Nicht nur, aber vor allem in den Kommentaren eines Beitrages im Bundesliga-Blog tobt die Diskussion über den FC Energie Cottbus. “Fußballzerstörer!” wettern die einen, die anderen sehen die legitime Spielweise eines von vorneherein unterlegenen Clubs.
Zunächst kann man hier leicht die Fakten der letzten Saison sprechen lassen: Cottbus schoss 2006/07 mehr Tore als Borussia Mönchengladbach, der VfL Wolfsburg und Klopps immer hochgelobte Mainzer, gegen die Theorie einer totalen Defensive spricht auch die Anzahl der Gegentore (49), übrigens genau so viele wie Bayer 04. Dahingemauerte Unentschieden wie am Samstag eben in Leverkusen gab es in der abgelaufenen Spielzeit genau 8, nicht gerade ein Spitzenwert wie Nürnberg und der HSV (jeweils 15) beweisen.
Nun sagen solche Zahlenspielereien, der simplen Abschlusstabelle entnommen, sehr wenig bis gar nichts über die tatsächlichen Spiele aus. Muss er aber auch gar nicht, denn das ist irrelevant. Der FC Energie hatte laut Wikipedia im letzten Jahr einen Etat von 10 Millionen Euro – gerade einmal zwei mehr als ein durchschnittlicher englischer Verein für Robert Huth allein an Ablöse bezahlt hat. Große Sprünge sind und waren da nicht drin, noch nicht einmal in der zweiten Liga, aus der man ja auch eher zufällig aufstieg. Was also tun, zumal im fremden Stadion? Eine plausible Begründung mutig nach vorne zu spielen gibt es so eigentlich nicht.
Es sei denn, man sieht (wie einige Kommentatoren des oben verlinkten Beitrages) den Sport Fußball eben doch in erster Linie als Unterhaltungsprodukt und nicht als Sport an. Wenn es um gepflegtes Passspiel, zwei technisch beschlagene Mannschaften auf Augenhöhe, unvorhergesehene Tricks und unglaubliche Tore gehen soll, dann gehört der FC Energie in die Oberliga. Wenn der Maßstab Arsenal, Barcelona und der neue FC Bayern (Hype!) sind, dann sollte man Cottbus von der Fußballlandkarte tilgen. Der Maßstab ist aber immer noch der Sport, und in dem geht es darum am Ende von 34 Spielen genug Punkte zu haben um nicht abzusteigen, zumindest für einen Verein dieser Größenordnung. Dass Petrik Sander seine Mannschaft so formen kann dass ihr das schon einmal gelungen ist, muss als Beweis sportlicher Kompetenz vollends genügen. Den Schönspielfanatikern ebenso wie den Mauerbauern.
Ganz zu schweigen von “Die Null steht gegen Lettland”-Rudi.
