Jan Müller kann dem Braten einer guten Vorbereitung inkl. eines überzeugenden Sieges gegen Real Madrid noch nicht ganz trauen und ist optimistisch mit Vorbehalten.
Als Fußball-Fan 2.0 mit mehreren Fanforen, Sportseiten, Pressespiegeln und Fanforen-Metablogs in seinen Favoriten wird man dermaßen mit Informationen zu seinem Verein überhäuft, dass man über die Jahre zwangsweise überrational wird.
Vor ca. einem Jahr verkündete Peter Neururer, kein Trainer wäre jemals so zufrieden mit einer Vorbereitung gewesen und ich ließ mich durch Ergebnisse und vielversprechende Neueinkäufe (Jendrisek! Andersson! Bruggink!) zu großer Euphorie hinreißen. Wie das ganze ausging wissen die meisten: 3 Spiele, 2:11 Tore, Wut, Tränen und ein peinlich uneinsichtiger Peter N. im DSF Doppelpass. Andersson und Jendrisek bekamen in der Saison gefühlte 20 Minuten Einsatzzeit und wurden flugs wieder abgegeben. Bruggink rettete sich mit einer guten Rückrunde vor einem Stammplatz auf der Ersatzbank.
Nicht nur ich bin vorsichtig geworden. Selbst das 3-0 gegen Real Madrid, das nun genau eine Woche zurückliegt löste in der Presse und den Fanforen eher reflexartiges Relativieren aus als völlige Euphorie, obwohl ja überregional häufig vom “Umfeld mit hoher Erwartungshaltung” gesprochen wird.
Bringen wir doch jetzt einmal den Status Quo auf den Tisch: Hannover 96 hat mit Dieter Hecking einen Trainer, der zurecht hohes Ansehen bei Management, Mannschaft und Fans genießt. Die Neuzugänge sind – ähnlich wie bei dem von mir geschätzten Ex-Manager Ilja Kaenzig – früh und gezielt eingekauft worden, was darauf schließen lässt dass es genau die Spieler sind, die Hecking für sein System braucht. (Kurz nach der Verkündung des Hanke-Transfers saß ich zwar kopfschüttelnd vor meinem PC, aber man freundet sich ja so schnell mit fast allen Transfers an.) Pinto scheint im offensiven Mittelfeld Stärken ausspielen zu können, die ihm in der Außenverteidigung von Aachen verwehrt blieben. Krebs erinnerte mich in den kurzen Liveeindrücken, die ich von ihm habe an einen kleineren Diego mit längeren Haaren. Kleines Ausbeute in der letzten Saison strahlt eine solche Solidität aus, dass man nur “guter Transfer” sagen kann und Lauth… ja gut, das Wort “Wundertüte” ist vermutlich für seine jetzige Situation erfunden worden. Hinzu kommt mit Sal Zizzo ein vorerst zu vernachlässigender Perspektivspieler. Ich denke, ihm könnte diese Saison das gleiche Schicksal wie Jendrisek ereilen. Lediglich ohne die Trennung zur nächsten Saison, denn ich gehe davon aus, dass Hecking dann noch Trainer sein wird.
Hecking und Hochstätter geben derzeit gebetsmühlenartig das Ziel “Weg-vom-40-Punkte-Denken” aus. Eine schöne Steigerung zum Standardziel des grauen Mittelfeldes der Bundesliga namens “Möglichst-schnell-die-40-Punkte-und-dann -mitnehmen-was-kommt.” Ich bin vorsichtig optimistisch, dass diese Steigerung zu letzter Saison erreicht wird. Auf der anderen Seite habe ich zuviele Prä-Saison-Phasen erlebt, die ähnlich vielversprechend waren. Daher drossele ich jegliche aufkommende Euphorie und erwarte Platz 10-13.
Wenn ich dieser aber kurz freien Lauf lassen darf (denn unter der Oberfläche brodelt es natürlich) schreibe ich:
Selbst gegen schwache Gegner der letzten Saison hat 96 keine so schönen Kombinationen und Dynamik gezeigt wie in vielen Szenen gegen Real Madrid. Wir haben endlich einen echten Strafraumstürmer der auch noch Teil der Nationalmannschaft ist und dessen Frisur okay geht. Der Kader hat diesmal wirklich die Breite, die er benötigt denn der zweite Anzug gegen Real Madrid war vom ersten nicht zu unterscheiden. Heckings Arbeitsweise wirkt so zielstrebig und konzeptgetrieben, dass nur etwas Gutes dabei herauskommen kann. Und das ist Platz 5-8.
Ein fauler Kompromiss von Beitrag, der lediglich sagen will, dass alles passieren kann, weil so häufig alles passiert. Okay, alles außer, dass Peter N. einen neuen Job in der Bundesliga bekommt.
Die Sportteil.net-Charta verlangt von mir leider das Festlegen auf einen Tabellenplatz. 8. Bitteschön.
