“Klare Sache: Wir steigen auf.” meint Moritz Hoffmann und wirft einen Blick auf das Schicksalsjahr seines Vereins
Mir ist bewusst dass dieser Satz Häme auslösen kann, immerhin sind wir sowas wie der FC Bayern der zweiten Liga: Teuer, großkotzig und in der letzten Saison unter allen Erwartungen. Dennoch: Diese Saison steigen wir auf. Nach Jahren des rettigschen Minimalismus und des geordneten Panikkaufs schleicht sich zumindest in weiten Teilen so etwas wie eine nachvollziehbare Transferpolitik in die Köpfe des Geißbockheims. Statt auf ebenso altgediente wie ausgemusterte Ersatzbankprofis aus Wolfsburg, hochgelobte und den psychischen Belastungen Müngersdorfs nicht gewachsene Jungprofis oder einfach von vorne bis hinten durchschnittliche Söldner zu setzen, statt den Weisers, Springers, Rahns und Schindzielorz’ einfach der Kontinuität wegen neue Verträge zu geben wurde der nächste – und letzte – Umbruch gewagt. Spieler wie Madsen, Lagerblom und Haas, die sich, aus welchen Gründen auch immer, in Köln nicht weiter- sondern komplett zurückentwickelten wurden für gute Ablösesummen weiterverkauft und, unter den Strengen Augen Claus Horstmanns in echte Verstärkungen investiert. Mit Mohamad und McKenna wurden zwei Innenverteidiger geholt die in der zweiten Liga zur absoluten Spitzenklasse gehören und ins beste Fußballeralter kommen, Roda Antar zeigte in der Vorbereitung Ansätze zum Mittelfeldchef zu werden und Nemanja Vucicevic könnte zum ersten gefährlichen Distanzschützen Kölns seit gefühlten vierzehn Jahren werden.
Sicher, ein bisschen skeptisch bin ich auch, wenn ich an die deutlich gealterten Mondragon und Ümit Özat denke, der zuletzt verpflichtete Suazo ist mir gänzlich unbekannt. Und dazu kommt dieser unglaubliche Sonntag, der zeigte dass die labile Mannschaftspsyche nicht ausschließlich mit dem Kölner Publikum sondern einfach auch mit der Angst vor der eigenen Courage zu tun hat. Und wenn man an die sichere Unruhe denkt die bei der ersten vermeidbaren Niederlage aufkommt, angeheizt vom Express und mit Benzin überschüttet von Kölner Stadtanzeiger, dann kann es auch gut sein dass die Saison mit dem zweiten GAU in Folge endet.
Allerdings waren die Vorraussetzungen für einen soliden Aufstieg und eine darauf folgende Etablierung in Liga 1 nie so gut: Ein deutscher Nationalstürmer der nach Belieben trifft, einer der unbestritten besten deutschen Trainer auf der Bank, eine sehr solide wirtschaftliche Lage und gute Neuverpflichtungen – wenn es so nicht klappt, dann gar nicht mehr.

