. Das neue Müngersdorfer Stadion ist wunderbar, es ist eng, laut und nah am Platz, aber es ist voll mit Menschen die mehr als impulsiv sind, die Schiedsrichter wie auch eigene Spieler beim kleinsten Fehler auspfeifen und dieses Asympathietempo beeindruckende 90 Minuten durchhalten können. Pfeift also ein Unparteiischer einen kleinen, unbedeutenden Zweikampf zu Beginn der Partie falsch, wird er sich an das aufbrausende Stadion dann gewöhnt haben, wenn es an wichtige Entscheidungen geht, und dann ist die Gefahr einer unbewussten Benachteiligung der Heimmannschaft durchaus gegeben.

Wenn nun aber Christoph Daum im Fernsehen Stellung nehmen soll zu einem Spiel, das für ihn sehr ungünstig und unbefriedigend verlief, bei dem er selbst die betreffende Szene nicht in voller Klarheit erkennen konnte und bei dem das Publikum seine kämpfende Mannschaft gnadenlos auspfiff, dann sollte man keine ausgefeilten Statements erwarten und genau das ist ja auch das Kalkül der Fernsehsender. Dass sich Michael Meier heute mit dem preisverdächtigen Statement „Es liegt nicht immer nur daran dass wir falsch eingekauft haben“ hinter seinen Trainer stellte ehrt ihn, trägt aber wenig zur Klärung der Angelegenheit bei, die wohl mit einer Geldstrafe für Daum enden wird. So bleibt nur zu hoffen dass Daum sich in seiner Wortwahl etwas verhoben hat, aber noch einmal genau erklärt was er denn meinte – derzeit ist der FC wieder in aller Munde, und da sollte er schleunigst wieder weg.

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